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Antonin Artaud: Der Blutstrahl

Mai 8, 2013

 

DER JUNGE MANN: Ich liebe dich, und alles ist schön.

DAS MÄDCHEN mit einem stärkeren Tremolo in der Stimme: Du liebst mich, und alles ist schön.

DER JUNGE MANN mit leiserer Stimme: Ich liebe dich, und alles ist schön.

DAS MÄDCHEN mit noch leiserer Stimme: Du liebst mich, und alles ist schön.

DER JUNGE MANN sie plötzlich loslassend: Ich liebe dich.

Schweigen.

Stell dich mir gegenüber.

DAS MÄDCHEN gleiches Spiel, stellt sich ihm gegenüber: Da bin ich.

DER JUNGE MANN in einem erregten, schrillen Ton: Ich liebe dich, ich bin groß, ich bin

klar, ich bin voll, ich bin dicht.

DAS MÄDCHEN mit dem gleichen schrillen Ton: Wir lieben uns.

DER JUNGE MANN: Wir sind stark. Ah, ist die Welt gut eingerichtet.

Schweigen. Man hört den Lärm eines ungeheuer großen Rades, das sich dreht und Wind erzeugt. Ein Orkan trennt sie.

In diesem Augenblick sieht man zwei Sterne, die aufeinanderstoßen und eine Reihe von Beinen aus lebendem Fleisch, die niederstürzen mit Füßen, Händen, Haaren, Masken, Säulengängen, Säulenhallen, Tempeln, Retorten, aber immer langsamer, als wenn sie in die Leere stürzten, dann sieht man drei Skorpione, einen nach dem anderen, und endlich einen Frosch und einen Käfer, der sich mit einer verzweifelten Langsamkeit niederläßt, mit einer Langsamkeit, die zum Kotzen ist.

DER JUNGE MANN mit aller Kraft schreiend: Der Himmel ist verrückt geworden.

Er betrachtet den Himmel.

Rennen wir fort.

Er stößt das Mädchen vor sich her. Und ein Ritter des Mittelalters mit einem ungeheuer großen Harnisch tritt ein, gefolgt von einer Amme, die ihre Brüste in beiden Händen hält und wegen ihren zu prallen Brüsten schnauft.

DER RITTER: Geh mit deinen Brüsten weg. Gib mir meine Papiere.

DIE AMME einen schrillen Schrei ausstoßend: Ah! Ah! Ah!

DER RITER: Scheiße, was ist denn los mit dir?

DIE AMME: Unsere Tochter, dort, mit ihm.

DER RITER: Es gibt keine Tochter, scht!

AMME: Aber ich sage dir, sie vögeln.

DER RITTER: Was glaubst du, was es mir ausmacht, wenn sie vögeln.

DIE AMME: Blutschande.

DER RITTER: Puffmutter.

DIE AMME ihre Hände bis auf den Grund ihrer Taschen vergrabend, die ebenso groß wie ihre Brüste sind: Zuhälter.

Sie wirft ihm schnell seine Papiere hin.

DER RITTER: Trine. Laß mich essen.

Die Amme entfernt sich. Darauf richtet er sich auf, und aus dem Innern eines jeden Papieres zieht er eine risengroße Scheibe Käse hervor. Plötzlich hustet er und würgt.

DER RITTER mit vollem Mund: He. He! Zeig mir deine Brüste. Zeig mir deine Brüste.

Wo ist sie denn geblieben?

Er läuft hinaus. Der junge Mann kommt zurück.

DER JUNGE MANN: Ich habe gesehen, ich habe gewußt, ich habe begriffen. Hier der öffentliche Platz, der Priester, der Flickschuster, die vier Jahreszeiten, die Schwelle der Kirche, die Laterne des Bordells, die Waage der Gerechtigkeit. Ich kann nicht mehr!

Ein Priester, ein Schuster, ein Küster, eine Kupplerin, ein Richter, eine Gemüsekarrenfrau erscheinen auf der Bühne wie Schatten.

DER JUNGE MANN: Ich habe sie verloren. Gebt sie mir zurück.

ALLE in verschiedenem Tonfall: Wen? Wen? Wen? Wen?

DER JUNGE MANN: Mein Weib.

DER KÜSTER sehr schmerbäuchig: Euer Weib. Ei, ei! Spaßmacher!

DER JUNGE MANN: Spaßmacher! Es ist vielleicht die deine!

DER KÜSTER sich vor die Stirn schlagend: Das stimmt womöglich.

Er läuft hinaus. Der Priester seinerseits löst sich aus der Gruppe und legt seinen Arm um den Hals des jungen Mannes.

Auf welchen Teil ihres Körpers haben sie am häufigsten angespielt?

DER JUNGE MANN: Auf Gott.

Der Priester, fassungslos durch diese Antwort, verfällt unmittelbar in den Schweizer Akzent.

DER PRIESTER mit Schweizer Akzent: Aber das macht man nicht mehr. Wir hören nicht mehr gut auf diesem Ohr. Dies muß man bei den Vulkanen, den Erdbeben erfragen. Unsereiner ergötzt sich an den kleinen Schweinereien der Menschen im Beichsstuhl. Bitte schön, das ist alles, das ist das Leben.

DER JUNGE MANN sehr befremdet: Ah, das also, das ist das Leben! Nun gut, alles haut ab.

DER PRIESTER immer noch mit Scheizer Akzent: Aber ja.

In diesem Augenblick bricht die Nacht plötzlich über die Bühne herein. Die Erde bebt. Der Donner wütet mit Blitzen, die nach allen Richtungen springen, und im Zickzack dieser Blitze sieht man alle Darsteller, die zu rennen beginnen, zusammenstoßen, niederstürzen, sich wieder erheben und laufen wie die Verrückten. In einem gewissen Augenblick ergreift eine übergroße Hand das Haar der Kupplerin, die in Brand gerät und zusehends größer wird.

EINE GIGANTISCHE STIMME: Hündin, betrachte deinen Leib!

Der Körper der Kupplerin erscheint vollständig nackt und häßlich unter dem Mieder und dem Rock, die gläsern werden.

DIE KUPPLERIN: Laß mich in Ruhe, Gott!

Sie beißt Gott ins Handgelenk. Ein ungeheuer großer Blutstrahl teilt die Bühne, und man sieht mitten in einem viel größeren Blitz den Priester, der das Zeichen des Kreuzes macht. Als es wieder hell wird, sind alle Personen tot, und ihre Leichname liegen überall auf dem Boden. Übrig geblieben sind nur der junge Mann und die Kupplerin, die sich mit den Augen verschlingen. Die Kupplerin fällt in die Arme des jungen Mannes.

DIE KUPPLERIN mit einem Seufzer, und wie auf dem äußersten Punkt des Liebeskrampfes: Erzählen Sie mir, wie Ihnen dies passiert ist.

Der junge Mann verbirgt das Gesicht in seinen Händen. Dioe Amme kommt zurück, und unter ihrem Arm trägt sie das Mädchen wie ein Paket. Das Mädchen ist tot. Sie läßt es zur Erde fallen, wo es zerbricht und flach wie ein Fladen wird. Die Amme hat keine Brüste mehr. Ihre Brust ist vollkommen flach. In diesem Augenblick erscheint der Ritter, der auf die Amme losstürzt und sie heftig rüttelt.

DER RITTER: Wo hast du sie hingelegt? Gib mir meinen Käse.

DIE AMME munter: Da, nimm!

Sie hebt ihre Kleider. Der junge Mann will fortlaufen, er erstarrt zu einer versteinerten Marionette.

DER JUNGE MANN wie in der Luft schwebend und mit der Stimme eines Bauchredners:

Tue der Mama nichts Böses!

DER RITTER: Verfluchte.

Er verhüllt sein Gesicht vor Entsetzen. Dann krabbeln unter den Röcken der Amme unzählige Skorpione hervor, und sie beginnen in seinem Geschlecht zu wimmeln, das anschwillt und sich spaltet, gläsern wird und glänzend wie eine Sonne. Der junge Mann und die Kupplerin rennen fort, wie gestochen.

DAS MÄDCHEN sich wie geblendet aufrichtend: Die Jungfrau! Also das hat er gesucht!

Vorhang.

(aus: Die Nervenwaage ubnd andere Texte, übers. v. Dieter Hülsmanns und Friedolin Reske. Fischer Verlag 1964)

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (1)

Mai 8, 2013

Quelle via

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(Weegee)

Personen: 1. Mr. Smith 2. Mrs. Smith 3. Mr. Martin 4. Mrs. Martin

  1. Mary, die Magd 6. Der Feuerwehrhauptmann

Erste Szene

Ein gutbürgerliches englisches Interieur mit englischen Fauteuils. Eine englische Abendunterhaltung.

Mr. Smith, ein Engländer, mit seinen englischen Pantoffeln, sitzt in seinem englischen Fauteuil, raucht eine englische Pfeife und liest eine englische Zeitung an einem englischen Kaminfeuer. Er trägt eine englische Brille, einen kleinen grauen englischen Schnauf. – Neben ihm, in einem zweiten englischen Fauteuil, seine Frau eine Engländerin, die englische Socken strickt. – Ein langes englisches Schweigen. —Die englische Wanduhrschlägt siebzehn englische Schläge.

MRS SMITH

. . . Sieh mal an, es ist neun Uhr. Wir haben Suppe, Fisch, Kartoffeln mit Speck und englischen Salat gegessen. Die Kinder haben englisches Wasser getrunken. Wir haben gut gegessen heute Abend, weil wir in der Umgebung von London wohnen und weil unser Name Smith ist.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Die Kartoffeln sind sehr gut mit Speck, das Salatöl war nicht ranzig. Das Öl vom Händler an der Ecke ist viel, viel besser als das Öl vom Händler vis-a-vis, es ist sogar besser als das Öl vom Händler unten am Strand. Aber ich will damit nicht sagen, dass ihr Öl schlecht wäre.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Doch das Öl vom Händler an der Ecke ist immer noch das beste . . .

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Mary hat diesmal die Kartoffeln gut gekocht. Das letzte Mal hat sie sie nicht genügend kochen lassen. Nur wenn sie genügend gekocht sind, habe ich sie gerne.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Die Fische waren frisch. Ich habe mir die Lippen geleckt. Zweimal habe ich herausgenommen. Nein, dreimal. Davon muss ich aufs Häuschen gehen. Du hast auch dreimal herausgenommen. Doch beim drittenmal hast du weniger genommen als bei den zwei ersten, während ich viel mehr genommen habe. Ich habe heute besser gegessen als du. Wie kommt das? Gewöhnlich bist du’s, der am meisten isst. An Appetit fehlt es dir nicht.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge.

MRS SMITH

Die Suppe war vielleicht ein bisschen versalzen. Sie hatte mehr Salz als du, ha, ha, ha. Sie hatte auch zu viel Lauch und zu wenig Zwiebeln. Schade, dass ich Mary nicht empfohlen habe, ein Nelkenköpfchen beizugeben. Das muss ich mir merken für’s nächste Mal.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Unser Junge hätte gerne Bier getrunken; bald wird er es lieben, sich damit voll zupatzen – er gleicht dir. Hast du gesehen, wie er bei Tisch auf die Flasche schielte ? Ich habe aber sein Glas mit Wasser aus dem Krug gefüllt. Er hatte Durst, und er hat getrunken. Heien gleicht mir: sie ist eine gute Hausfrau, sparsam, und spielt Klavier. Sie verlangt nicht, englisches Bier zu trinken. Genau wie unsere kleine Tochter, die immer nur Milch trinkt und Müschen isst. Man merkt es ihr an, dass sie erst zwei Jahre alt ist. Sie heißt Peggy. Die Bohnen- und Quittentorte war ausgezeichnet. Wir hätten vielleicht gut getan, zum Nachtisch ein Gläschen australischen Burgunder zu trinken. Aber den Wein habe ich extra nicht aufgetischt, um den Kindern kein schlechtes Beispiel zu geben. Man muss sie lehren, im Leben maßvoll und nüchtern zu bleiben.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Mrs. Parker kennt einen rumänischen Krämer namens Popesco Rosenfeld, der eben aus Konstantinopel gekommen ist. Er ist ein Spezialist in Sachen Yoghurt. Er hat ein Diplom der Fachschule für Yoghurthersteller in Andrinopel. Morgen werde ich bei ihm einen großen Topf rumänischen Folkloreyoghurt kaufen. Solche Dinge gibt es nur selten hier in der Umgebung von London.

MR SMITH schnalzt mit der Zunge, ohne die Lektüre zu unterbrechen.

MRS SMITH

Der Yoghurt ist für den Magen ausgezeichnet, auch für die Nieren, den Blinddarm und die Apotheose. Das hat mir Dr. Mackenzie-King erzählt, der die Kinder unserer Nachbarn, der John’s, in Behandlung hat. Er ist ein guter Arzt. Zu ihm darf man Vertrauen haben. Er empfiehlt nie andere Mittel, als die, welche er selbst ausprobiert hat. Bevor er Parker die Leber operierte, hat er sich selbst operieren lassen, ohne überhaupt krank zu sein.

MR SMITH

Wie kommt es denn, dass der Doktor heil davon gekommen ist, während Parker daran starb?

MRS SMITH

Weil die Operation beim Arzt gelang, bei Parker aber nicht.

MR SMITH

Also ist Mackenzie kein guter Arzt. Die Operation hätte bei beiden gelingen sollen, oder aber beide hätten dabei sterben müssen.

MRS SMITH

Wieso?

MR SMITH

Ein gewissenhafter Arzt muss mit dem Kranken sterben, wenn sie nicht zusammen gesund werden können. Der Kommandant eines Schiffes geht mit dem Schiff in den Wellen unter. Er überlebt es nicht.

MRS SMITH

Einen Kranken kann man nicht mit einem Schiff vergleichen.

MR SMITH

Wieso nicht? Ein Schiff hat auch seine Krankheiten. Überhaupt ist dein Arzt so gesund wie ein Kriegsschiff, darum hätte er mit dem Kranken umkommen müssen, wie der Doktor und sein Schiff.

MRS SMITH

Ah! Daran habe ich nicht gedacht. . . Das stimmt vielleicht. . . Und welchen Schluss ziehst du daraus?

MR SMITH

Alle Ärzte sind Scharlatane. Und alle Kranken auch. Nur die Marine ist ehrlich in England.

MRS SMITH

Aber nicht die Matrosen.

MR SMITH

Natürlich.

Pause.

MR SMITH immer noch mit seiner Zeitung:

Hier ist etwas, das ich nicht verstehe: Warum gibt man in der Rubrik der Zivilstandsnachrichten immer nur das Alter der Toten an und nie das der Neugeborenen? Das ist doch ein Nonsens.

MRS SMITH

Das ist mir noch nie aufgefallen!

Erneutes Schweigen. Die Wanduhr schlägt siebenmal. Pause. Die Wanduhr schlägt dreimal. Pause.Die Wanduhr schlägt keinmal.

MR SMITH immer noch mit seiner Zeitung:

Schau, da steht, dass Bobby Watson gestorben ist.

MRS SMITH

Mein Gott, der Arme! Wann ist er denn gestorben?

MR SMITH

Warum bist du so erstaunt? Du wusstest doch, dass er seit zwei Jahren tot ist. Erinnerst du dich nicht? Wir waren an seiner Beerdigung vor anderthalb Jahren.

MRS SMITH

Natürlich entsinne ich mich. Es kam mir sofort wieder in den Sinn, aber ich begriff nicht, warum du so erstaunt warst, dass es in der Zeitung steht.

MR SMITH

Das steht ja gar nicht in der Zeitung. Schon vor drei Jahren hat man von seinem Tod gesprochen. Es kam mir wieder in den Sinn aus… weil es mir wieder in den Sinn kam!

MRS SMITH

Schade! Er war so gut erhalten.

MR SMITH

Er war der schönste Leichnam von Großbritannien! Er schien gar nicht so alt. Der arme Bobby! Er war schon vier Jahre tot und immer noch warm. Ein wahrer lebender Leichnam. Und wie war er doch froh!

MRS SMITH

Die arme Bobby!

MR SMITH

Du willst doch sagen: der arme Bobby.

MRS SMITH

Nein, ich denke an seine Frau. Sie hieß Bobby wie er: Bobby Watson. Weil sie denselben Namen trugen, konnte man sie nicht unterscheiden, wenn man sie zusammen sah. Erst nach seinem Tode hat man wirklich gewusst, wer wer war. Und noch heute gibt es Leute, die sie mit dem Toten verwechseln und ihr kondolieren. Kennst du sie?

MR SMITH

Ich habe sie erst einmal gesehen – rein zufällig – bei Bobbys Begräbnis.

MRS SMITH

Ich habe sie noch nie gesehen. Ist sie hübsch?

MR SMITH

Ihre Züge sind regelmäßig, doch könnte man nicht sagen, sie sei hübsch. Sie ist zu groß und zu fest. Ihre Züge sind unregelmäßig, doch könnte man sagen, sie sei sehr hübsch. Sie ist etwas zu klein und zu mager. Sie ist Gesangslehrerin.

Die Wanduhr schlägt fünfmal. Langes Schweigen.

MRS SMITH

Und wann gedenken die beiden zu heiraten?

MR SMITH

Allerspätestens im nächsten Frühjahr.

MRS SMITH

Wir werden bestimmt zu ihrer Hochzeit müssen.

MR SMITH

Ein Geschenk werden wir ihnen machen müssen. Ich frage mich nur was für eines ?

MRS SMITH

Warum nicht eine von den sieben Silberplatten,die man uns zur Hochzeit geschenkt hat? Die haben wir ja doch nie gebrauchen können. Ein trauriges Schicksal, in so jungen Jahren eine Witwe zu sein!

MR SMITH

Zum Glück hatten sie keine Kinder.

MRS SMITH

Das hätte ihnen noch gefehlt! Was hätte die arme Frau jetzt damit angefangen?

MR SMITH

Sie ist noch jung. Sie kann sich sehr gut wieder verheiraten. Schwarz steht ihr doch so gut!

MRS SMITH

Aber wer wird für die Kinder sorgen? Du weißt, sie haben einen Jungen und ein Töchterchen. Wie heißen sie nur?

MR SMITH

Bobby und Bobby, wie ihre Eltern. Bobby Watsons Onkel, der alte Bobby Watson, ist reich und liebt den Jungen. Er könnte sich sehr gut um Bobbys Erziehung kümmern.

MRS SMITH

Das wäre nur natürlich! Und Bobby Watsons Tante, die alte Bobby Watson, könnte sich ihrerseits auch sehr gut um die Erziehung der Bobby Watson, der Tochter der Bobby Watson, bemühen. So könnte Bobby, Bobby Watsons Mama, sich wieder verheiraten. Hat sie jemanden im Auge?

MR SMITH

Ja, einen Neffen, der Bobby Watson.

MRS SMITH

Den Bobby Watson?

MR SMITH

Von welchem Bobby Watson sprichst du?

MRS SMITH

Von Bobby Watson, dem Sohn des alten Bobby Watson, dem zweiten Onkel des Bobby Watson, der tot ist.

MR SMITH

Nein, nicht der, ein anderer. Es ist Bobby Watson, der Sohn der alten Bobby Watson, die Tante des Bobby Watson, der tot ist.

MRS SMITH

Du meinst Bobby Watson, den Handelsreisenden?

MR SMITH

Alle Bobby Watsons sind Handelsreisende.

MRS SMITH

Was für ein harter Beruf! Man macht aber gute Geschäfte dabei.

MR SMITH

Ja, wenn man keine Konkurrenz hat.

MRS SMITH

Und wann hat man keine Konkurrenz?

MR SMITH

Am Dienstag, Donnerstag und Dienstag.

MRS SMITH

Ach! An drei Tagen in der Woche? Und was tut Bobby Watson in dieser Zeit?

MR SMITH

Er schläft und ruht sich aus.

MRS SMITH

Warum arbeitet er nicht an diesen drei Tagen, wenn er doch keine Konkurrenz hat?

MR SMITH

Ich kann nicht alles wissen. Ich kann nicht auf alle deine idiotischen Fragen eine Antwort geben!

MRS SMITH beleidigt:

Das sagst du, um mich zu demütigen.

MR SMITH lächelt übers ganze Gesicht:

Du weißt, dass das nicht so ist.

MRS SMITH

Ihr Männer seid doch alle gleich: Den ganzen Tag habt ihr die Zigarette im Mund, oder ihr pudert euch und schminkt eure Lippen fünfzigmal am Tag, wenn ihr euch nicht betrinkt!

MR SMITH

Aber was würdest du sagen, wenn die Männer dasselbe täten wie die Frauen: den ganzen Tag rauchen, sich pudern, Lippenrot auflegen und Whisky trinken?

MRS SMITH

Was mich betrifft, ich schere mich nicht darum! Aber wenn du das sagst, um mich zu ärgern, dann . . . ich liebe solche Scherze nicht, das weißt du!

Sie wirft die Socken weit von sich fort und zeigt ihre Zähne. Sie steht auf.

MR SMITH steht ebenfalls auf und geht zärtlich auf seine Frau zu:

O! Mein kleines Brathühnchen, warum speist du Feuer? Du weißt doch, dass ich das nur zum Scherz sage!

Er fasst sie um die Hüfte und küßt sie.

Was sind wir doch für ein altes lächerliches Paar Jungverliebter! Komm, wir wollen das

Licht ausdrehen und ein kleines Schlummerchen machen!

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (2)

Mai 8, 2013

 

 

Zweite Szene

 

 

MARY kommt herein:

 

Ich bin die Magd. Ich habe einen sehr angenehmen Nachmittag verbracht. Ich

 

war im Kino mit einem Mann und sah einen Film mit Frauen. Nach dem Kino haben wir Schnaps und Milch getrunken, dann hat man die Zeitung gelesen.

 

MRS SMITH

 

Ich hoffe, Sie haben einen sehr angenehmen Nachmittag verbracht, dass Sie im Kino waren mit einem Mann und dass Sie Schnaps und Milch getrunken haben.

 

MR SMITH

 

Und die Zeitung l

 

MARY

 

Ihre Gäste, Mrs. und Mr. Martin, sind vor der Türe. Sie haben auf mich gewartet, weil sie nicht allein einzutreten wagten. Sie hätten mit Ihnen zu Abend speisen sollen.

 

MRS SMITH

 

Ach, ja! Wir haben sie erwartet. Und da wir Hunger hatten und sie nicht kamen, haben wir ohne sie gegessen. Mary, Sie hätten nicht ausgehen dürfen!

 

MARY

 

Sie haben mir selbst die Erlaubnis erteilt.

 

MR SMITH

 

Das ist nicht mit Absicht geschehen!

 

MARY bricht in ein Lachen aus. Dann weint sie. Sie lächelt:

 

Ich habe mir einen Nachttopf gekauft.

 

MRS SMITH

 

Meine liebe Mary, möchten Sie bitte die Türe öffnen und Mr. und Mrs. Martin hereinlassen, bitte. Wir werden uns inzwischen schnell ankleiden.

 

Mrs. und Mr. Smith verschwinden rechts. Mary öffnet die linke Türe. Mr. und Mrs. Martin treten ein.

 

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (3)

Mai 8, 2013

 

 

Dritte Szene

 

 

MARY

 

Warum kommen Sie so spät? Sie sind nicht höflich. Man muss zur Zeit da sein, verstanden? Setzen Sie sich trotzdem und warten Sie jetzt.

 

Sie geht hinaus.

 

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (4)

Mai 8, 2013

 

 

Vierte Szene

 

 

Mrs. und Mr. Martin sitzen einander gegenüber, ohne zu sprechen. Sie lächeln sich schüchtern zu. Der folgende Dialog soll mit schleppender, gleichförmiger, leicht singender Stimme, ohne Nuancen vorgetragen werden.

 

MR MARTIN

 

Verzeihung, Madame, doch es scheint mir – wenn ich mich nicht irre -, als wäre ich Ihnen bereits irgendwo begegnet.

 

MRS MARTIN

 

Mir auch, Monsieur, mir scheint, als wäre ich Ihnen bereits irgendwo begegnet.

 

MR MARTIN

 

Habe ich Sie nicht zufällig in Manchester gesehen, Madame?

 

MRS MARTIN

 

Das wäre sehr gut möglich. Ich bin aus Manchester gebürtig. Aber ich erinnere mich nicht sehr gut, Monsieur. Ich wäre außerstande zu sagen, ob ich Sie dort gesehen habe oder nicht!

 

MR MARTIN

 

Mein Gott, wie seltsam! Ich bin auch aus Manchester gebürtig, Madame!

 

MRS MARTIN

 

Wie seltsam!

 

MR MARTIN

 

Wie sonderbar! . . . Nur habe ich, Madame, Manchester vor ungefähr fünf Wochen verlassen.

 

MRS MARTIN

 

Wie sonderbar! Welch ein Zusammenspiel! Ich habe Manchester, Monsieur, auch vor

 

ungefähr fünf Wochen verlassen!

 

MR MARTIN

 

Ich nahm den Zug eine halbe Stunde nach acht Uhr früh, der eine Viertelstunde vor fünf in London eintrifft, Madame.

 

MRS MARTIN

 

Wie seltsam! Wie unbegreiflich! Welch ein Zusammenspiel ! Ich nahm denselben Zug wie Sie, Monsieur l

 

MR MARTIN

 

Mein Gott, wie unbegreiflich! Dann habe ich Sie, Madame, vielleicht in jenem Zug gesehen?

 

MRS MARTIN

 

Das ist gut möglich, nicht ausgeschlossen, scheint mir plausibel, und warum nicht, vielleicht! .. . Doch erinnere ich mich überhaupt nicht, Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Ich reiste zweite Klasse, Madame. In England besteht keine zweite Klasse, aber ich reise trotzdem immer zweite Klasse.

 

MRS MARTIN

 

Wie unbegreiflich! Wie seltsam! Welch ein Zusammenspiel! Ich reiste auch zweite Klasse, Monsieur!

 

 

MR MARTIN

 

Wie unbegreiflich! Dann haben wir uns vielleicht in zweiter Klasse getroffen, chere Madame!

 

MRS MARTIN

 

Das ist sehr gut möglich und ganz und gar nicht ausgeschlossen. Doch ich entsinne mich nicht sehr gut, eher Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Mein Platz war im Wagen Nummer 8, sechstes Abteil, Madame!

 

MRS MARTIN

 

Wie sonderbar! Mein Platz war auch im Wagen Nummer 8, sechstes Abteil, cher Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Wie sonderbar und welch unbegreifliches Zusammenspiel! Vielleicht trafen wir uns im sechsten Abteil, chere Madame!

 

MRS MARTIN

 

Das ist gut möglich, warum nicht! Aber ich entsinne mich dessen nicht, eher Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Tatsächlich entsinne ich mich dessen auch nicht, chere Madame, doch ist es möglich, dass wir uns dort gesehen haben, und wenn ich genau überlege, so scheint mir, dass es sogar wohl möglich ist!

 

MRS MARTIN

 

O! Natürlich, gewiss, natürlich, Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Wie sonderbar!.. . Ich hatte den Sitz Nummer 3 beim Fenster, chere Madame.

 

MRS MARTIN

 

O, mein Gott! Wie ist das unbegreiflich! Wie seltsam! Ich hatte den Sitz Nummer 6 beim Fenster, Ihnen vis-a-vis, eher Monsieur.

 

MR MARTIN

 

O, mein Gott! Wie sonderbar! Welch ein Zusammenspiel! . .. Wir saßen einander also vis-a-vis, chere Madame! Dort haben wir uns sehen müssen!

 

MRS MARTIN

 

Wie unbegreiflich! Das ist möglich, aber ich entsinne mich nicht mehr, Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Tatsächlich entsinne ich mich auch nicht mehr, chere Madame. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass wir uns bei dieser Gelegenheit gesehen haben!

 

MRS MARTIN

 

Gewiss, aber ich bin gar nicht sicher, Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Waren Sie nicht, chere Madame, jene Dame, welche mich bat, ihren Koffer ins Netz zu befördern, die sich hierauf bedankte und mir das Rauchen erlaubte ?

 

MRS MARTIN

 

Aber doch, das könnte ich gewesen sein, Monsieur! Wie sonderbar! Wie sonderbar! Und welch ein Zusammenspiel !

 

MR MARTIN

 

Wie sonderbar! Wie unbegreiflich und welch ein Zusammenspiel! Dann, dann haben wir uns vielleicht in jenem Moment gekannt, Madame ?

 

MRS MARTIN

 

Wie unbegreiflich und welch ein Zusammenspiel! Das ist gut möglich, eher Monsieur!Dennoch glaube ich nicht, mich dessen zu entsinnen.

 

MR MARTIN

 

Ich auch nicht, Madame!

 

Pause. Die Wanduhr schlägt 2-1.

 

Seit ich in London eintraf, chere Madame, wohne ich an der Bromfieldstreet.

 

MRS MARTIN

 

Wie sonderbar! Wie unbegreiflich! Seit meiner Ankunft in London wohne ich auch an der Bromfieldstreet, cher Monsieur.

 

MR MARTIN

 

Wie sonderbar! Aber dann, aber dann sind wir einander vielleicht an der Bromfieldstreet begegnet, chere Madame.

 

MRS MARTIN

 

Wie sonderbar! Wie unbegreiflich! Das ist gut möglich, warum nicht! Doch ich entsinne mich dessen nicht, cher Monsieur.

 

MR MARTIN

 

Ich wohne Nr. 19, chere Madame!

 

MRS MARTIN

 

Wie sonderbar! Ich wohne auch Nr. 19, eher Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Aber dann, aber dann, aber dann, aber dann haben wir uns vielleicht in diesem Haus gesehen, chere Madame?

 

 

MRS MARTIN

 

Das ist sehr gut möglich, doch entsinne ich mich dessen nicht, eher Monsieur.

 

MR MARTIN

 

Meine Wohnung ist im fünften Stock und trägt die Nr. 8, chere Madame!

 

MRS MARTIN

 

Wie ist das sonderbar, mein Gott! Wie unbegreiflich! Welch ein Zusammenspiel! Ich wohne ebenfalls im fünften Stock in der Wohnung Nr. 8, cher Monsieur!

 

MR MARTIN nachdenklich:

 

Wie sonderbar! Wie sonderbar! Wie sonderbar! Und welch ein Zusammenspiel! Wissen Sie, in meinem Schlafzimmer steht ein Bett. Dieses Bett hat eine grüne Federdecke. Das Zimmer mit dem Bett und der grünen Federdecke befindet sich am Ende eines Ganges, zwischen dem Klosett und der Bibliothek, chere Madame!

 

MRS MARTIN

 

Welch ein Zusammenspiel! Ach, mein Gott, welch ein Zusammenspiel! Mein Schlafzimmer enthält auch ein Bett mit einer grünen Federdecke und befindet sich auch am Ende des Ganges zwischen dem Klosett, cher Monsieur, und der Bibliothek!

 

MR MARTIN

 

Wie unbegreiflich, seltsam, sonderbar! Madame, dann wohnen wir also im gleichen Zimmer und schlafen im gleichen Bett, chere Madame. Vielleicht haben wir uns dort getroffen!

 

MRS MARTIN

 

Wie unbegreiflich! Und welch ein Zusammenspiel ! Das ist gut möglich, dass wir uns dort getroffen haben, und vielleicht sogar letzte Nacht. Doch dessen entsinne ich mich keineswegs, cher Monsieur!

 

MR MARTIN

 

Ich habe eine kleine Tochter, mein Töchterchen, sie wohnt bei mir, chere Madame. Sie ist zwei Jahre alt, ist blond, hat ein weißes und ein rotes Auge, ist sehr hübsch, heißt Alice, chere Madame.

 

MRS MARTIN

 

Welch unbegreifliches Zusammenspiel! Auch ich habe eine kleine Tochter, sie ist zwei Jahre alt, hat ein weißes und ein rotes Auge, ist sehr hübsch und heißt auch Alice, cher Monsieur!

 

MR MARTIN mit derselben schleppenden, monotonen Stimme:

 

Wie sonderbar! Und welch ein Zusammenspiel! Und unbegreiflich! Das ist vielleicht die gleiche, chere Madame!

 

MRS MARTIN

 

Wie sonderbar! Das ist gut möglich, cher Monsieur.

 

Ein ziemlich langes Schweigen… Die Wanduhr schlägt neun-undzwanzigmal.

 

MR MARTIN, nach langem Nachdenken steht er auf, ohne sich zu beeilen, und geht langsam auf Mrs. Martin zu. Diese, von der feierlichen Miene ihres Gatten überrascht, hat sich ebenfalls erhoben. Mr. Martin hat immer noch eine seltene, leicht singende, monotone Stimme:

 

In diesem Falle, chere Madame, steht es außer Zweifel: Wir haben uns bereits einmal gesehen, und Sie sind meine eigene Gattin… Elisabeth, ich habe dich wieder I

 

MRS MARTIN nähert sich ihrem Gatten ohne Hast. Die beiden küssen sich ausdruckslos. Die Wanduhr schlägt einmal sehr stark. Ihr Schlag soll so stark sein, dass die Zuschauer aufschrecken. Das Ehepaar Martin hört nichts.

 

MRS MARTIN

 

Donald, bist du’s, Darling I

 

Sie setzen sich auf den gleichen Fauteuil, halten sich umschlungen und schlafen ein. – Die Wanduhr schlägt noch einige Male. Auf den Zehenspitzen tritt Mary herein und wendet sich – mit einem Finger am Lippenrand – leise zum Publikum.

 

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (5)

Mai 8, 2013

 

 

Fünfte Szene

 

 

MARY

 

Elisabeth und Donald sind jetzt zu glücklich, um mich hören zu können. Deshalb kann ich euch ein Geheimnis verraten: Elisabeth ist nicht Elisabeth. Donald ist nicht Donald. Ich habe den Beweis: Das Kind, von dem Donald spricht, ist nicht die Tochter der Elisabeth, ist nicht ein und dieselbe Person. Donalds Töchterchen hat zwar, wie die Tochter der Elisabeth, ein weißes und ein rotes Auge. Aber Donalds Tochter hat ein weißes Auge rechts und ein rotes Auge links, während die Tochter der Elisabeth ein rotes Auge rechts und ein weißes Auge links hat! So stürzt das ganze System von Donalds Beweisführung in nichts zusammen. Trotz des außergewöhnlichen Zusammentreffens, das einen endgültigen Beweis zu liefern scheint, sind Donald und Elisabeth nicht Donald und Elisabeth, weil sie nicht die Eltern desselben Kindes sind. Er mag sich noch so sehr für Donald halten, sie mag sich noch so sehr für Elisabeth halten; er mag sie noch so sehr für Elisabeth halten, sie mag ihn noch so sehr für Donald halten: sie irren sich bitterlich. Aber wer ist der wahre Donald? Wer die echte Elisabeth? Wer hat ein Interesse daran, dass diese Verwirrung länger dauert? Ich weiß es nicht, versuchen wir nicht, es zu wissen. Lassen wir die Dinge, so wie sie sind.

 

Sie macht ein paar Schritte zur Tür, kehrt um und wendet sich ans Publikum:

 

Mein wahrer Name ist Sherlock Holmes.

 

Sie geht ab.

 

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (6)

Mai 8, 2013

 

 

Sechste Szene

 

 

Die Wanduhr schlägt so oft sie will. Nach manchen Augenblicken trennen sich Mr. und Mrs. Martin voneinander. Beide nehmen ihren ursprünglichen Platz wieder ein.

 

MR MARTIN

 

Vergessen wir alles, Darling, was zwischen uns nicht geschehen ist, und versuchen wir jetzt, da wir uns wiedergefunden haben, uns nicht mehr zu verlieren, und leben wir wie zuvor.

 

MRS MARTIN

 

Ja, Darling.

 

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (7)

Mai 8, 2013

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Siebente Szene

Mrs. und Mr. Smith kommen von rechts, ohne die Kleider gewechselt zuhaben.

MRS SMITH

Guten Abend, meine Freunde! Verzeiht, dass wir euch so lange haben warten lassen. Wir haben gedacht, dass wir euch die Ehre erteilen müssen, die euch gebührt, und als wir vernommen haben, dass ihr uns das Vergnügen bereiten möchtet, uns ohne Anmeldung zu besuchen, haben wir schleunigst unsere Galakleider angezogen.

MR SMITH wütend:

Den ganzen Tag haben wir nichts gegessen. Vier Stunden haben wir auf euch gewartet. Warum kommt ihr erst jetzt?

Mrs. und Mr. Smith setzen sich den Gästen gegenüber. Die Wanduhr unterstreicht das Gespräch von Fall zu Fall mit größerer oder geringerer Lautstärke.

Die Martins, sie vor allem, blicken verlegen und schüchtern drein. Deshalb entspinnt sich ein Gespräch nur schwer, und mühsam folgen sich die Worte am Anfang. Zuerst ein langes betretenes Schweigen, später wird aber noch häufig gezögert und geschwiegen.

MR SMITH

Hm.

Pause.

MRS SMITH

Hm, hm.

Pause.

MRS MARTIN

Hm, hm, hm.

Pause.

MR MARTIN

Hm, hm, hm, hm.

Pause.

MRS MARTIN

O, gewiss.

Pause.

MR MARTIN

Wir sind alle etwas heiser.

Pause.

MR SMITH

Es ist aber gar nicht kalt.

Pause.

MRS SMITH

Es ist gar kein Durchzug.

Pause.

MR MARTIN

O, zum Glück nicht.

Pause.

MR SMITH

Ah, lala-lala.

Pause.

MR MARTIN

Haben Sie Kummer?

Pause.

MRS SMITH

Nein, er hat die Nase voll.

Pause.

MRS MARTIN

In Ihrem Alter sollten Sie das nicht.

Pause.

MR SMITH

Das Herz kennt kein Alter.

Pause.

MR MARTIN

Stimmt.

Pause.

MRS SMITH

Man sagt’s.

Pause.

MRS MARTIN

Man sagt auch das Gegenteil.

Pause.

MR MARTIN

Die Wahrheit liegt zwischendrin.

Pause.

MR MARTIN

Stimmt.

Pause.

MRS SMITH zu den Martins:

Sie reisen soviel herum, Sie sollten immerhin etwas zu erzählen haben.

MR MARTIN zu seiner Frau:

Sag, Liebling, was hast du heute gesehen?

MRS MARTIN

Es hat keinen Zweck, man wird es mir doch nicht glauben.

MR SMITH

Wir werden doch Ihre Redlichkeit nicht in Zweifel ziehen!

MRS SMITH

Sie beleidigen uns, wenn Sie das glauben.

MR MARTIN zu seiner Frau:

Du beleidigst sie, Liebling, wenn du das glaubst. . .

MRS MARTIN reizvoll:

Ach, ich habe heute einer unerhörten Sache beigewohnt, einer unglaublichen Sache.

MR MARTIN

Sag schnell, Liebling.

MR SMITH

Ah, jetzt wird’s unterhaltsam.

MRS SMITH

Endlich.

MRS MARTIN

Also heute, als ich auf den Markt ging, um Gemüse zu kaufen, das immer teurer wird . . .

MRS SMITH

Was kommt jetzt wohl?

MR SMITH

Nicht unterbrechen, Liebling, Böse.

MRS MARTIN

… da sah ich auf der Straße, neben einem Café, einen gutgekleideten Herrn von etwa fünfzig Jahren oder nicht einmal, der . . .

MR SMITH

Der was?

MRS SMITH

Der was?

MR SMITH zu seiner Frau:

Nicht unterbrechen, Liebling. Du bist ekelhaft.

MRS SMITH

Liebling, du hast zuerst unterbrochen, Flegel.

MR MARTIN

Pst!

Zu seiner Frau:

Was tat dieser Herr?

MRS MARTIN

Also, ihr werdet sagen, dass ich erfinde: Er hatte ein Knie auf den Boden gestützt und beugte sich vor.

ALLE

O!

MRS MARTIN

Ja, er beugte sich vor.

MR SMITH

Unerhört!

MRS MARTIN

Ja … Ich trat näher, um zu sehen, was er tat…

MR SMITH

Und?

MRS MARTIN

Er band seine Schuhriemen, die sich gelöst hatten.

ALLE

Phantastisch!

MR SMITH

Das würde ich sonst niemandem glauben.

MR MARTIN

Wieso nicht? Man sieht noch weit ungewöhnlichere Dinge, wenn man durch die Stadt geht. So sah ich heute zum Beispiel einen Mann in der Untergrundbahn, der ruhig seine Zeitung las.

MRS SMITH

Was für ein Kauz!

MR SMITH

Vielleicht war es derselbe!

An der Türe hört man läuten.

Hört, es klingelt.

MRS SMITH

Das muss jemand sein. Ich will nachschauen.

Sie geht zur Türe, öffnet sie und kommt zurück.

Niemand.

Sie setzt sich wieder.

MR MARTIN

Ich will euch ein anderes Beispiel erzählen . . .

Klingeln.

MR SMITH

Hört, es klingelt.

MRS SMITH

Es muss jemand draußen sein. Ich will nachschauen.

Sie geht zur Türe, öffnet sie und kommt zurück.

Niemand.

Sie geht an ihren Platz zurück.

MR MARTIN der vergessen hat, was er sagen wollte:

Eeh! . . .

MRS MARTIN

Du wolltest uns ein anderes Beispiel erzählen …

MR MARTIN

Ach, ja …

Klingeln.

MR SMITH

Hört, es klingelt.

MRS SMITH

Ich werde nicht mehr nachschauen.

MR SMITH

Ja, aber da muss jemand draußen sein!

MRS SMITH

Das erste Mal war niemand, das zweite Mal auch nicht: Wie kannst du glauben, dass jetzt jemand da ist?

MR SMITH

Weil es geklingelt hat!

MRS SMITH

Das ist kein Grund.

MR MARTIN

Wie? Wenn es klingelt, so heißt das, dass jemand vor der Türe steht und wartet, dass man ihm die Türe aufmacht.

MRS MARTIN

Nicht immer. Wir haben es soeben gesehen.

MR MARTIN

In den meisten Fällen eben doch.

MR SMITH

Wenn ich zu jemand auf Besuch gehe, läute ich, bevor ich eintrete. Ich denke, dass es alle so halten, so dass jemand da sein muss, wenn es klingelt.

MRS SMITH

Das stimmt in der Theorie. Aber in Wirklichkeit geschieht alles anders. Du hast doch vorhin gesehen!

MRS MARTIN

Ihre Frau hat recht.

MR MARTIN

O, ihr Frauen, ihr verteidigt einander immer!

MRS SMITH

Gut, dann werde ich eben nachschauen. Du wirst nicht sagen können, ich sei ein Starrkopf. Du wirst aber sehen, dass niemand da ist!

Sie geht und öffnet die Türe. Schließt sie wieder.

Habe ich es nicht gesagt?

Sie kehrt an ihren Platz zurück.

Ach, diese Männer, die immer recht haben wollen und doch stets im Unrecht sind !

Man vernimmt erneutes Klingeln.

MR SMITH

Hört, es klingelt. Es muss jemand da sein.

MRS SMITH die einen Wutanfall bekommt:

Schicke mich nicht mehr zur Türe. Du weißt, dass es albern wäre. Die Erfahrung zeigt, dass nie jemand vor der Türe steht, wenn es klingelt.

MRS MARTIN

Nie!

MR MARTIN

Das ist ungewiss.

MR SMITH

Es ist sogar falsch. In den meisten Fällen, wenn es läutet, heißt es, dass jemand vor der Türe steht.

MRS SMITH

Er kann es sich nicht aus dem Kopf schlagen!

MRS MARTIN

Mein Mann ist auch so stur.

MR SMITH

Da ist bestimmt jemand.

MR MARTIN

Das ist nicht ausgeschlossen.

MRS SMITH zu ihrem Mann:

Nein!

MR SMITH

Doch!

MRS SMITH

Ich sage dir: nein! Auf jeden Fall behellige mich nicht mehr für nichts und wieder nichts. Wenn du nachschauen willst, dann gehe du selbst!

MR SMITH

Ich gehe schon.

Mrs. Smith zuckt mit den Achseln. Mrs. Martin schüttelt den Kopf.

MR SMITH geht und öffnet die Türe:

Ach,howdoyoudo!

Er wirft seiner Frau und den verblüfften Martins einen Blick zu.

Es ist der Feuerwehrhauptmann !

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Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (8)

Mai 8, 2013

Cant ph 2

Achte Szene

HAUPTMANN, er trägt natürlich einen riesigen Helm, der glänzt, und eine Uniform:

Guten Abend, ihr Damen und Herren!

Alle sind noch etwas überrascht. Mrs. Smith dreht den Kopf zur Seite. Sie ist erbost und erwidert den Gruß nicht.

Guten Abend, Mrs. Smith. Sind Sie verärgert?

MRS SMITH

O!

MR SMITH

Es ist, sehen Sie … meine Frau ist leicht gedemütigt, weil sie im Unrecht war.

MR MARTIN

Es hat, Herr Feuerwehrhauptmann, eine Kontroverse gegeben zwischen Mrs. und Mr.

Smith.

MRS SMITH zu Mr. Martin:

Das geht Sie nichts an!

Zu Mr. Smith:

Ich bitte dich, keine fremden Leute in unsere Angelegenheiten zu mischen.

MR SMITH

Ach, Liebling, das ist nicht so schlimm. Der Hauptmann ist ein alter Freund unseres Hauses. Seine Mutter hat mir schon den Hof gemacht, und seinen Vater habe ich gut gekannt. Er bewarb sich um die Hand meiner Tochter, wenn ich je eine haben würde. Mittlerweile ist er gestorben.

MR MARTIN

Daran sind weder Sie noch er schuld.

HAUPTMANN

Worum handelt es sich denn eigentlich?

MRS SMITH

Mein Mann hat behauptet. . .

MR SMITH

Nein, du hast behauptet. . .

MR MARTIN

Ja, sie hat behauptet.

MRS MARTIN

Nein, er!

HAUPTMANN

Regen Sie sich nicht auf. Erzählen Sie mir das, Mrs. Smith.

MRS SMITH

Nun, also gut… Ich habe Hemmungen, zu Ihnen offen zu sprechen, aber ein Feuerwehrmann ist ja schließlich auch ein Beichtvater.

HAUPTMANN

Also, und?

MRS SMITH

Wir haben uns gestritten, weil mein Mann behauptete, dass stets jemand vor der Tür sei, wenn es klingelt.

MR MARTIN

Das leuchtet doch ein!

MRS SMITH

Ich aber sagte, dass jedesmal, wenn es klingelt, niemand vor der Türe sei.

MRS MARTIN

Das mag sonderbar scheinen …

MRS SMITH

… ist aber dennoch bewiesen – durch Tatsachen bewiesen, nicht durch theoretische Überlegungen!

MR SMITH

Falsch! Das ist falsch! Weil der Feuerwehrmann hier ist! Er hat geklingelt, ich habe aufgemacht, und hier war er!

MRS MARTIN

Wann?

MR MARTIN

Sogleich.

MRS SMITH

Ja, aber erst nach viermaligem Läuten hat man jemanden vorgefunden. Und das vierte Mal zählt nicht.

MRS MARTIN

Nie. Nur die drei ersten zählen.

MR SMITH

Herr Hauptmann, lassen Sie mich nun meinerseits ein paar Fragen an Sie richten.

HAUPTMANN

Bitte schön!

MR SMITH

Als ich aufgemacht und Sie gesehen habe, da hatten doch wirklich Sie geklingelt?

HAUPTMANN

Ja, ich hatte geklingelt.

MR MARTIN

Sie standen vor der Türe und hatten geklingelt, damit man Ihnen aufmacht?

HAUPTMANN

Ich leugne es nicht.

MR SMITH triumphierend zu seinerFrau:

Siehst du, ich hatte recht! Wenn man klingeln hört, so heißt das, dass jemand klingelt. Du willst doch nicht sagen, der Hauptmann sei niemand ?

MRS SMITH

Gewiß nicht. Aber ich wiederhole, dass ich von den drei ersten Malen spreche, das vierte Mal zählt nicht.

MRS MARTIN

Und als man zum erstenmal klingelte, waren Sie das?

HAUPTMANN

Nein, das war ich nicht.

MRS MARTIN

Sie sehen, es hat geklingelt, und es war niemand.

MR MARTIN

Es war vielleicht jemand anderes?

MR SMITH

Standen Sie lange vor der Türe?

HAUPTMANN

Dreiviertelstunden.

MR SMITH

Und Sie sahen niemand?

HAUPTMANN

Niemand, ich bin ganz sicher.

MRS MARTIN

Haben Sie beim zweiten Mal läuten gehört?

HAUPTMANN

Ja, aber ich war es auch nicht. Und ich habe niemand gesehen.

MRS SMITH

Siehst du, ich hatte recht!

MR SMITH zu seiner Frau:

Nicht so schnell!

Zum Hauptmann:

Und was taten Sie vor der Türe?

HAUPTMANN

Nichts. Ich stand da und dachte an viele Dinge.

MR MARTIN zumHauptmann:

Aber beim dritten Mal. . . haben Sie da auch nicht geklingelt ?

HAUPTMANN

Doch, da habe ich.

MR SMITH

Aber als man aufmachte, hat man Sie nicht gesehen!

HAUPTMANN

Weil ich mich versteckt hielt. . . zum Scherz!

MRS SMITH

Scherzen Sie nicht, Herr Hauptmann. Die Sache ist viel zu ernst.

MR MARTIN

Alles in allem wissen wir immer noch nicht, ob da jemand ist, wenn es läutet.

MRS SMITH

Nie niemand!

MR SMITH

Immer jemand!

HAUPTMANN

Ich will euch zur Einigung verhelfen. Ihr habt beide ein bisschen recht. Wenn es klingelt, ist manchmal jemand da, manchmal niemand.

MR MARTIN

Das leuchtet mir ein.

MRS MARTIN

Mir auch.

HAUPTMANN

Die Dinge sind einfach in Wirklichkeit.

Zu den Smiths:

Küsst euch!

MRS SMITH

Wir haben uns bereits vorhin geküsst.

MR MARTIN

Sie werden sich morgen küssen. Dazu haben sie Zeit genug.

MRS SMITH

Herr Hauptmann, da Sie uns geholfen haben, die Sache zu klären, machen Sie es sich bequem, nehmen Sie Ihren Helm ab und setzen Sie sich einen Augenblick.

HAUPTMANN

Verzeihen Sie, aber ich kann nicht lange verweilen. Ich will gerne meinen Helm abnehmen, doch zum Sitzen habe ich wirklich keine Zeit.

Er setzt sich, ohne den Helm abzunehmen.

Offengestanden kam ich zu Ihnen wegen einer ganz ändern Sache. Ich bin . . . dienstlich hier.

MRS SMITH

Und was steht zu Ihren Diensten, Herr Feuerwehrhauptmann?

HAUPTMANN

Ich möchte Sie bitten, meine Indiskretion gütigst zu entschuldigen.

Sehr verlegen:

Eeh . .

Er zeigt mit dem Finger auf die Martins.

Kann ich … vor ihnen . . .

MRS SMITH

Genieren Sie sich nicht.

MR MARTIN

Wir sind alte Freunde. Sie erzählen uns alles.

MR SMITH

Sprechen Sie.

HAUPTMANN

Ja, gut. Ja … Ist bei Ihnen ein Feuer . . . ausgebrochen?

MRS SMITH

Warum fragen Sie?

HAUPTMANN

Weil. . . weil. . . Entschuldigen Sie, ich habe den Auftrag, alle Feuer in der Stadt zu löschen.

MRS MARTIN

Alle?

HAUPTMANN

Ja, alle.

MRS SMITH verwirrt:

Ich weiß nicht … ich glaube nicht . . . Soll ich nachschauen?

MR SMITH schnuppernd:

Das kann nicht sein. Es riecht nicht nach Verbranntem.

HAUPTMANN betrübt:

Gar nicht? Hätten Sie nicht einen kleinen Kaminbrand ? Etwas im Estrich, das brennt ? Oder im Keller ? Oder wenigstens einen ganz kleinen Ansatz zu einer Feuersbrunst?

MRS SMITH

Hören Sie, ich möchte Sie nicht betrüben, aber ich glaube, dass bei uns im Augenblick nichts vorhanden ist. Aber ich verspreche Ihnen, Sie zu benachrichtigen, sobald etwas ist.

HAUPTMANN

Vergessen Sie das ja nicht. Sie erweisen mir einen großen Dienst.

MRS SMITH

Abgemacht!

HAUPTMANN zu den Martins:

Und bei Ihnen… auch kein Feuer ?

MRS MARTIN

Nein, leider nicht.

MR MARTIN zum Hauptmann:

Die Geschäfte gehen eher schlecht!

HAUPTMANN

Sehr schlecht I Es passiert fast nichts, nur ein paar Lappalien: ein Kamin, eine Scheune.Nichts Gediegenes. Das bringt nichts ein. Und da es keinen Ertrag abwirft, ist auch dieLeistungsprämie sehr mager.

MR SMITH

Nichts gedeiht l Es ist dieses Jahr überall dasselbe. Im Handel, in der Land- und Feuerwirtschaft – nichts gedeiht!

MR MARTIN

Kein Getreide, keine Feuer.

HAUPTMANN

Auch keine Überschwemmungen.

MRS SMITH

Aber dafür Zucker!

MR SMITH

Ja, weil man ihn vom Ausland bezieht.

MRS MARTIN

Für die Feuersbrünste ist das schon schwieriger – zu hohe Gebühren!

HAUPTMANN

Immerhin gibt es hie und da – zwar selten – eine Gasvergiftung oder zwei. So ist letzte Woche eine junge Frau erstickt, weil sie den Gashahn offen ließ.

MRS MARTIN

Sie hatte ihn vergessen?

HAUPTMANN

Nein, sie hat geglaubt, es sei ihr Kamm.

MR SMITH

Diese Verwechslungen sind immer folgenschwer!

MRS SMITH

Haben Sie beim Streichholzverkäufer bereits nachgefragt?

HAUPTMANN

Nichts zu machen! Er ist gegen Brand versichert.

MR MARTIN

Besuchen Sie doch, auf meine Empfehlung, den Vikar von Wakefield.

HAUPTMANN

Ich habe kein Recht, den Geistlichen das Feuer zu löschen. Der Bischof würde sich ärgern. Sie löschen ihre Feuer selbst, oder irgendeine Vestalin.

MR SMITH

Versuchen Sie bei Durand.

HAUPTMANN

Kann ich auch nicht. Der ist kein Engländer, nur eingebürgert. Diese haben zwar das Recht, Häuser zu besitzen, nicht aber, sie im Brandfall löschen zu lassen.

MRS SMITH

Man hat es aber dennoch gelöscht, als letztes Jahr das Feuer hineingeriet!

HAUPTMANN

Das hat er selber getan – heimlicherweise! Ach, ich werde ihn nicht denunzieren.

MR SMITH

Ich auch nicht.

MRS SMITH

Da Sie es nicht sehr eilig haben, Herr Hauptmann, bleiben Sie doch noch ein wenig. Das wird uns freuen.

HAUPTMANN

Soll ich euch ein paar Anekdoten erzählen?

MRS SMITH

O, gewiss! Sie sind ja entzückend!

Küsst ihn.

ALLE

Ja, ja, Anekdoten, bravo!

Sie klatschen Beifall.

MR SMITH

Und was dabei interessant ist: Die Feuerwehrgeschichten sind alle wahr und erlebt l

HAUPTMANN

Ich spreche immer nur von Dingen, die ich selber mitgemacht habe. Nach Natur, nur nach Natur. Keine Bücher!

MR MARTIN

Das ist richtig! Die Wahrheit ist überdies nicht in den Büchern, sondern im Leben selbst!

MRS SMITH

Fangen Sie an!

MR MARTIN

Fangen Sie an l

MRS MARTIN

Ruhe! Er beginnt.

HAUPTMANN hüstelt ein paarmal:

Entschuldigen Sie, schauen Sie mich nicht so an, das hemmt mich. Sie wissen doch, ich bin sehr schüchtern.

MRS SMITH

Er ist entzückend!

Küsst ihn.

HAUPTMANN

Ich werde trotzdem versuchen, anzufangen. Aber ihr müsst mir versprechen, nicht zuzuhören.

MRS MARTIN

Aber wenn man Ihnen nicht zuhört, wird man Sie nicht verstehen.

HAUPTMANN

Daran habe ich nicht gedacht!

MRS SMITH

Ich habe doch gesagt, er ist ein Kind!

MR MARTIN UND MR SMITH

O, das liebe Kind.

Sie küssen ihn.

MRS MARTIN

Nur Mut!

HAUPTMANN

Ja, gut. Also, gut!

Er hüstelt nochmals und beginnt mit vor Erregung zitternder Stimme:

Der Hund und der Ochse, Fabel nach dem Leben: Es fragte einmal ein anderer Ochse einen anderen Hund: »Warum hast du deinen Rüssel nicht verschluckt?« »Pardon«, gab da der Hund zurück, »ich habe geglaubt, ich sei ein Elefant.«

MRS MARTIN

Und die Moral?

HAUPTMANN

Die müssen Sie selber finden.

MR SMITH

Er hat recht l

MRS SMITH wütend:

Die nächste!

HAUPTMANN

Ein junges Kalb hatte zuviel Stampfglas gefressen. Deshalb musste es niederkommen und schenkte der Welt eine Kuh. Da jedoch das Kalb ein Knabe war, durfte die Kuh nicht »Mama« rufen, sie durfte aber auch nicht »Papa« rufen, weil das Kalb zu klein war. Da wurde das Kalb gezwungen, sich zu verheiraten, und das Amt ergriff sämtliche Maßnahmen, der Gebräuche, die damals üblich waren.

MR SMITH

Nach Hausmannsart!

MR MARTIN

Wie Kutteln!

HAUPTMANN

Ach, Sie haben sie gekannt. . .

MRS SMITH

Sie stand in allen Zeitungen.

MRS MARTIN

Das ist nicht weit von uns passiert.

HAUPTMANN

Dann will ich euch eine andere erzählen: Der Hahn. Ein Hahn wollte einmal den Hund spielen, aber er hatte Pech: er wurde sogleich erkannt.

MRS SMITH

Dagegen wurde der Hund, der den Hahn spielte, niemals erkannt.

MR SMITH

Jetzt will ich euch eine erzählen: Die Schlange und der Fuchs. Eine Schlange kam zu einem Fuchs und sagte: »Mir scheint, dass ich Sie bereits kenne!« »Mir auch«, antwortete der Fuchs. »Dann gib mir Geld«, sagte die Schlange. »Ein Fuchs gibt kein Geld«, gab das schlaue Tier zurück und sprang, um zu entwischen, in ein tiefes Tal voll Erdbeeren und Hühnerhonig. Dort erwartete ihn bereits die Schlange mit einem mephistophelischen Lachen. Heulend zog der Fuchs sein Messer: »Ich will dich lehren, wie man lebt!«, drehte der Schlange den Rücken und entfloh. Aber er hatte Pech, die Schlange war behender und schlug den Fuchs mit einem wohlgezielten Faustschlag auf die Stirn, diein tausend Stücke zerbarst, und schrie dazu: »Nein, nein, viermal nein! Ich bin deine Tochter nicht!«

MRS MARTIN

Interessant.

MRS SMITH

Nicht übel.

MR MARTIN drückt Mr. Smith die Hand:

Meine herzlichen Glückwünsche!

HAUPTMANN neidisch:

Nichts Besonderes! Überdies habe ich sie gekannt.

MR SMITH

Schrecklich, nicht?

MRS SMITH

Aber das ist doch nicht etwa passiert?

MRS MARTIN

Leider doch.

MR MARTIN zu Mrs. Smith:

Jetzt kommen Sie dran!

MRS SMITH

Ich kenne nur eine, die will ich euch erzählen. Sie trägt den Titel: >Der Blumenstrauß<.

MR SMITH

Meine Frau war stets etwas romantisch.

MR MARTIN

Sie ist eine echte Engländerin.

Die beiden Sätze werden dreimal wiederholt.

MRS SMITH

Also. Ein Bräutigam hatte einst seiner Braut einen Blumenstrauß gebracht. Sie sagte ihmDanke, doch bevor sie Danke sagen konnte, nahm er ihr wortlos den Strauß wieder weg, um ihr eine Lehre zu erteilen, und sagte zu ihr: »Ich nehme sie wieder.« Indem er die Blumen wieder nahm, sagte er »Auf Wiedersehen« und entfernte sich nach hier und nach dort.

MR MARTIN

Entzückend!

Er küsst Mrs. Smith oder küsst sie nicht.

MRS MARTIN

Mr. Smith, Sie haben eine Frau, um die Sie die ganze Welt beneidet.

MR SMITH

Stimmt. Meine Frau ist die Intelligenz in Person. Sie ist sogar intelligenter als ich. Auf jeden Fall ist sie viel weiblicher – sagt man wenigstens.

MRS SMITH zum Hauptmann:

Noch eine, Herr Hauptmann.

HAUPTMANN

O, nein, es ist zu spät.

MR MARTIN

Erzählen Sie schon!

HAUPTMANN

Ich bin zu müde.

MR SMITH

Erweisen Sie uns diesen Dienst.

MR MARTIN

Ich bitte Sie.

HAUPTMANN

Nein.

MRS MARTIN

Ihr Herz ist wie Eis. Wir sitzen auf glühenden Kohlen.

MRS SMITH kniet vor ihm nieder und schluchzt oder tut es nicht:

Ich flehe Sie an.

HAUPTMANN

Also, dann sei’s.

MR SMITH Mrs. Martin ins Ohr:

Er wird uns noch länger anöden!

MRS MARTIN

Das ist doch…

MRS SMITH

Pech gehabt, ich war zu höflich!

HAUPTMANN

Der Schnupfen: Mein Schwager hat väterlicherseits einen leiblichen Neffen, dessen Onkel einen Schwiegervater hatte, von dem ein Großvater in zweiter Ehe eine junge Einheimische heiratete, deren Bruder auf einer weiten Reise einem Mädchen begegnete, in das er sich verliebte und mit ihr einen Sohn zeugte, der seinerseits eine mutige Apothekerin zur Frau nahm, welche niemand anderes war als die Nichte eines unbekannten Quartiermeisters der britischen Marine, deren Adoptivvater eine Tante aufwies, welche fließend spanisch sprach und die vielleicht eine der Enkelinnen eines frühverstorbenen Ingenieurs gewesen war, der wiederum der Enkel eineRebenbesitzers war, der zwar einen mittelmäßigen Wein züchtete, dafür aber einen Großneffen hatte, dessen Sohn eine ausnehmend hübsche, junge, aber geschiedene Frau ins Ehebett bekam, deren erster Gatte der Sohn eines aufrichtigen Patrioten war, der es verstanden hatte, seine andere Tochter im Wunsche, ein Vermögen zu gewinnen, groß zu ziehen, und die einen Jäger heiraten durfte, der Rothschild gekannt hatte und dessen Bruder, nach öfterem Berufswechsel, sich dann doch verehelichte, eine Tochter bekam, deren schmalbrüstiger Urgroßvater eine Brille trug, die ihm ein eigener Neffe geschenkt hatte, nämlich der Schwager eines Portugiesen, der natürliche Sohn eines nicht sehr armen Müllers, dessen Milchbruder die Tochter eines ehemaligen Landarztes zur Frau genommen hatte, der selber der Milchbruder des Sohnes eines Milchmannes gewesen war, der sich später als natürlicher Sohn eines ändern Landarztes herausstellte, der sich dreimal verheiratete und dessen dritte Frau . . .

MR MARTIN

Ich habe diese dritte Frau gekannt, wenn ich mich nicht irre. Sie aß Hühnchen in einem Wespennest.

HAUPTMANN

Das ist nicht dieselbe.

MRS SMITH

Pst!

HAUPTMANN

Ich sagte: . . . dessen dritte Frau die Tochter der besten Hebamme der Gegend war, welche, frühzeitig Witwe geworden …

MR SMITH

Wie meine Frau l

HAUPTMANN

… sich wiederverheiratete mit einem schwungvollen Glaser, der ein Kind gezeugt hatte mit der Tochter eines Bahnhofsvorstandes, der seine Laufbahn …

MRS SMITH

Seine EisenbahnI

MR MARTIN

Wie beim Kartenspiel!

HAUPTMANN

… zu machen verstand und eine Krämerin von neunzehn Lenzen heiratete, deren Vater einen Bruder aufwies, den Bürgermeister einer Kleinstadt, der sich zur Frau eine blonde Lehrerin genommen hatte, deren Neffe, ein Fischer…

MR MARTIN

Giftmischer …

HAUPTMANN

. . eine zweite blonde Lehrerin zur Frau genommen hatte, welche auch Marie hieß, deren Bruder eine dritte Marie ehelichte, ebenfalls eine blonde Lehrerin …

MR SMITH

Wenn sie blond ist, kann sie nur Marie heißen.

HAUPTMANN

. .. und deren Vater in Kanada von einer alten Frau aufgezogen wurde, die die Nichte eines Pfarrers war, dessen Großmutter im Wintermanchmal, wie alle Leute, einen großen Schnupfen bekam.

MRS SMITH

Was für eine merkwürdige Geschichte! Kaum zu glauben!

MR MARTIN

Wer den Schnupfen kriegt, muss schauen, dass er im Bade liegt.

MR SMITH Diese Maßnahme ist unnütz, aber absolut notwendig.

MRS MARTIN

Entschuldigen Sie, Herr Feuerwehrhauptmann, aber Ihre Geschichte ist mir noch nicht ganz klar. Ganz am Schluß, die Sache mit dem Kanonikus, scheint mir ein Lapsus.

MR SMITH

Pfarren heißt knarren, das heißt: ein Kanonikus ist immer ein Lapsus.

MRS SMITH

Ach, Hauptmann, fangen Sie von vorne an! Wir alle wünschen es.

HAUPTMANN

O, ich weiß nicht, ob ich das noch einmal kann. Ich bin dienstlich hier. Es kommt darauf an, wie spät es ist.

MRS SMITH

Wir haben keine Zeit hier.

HAUPTMANN

Und die Wanduhr?

MR SMITH

Die geht schlecht. Sie hat einen widersprüchlichen Geist. Sie zeigt immer das Gegenteil der Zeit, die ist.

ionesco_cantatrice

Eugene Ionesco: Die kahle Sängerin (9)

Mai 8, 2013

Chauve_Noctambule

Neunte Szene

MARY kommt herein:

Sir, Lady…!

MRS SMITH

Was ist?

MR SMITH

Was wollen Sie hier?

MARY

Sie mögen mich entschuldigen… und diese Damen und Herren auch … Ich möchte … ich

möchte ebenfalls eine Anekdote erzählen.

MRS MARTIN

Was sagt sie?

MR MARTIN

Ich glaube, die Magd unserer Freunde ist verrückt geworden … Sie will auch eine

Anekdote erzählen?

HAUPTMANN

Für wen hält sie sich ?

Er schaut sie an.

Oo!

MRS SMITH

In was mischen Sie sich ein?

MR SMITH

Sie sind hier am falschen Platz, Mary …

HAUPTMANN

O! Sie ! Ist doch nicht möglich !

MR SMITH

Und Sie?

MARY

Ist doch nicht möglich! Hier?

MRS SMITH

Was soll das heißen?

MR SMITH

Ihr seid Freunde?

HAUPTMANN

Und wie!

Mary wirft sich dem Feuerwehrmann um den Hals.

MARY

So glücklich, Sie wiederzufinden! Endlich!

MR SMITH UND MRS SMITH

Oo!

MR SMITH

Das ist zu stark, hier bei uns, in der Umgebung von London!

MRS SMITH

Das ist unschicklich!

HAUPTMANN

Sie hat meine ersten Flammen gelöscht.

MARY

Ich bin sein kleiner Springbrunnen.

MR MARTIN

Wenn dem so ist. . . meine liebenFreunde. . .diese Gefühle sind verständlich, menschlich, ehrbar . ..

MRS MARTIN

Alles ist ehrbar, was menschlich ist!

MRS SMITH

Ich habe es trotzdem nicht gern, sie hier unter uns zu sehen …

MR SMITH

Sie hat nicht die nötige Bildung . . .

HAUPTMANN

O! Sie haben zu viele Vorurteile!

MRS MARTIN

Alles in allem glaube ich — auch wenn es mich nichts angeht -, dass eine Magd nicht nur

eine Magd ist…

MR MARTIN

Selbst wenn sie manchmal einen guten Detektiven abgibt.

HAUPTMANN

Laß mich los.

MARY

Machen Sie sich nichts draus … Die sind nicht so schlimm wie sie aussehen.

MR SMITH

Hm .. . hm .. . Sie sind beide sehr rührend, aber auch . . . ein bisschen .. .

MR MARTIN

Ja, ja, das ist das richtige Wort.

MR SMITH

… ein bisschen zu hellsichtig.

MR MARTIN

Es gibt eine englische Schamhaftigkeit – verzeihen Sie nochmals, wenn ich meine Gedanken präzisiere -, die von den Ausländern verkannt wird – sogar von den Spezialisten -, dank derer, um mich so auszudrücken . . . nun ja, ich sage das nicht Ihretwegen …

MARY

Ich wollte Ihnen erzählen . . .

MR SMITH

Erzählen Sie nichts …

MARY

O doch!

MRS SMITH

Gehen Sie, meine kleine Mary, gehen Sie ganz sittsam in die Küche und lesen Sie dort

vor dem Spiegel Ihre Gedichte …

MR MARTIN

Ei, ich lese auch Gedichte vor dem Spiegel, ohne eine Magd zu sein.

MRS MARTIN

Heute früh, als du dich im Spiegel anschautest, hast du dich nicht gesehen.

MR MARTIN

Ja, weil ich noch nicht da war . . .

MARY

Ich könnte Ihnen vielleicht trotzdem ein kleines Gedicht vortragen.

MRS SMITH

Meine kleine Mary, Sie sind grauenhaft eigensinnig.

MARY

Also, ich will euch ein Gedicht vortragen, verstanden? Es ist ein Gedicht, das heißt >Das Feuer <, zu Ehren des Feuerwehrhauptmanns : Das Feuer.

Die Polycander glänzten im Gesträuch

Ein Stein geriet in Feuer

Das Schloss geriet in Feuer

Der Wald geriet in Feuer

Der Mann geriet in Feuer

Die Frau geriet in Feuer

Der Fisch geriet in Feuer

Die Polycander glänzten im Gesträuch

Der Vogel kam in Feuer

Das Wasser kam in Feuer

Der Himmel kam in Feuer

Die Asche kam in Feuer

Das Feuer kam in Feuer

Alles kam in Feuer

In Feuersbrunst In Feuersbrunst. . .

Mary trägt das Gedicht vor, während sie von Mr. Smith aus dem Zimmer gestoßen wird.

Zehnte Szene

MRS MARTIN

Das hat mir ein Frostern über den Rücken gejagt …

MR MARTIN

Es hat aber doch eine gewisse Wärme in diesen Versen. ..

HAUPTMANN

Ich fand es wundervoll!

MRS SMITH

Immerhin!

MR SMITH

Sie übertreiben …

HAUPTMANN

Doch, doch, es stimmt… All das ist vielleicht sehr subjektiv … Aber es ist meine Weltanschauung, mein Ideal, mein Traum.. . Und außerdem erinnert es mich daran, dass ich fort muss. Da Sie keine Zeit haben: ich habe in drei Viertelstunden sechzehn Minuten eine Feuersbrunst am ändern Ende der Stadt. Ich muss mich beeilen, auch wenn es keine große Sache ist.

MRS SMITH

Was wird es sein? Ein kleiner Kaminbrand?

HAUPTMANN

Nicht mal das! Ein Strohfeuer und ein kleines Magenbrennen.

MR SMITH

Aber da bedauern wir Ihr Verschwinden.

MRS SMITH

Sie haben uns gut unterhalten.

MRS MARTIN

Durch Sie haben wir eine echte kartesianische Viertelstunde durchgemacht.

HAUPTMANN wendet sich zum Ausgang, bleibt dann stehen:

Ah, dass ich es nicht vergesse: Was macht die Kahle Sängerin?

Allgemeines betretenes Schweigen.

MRS SMITH

Sie trägt immer noch die gleiche Frisur l

HAUPTMANN

Ah! Dann auf Wiedersehen, meine Damen und Herren.

MR MARTIN

Viel Glück und eine gute Feuersbrunst!

HAUPTMANN

Hoffen wir es. Für alle!

Der Feuerwehrhauptmann geht ab. Alle begleiten ihn zur Türe, kehren dann auf ihre Plätze zurück.

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