
Achte Szene
HAUPTMANN, er trägt natürlich einen riesigen Helm, der glänzt, und eine Uniform:
Guten Abend, ihr Damen und Herren!
Alle sind noch etwas überrascht. Mrs. Smith dreht den Kopf zur Seite. Sie ist erbost und erwidert den Gruß nicht.
Guten Abend, Mrs. Smith. Sind Sie verärgert?
MRS SMITH
O!
MR SMITH
Es ist, sehen Sie … meine Frau ist leicht gedemütigt, weil sie im Unrecht war.
MR MARTIN
Es hat, Herr Feuerwehrhauptmann, eine Kontroverse gegeben zwischen Mrs. und Mr.
Smith.
MRS SMITH zu Mr. Martin:
Das geht Sie nichts an!
Zu Mr. Smith:
Ich bitte dich, keine fremden Leute in unsere Angelegenheiten zu mischen.
MR SMITH
Ach, Liebling, das ist nicht so schlimm. Der Hauptmann ist ein alter Freund unseres Hauses. Seine Mutter hat mir schon den Hof gemacht, und seinen Vater habe ich gut gekannt. Er bewarb sich um die Hand meiner Tochter, wenn ich je eine haben würde. Mittlerweile ist er gestorben.
MR MARTIN
Daran sind weder Sie noch er schuld.
HAUPTMANN
Worum handelt es sich denn eigentlich?
MRS SMITH
Mein Mann hat behauptet. . .
MR SMITH
Nein, du hast behauptet. . .
MR MARTIN
Ja, sie hat behauptet.
MRS MARTIN
Nein, er!
HAUPTMANN
Regen Sie sich nicht auf. Erzählen Sie mir das, Mrs. Smith.
MRS SMITH
Nun, also gut… Ich habe Hemmungen, zu Ihnen offen zu sprechen, aber ein Feuerwehrmann ist ja schließlich auch ein Beichtvater.
HAUPTMANN
Also, und?
MRS SMITH
Wir haben uns gestritten, weil mein Mann behauptete, dass stets jemand vor der Tür sei, wenn es klingelt.
MR MARTIN
Das leuchtet doch ein!
MRS SMITH
Ich aber sagte, dass jedesmal, wenn es klingelt, niemand vor der Türe sei.
MRS MARTIN
Das mag sonderbar scheinen …
MRS SMITH
… ist aber dennoch bewiesen – durch Tatsachen bewiesen, nicht durch theoretische Überlegungen!
MR SMITH
Falsch! Das ist falsch! Weil der Feuerwehrmann hier ist! Er hat geklingelt, ich habe aufgemacht, und hier war er!
MRS MARTIN
Wann?
MR MARTIN
Sogleich.
MRS SMITH
Ja, aber erst nach viermaligem Läuten hat man jemanden vorgefunden. Und das vierte Mal zählt nicht.
MRS MARTIN
Nie. Nur die drei ersten zählen.
MR SMITH
Herr Hauptmann, lassen Sie mich nun meinerseits ein paar Fragen an Sie richten.
HAUPTMANN
Bitte schön!
MR SMITH
Als ich aufgemacht und Sie gesehen habe, da hatten doch wirklich Sie geklingelt?
HAUPTMANN
Ja, ich hatte geklingelt.
MR MARTIN
Sie standen vor der Türe und hatten geklingelt, damit man Ihnen aufmacht?
HAUPTMANN
Ich leugne es nicht.
MR SMITH triumphierend zu seinerFrau:
Siehst du, ich hatte recht! Wenn man klingeln hört, so heißt das, dass jemand klingelt. Du willst doch nicht sagen, der Hauptmann sei niemand ?
MRS SMITH
Gewiß nicht. Aber ich wiederhole, dass ich von den drei ersten Malen spreche, das vierte Mal zählt nicht.
MRS MARTIN
Und als man zum erstenmal klingelte, waren Sie das?
HAUPTMANN
Nein, das war ich nicht.
MRS MARTIN
Sie sehen, es hat geklingelt, und es war niemand.
MR MARTIN
Es war vielleicht jemand anderes?
MR SMITH
Standen Sie lange vor der Türe?
HAUPTMANN
Dreiviertelstunden.
MR SMITH
Und Sie sahen niemand?
HAUPTMANN
Niemand, ich bin ganz sicher.
MRS MARTIN
Haben Sie beim zweiten Mal läuten gehört?
HAUPTMANN
Ja, aber ich war es auch nicht. Und ich habe niemand gesehen.
MRS SMITH
Siehst du, ich hatte recht!
MR SMITH zu seiner Frau:
Nicht so schnell!
Zum Hauptmann:
Und was taten Sie vor der Türe?
HAUPTMANN
Nichts. Ich stand da und dachte an viele Dinge.
MR MARTIN zumHauptmann:
Aber beim dritten Mal. . . haben Sie da auch nicht geklingelt ?
HAUPTMANN
Doch, da habe ich.
MR SMITH
Aber als man aufmachte, hat man Sie nicht gesehen!
HAUPTMANN
Weil ich mich versteckt hielt. . . zum Scherz!
MRS SMITH
Scherzen Sie nicht, Herr Hauptmann. Die Sache ist viel zu ernst.
MR MARTIN
Alles in allem wissen wir immer noch nicht, ob da jemand ist, wenn es läutet.
MRS SMITH
Nie niemand!
MR SMITH
Immer jemand!
HAUPTMANN
Ich will euch zur Einigung verhelfen. Ihr habt beide ein bisschen recht. Wenn es klingelt, ist manchmal jemand da, manchmal niemand.
MR MARTIN
Das leuchtet mir ein.
MRS MARTIN
Mir auch.
HAUPTMANN
Die Dinge sind einfach in Wirklichkeit.
Zu den Smiths:
Küsst euch!
MRS SMITH
Wir haben uns bereits vorhin geküsst.
MR MARTIN
Sie werden sich morgen küssen. Dazu haben sie Zeit genug.
MRS SMITH
Herr Hauptmann, da Sie uns geholfen haben, die Sache zu klären, machen Sie es sich bequem, nehmen Sie Ihren Helm ab und setzen Sie sich einen Augenblick.
HAUPTMANN
Verzeihen Sie, aber ich kann nicht lange verweilen. Ich will gerne meinen Helm abnehmen, doch zum Sitzen habe ich wirklich keine Zeit.
Er setzt sich, ohne den Helm abzunehmen.
Offengestanden kam ich zu Ihnen wegen einer ganz ändern Sache. Ich bin . . . dienstlich hier.
MRS SMITH
Und was steht zu Ihren Diensten, Herr Feuerwehrhauptmann?
HAUPTMANN
Ich möchte Sie bitten, meine Indiskretion gütigst zu entschuldigen.
Sehr verlegen:
Eeh . .
Er zeigt mit dem Finger auf die Martins.
Kann ich … vor ihnen . . .
MRS SMITH
Genieren Sie sich nicht.
MR MARTIN
Wir sind alte Freunde. Sie erzählen uns alles.
MR SMITH
Sprechen Sie.
HAUPTMANN
Ja, gut. Ja … Ist bei Ihnen ein Feuer . . . ausgebrochen?
MRS SMITH
Warum fragen Sie?
HAUPTMANN
Weil. . . weil. . . Entschuldigen Sie, ich habe den Auftrag, alle Feuer in der Stadt zu löschen.
MRS MARTIN
Alle?
HAUPTMANN
Ja, alle.
MRS SMITH verwirrt:
Ich weiß nicht … ich glaube nicht . . . Soll ich nachschauen?
MR SMITH schnuppernd:
Das kann nicht sein. Es riecht nicht nach Verbranntem.
HAUPTMANN betrübt:
Gar nicht? Hätten Sie nicht einen kleinen Kaminbrand ? Etwas im Estrich, das brennt ? Oder im Keller ? Oder wenigstens einen ganz kleinen Ansatz zu einer Feuersbrunst?
MRS SMITH
Hören Sie, ich möchte Sie nicht betrüben, aber ich glaube, dass bei uns im Augenblick nichts vorhanden ist. Aber ich verspreche Ihnen, Sie zu benachrichtigen, sobald etwas ist.
HAUPTMANN
Vergessen Sie das ja nicht. Sie erweisen mir einen großen Dienst.
MRS SMITH
Abgemacht!
HAUPTMANN zu den Martins:
Und bei Ihnen… auch kein Feuer ?
MRS MARTIN
Nein, leider nicht.
MR MARTIN zum Hauptmann:
Die Geschäfte gehen eher schlecht!
HAUPTMANN
Sehr schlecht I Es passiert fast nichts, nur ein paar Lappalien: ein Kamin, eine Scheune.Nichts Gediegenes. Das bringt nichts ein. Und da es keinen Ertrag abwirft, ist auch dieLeistungsprämie sehr mager.
MR SMITH
Nichts gedeiht l Es ist dieses Jahr überall dasselbe. Im Handel, in der Land- und Feuerwirtschaft – nichts gedeiht!
MR MARTIN
Kein Getreide, keine Feuer.
HAUPTMANN
Auch keine Überschwemmungen.
MRS SMITH
Aber dafür Zucker!
MR SMITH
Ja, weil man ihn vom Ausland bezieht.
MRS MARTIN
Für die Feuersbrünste ist das schon schwieriger – zu hohe Gebühren!
HAUPTMANN
Immerhin gibt es hie und da – zwar selten – eine Gasvergiftung oder zwei. So ist letzte Woche eine junge Frau erstickt, weil sie den Gashahn offen ließ.
MRS MARTIN
Sie hatte ihn vergessen?
HAUPTMANN
Nein, sie hat geglaubt, es sei ihr Kamm.
MR SMITH
Diese Verwechslungen sind immer folgenschwer!
MRS SMITH
Haben Sie beim Streichholzverkäufer bereits nachgefragt?
HAUPTMANN
Nichts zu machen! Er ist gegen Brand versichert.
MR MARTIN
Besuchen Sie doch, auf meine Empfehlung, den Vikar von Wakefield.
HAUPTMANN
Ich habe kein Recht, den Geistlichen das Feuer zu löschen. Der Bischof würde sich ärgern. Sie löschen ihre Feuer selbst, oder irgendeine Vestalin.
MR SMITH
Versuchen Sie bei Durand.
HAUPTMANN
Kann ich auch nicht. Der ist kein Engländer, nur eingebürgert. Diese haben zwar das Recht, Häuser zu besitzen, nicht aber, sie im Brandfall löschen zu lassen.
MRS SMITH
Man hat es aber dennoch gelöscht, als letztes Jahr das Feuer hineingeriet!
HAUPTMANN
Das hat er selber getan – heimlicherweise! Ach, ich werde ihn nicht denunzieren.
MR SMITH
Ich auch nicht.
MRS SMITH
Da Sie es nicht sehr eilig haben, Herr Hauptmann, bleiben Sie doch noch ein wenig. Das wird uns freuen.
HAUPTMANN
Soll ich euch ein paar Anekdoten erzählen?
MRS SMITH
O, gewiss! Sie sind ja entzückend!
Küsst ihn.
ALLE
Ja, ja, Anekdoten, bravo!
Sie klatschen Beifall.
MR SMITH
Und was dabei interessant ist: Die Feuerwehrgeschichten sind alle wahr und erlebt l
HAUPTMANN
Ich spreche immer nur von Dingen, die ich selber mitgemacht habe. Nach Natur, nur nach Natur. Keine Bücher!
MR MARTIN
Das ist richtig! Die Wahrheit ist überdies nicht in den Büchern, sondern im Leben selbst!
MRS SMITH
Fangen Sie an!
MR MARTIN
Fangen Sie an l
MRS MARTIN
Ruhe! Er beginnt.
HAUPTMANN hüstelt ein paarmal:
Entschuldigen Sie, schauen Sie mich nicht so an, das hemmt mich. Sie wissen doch, ich bin sehr schüchtern.
MRS SMITH
Er ist entzückend!
Küsst ihn.
HAUPTMANN
Ich werde trotzdem versuchen, anzufangen. Aber ihr müsst mir versprechen, nicht zuzuhören.
MRS MARTIN
Aber wenn man Ihnen nicht zuhört, wird man Sie nicht verstehen.
HAUPTMANN
Daran habe ich nicht gedacht!
MRS SMITH
Ich habe doch gesagt, er ist ein Kind!
MR MARTIN UND MR SMITH
O, das liebe Kind.
Sie küssen ihn.
MRS MARTIN
Nur Mut!
HAUPTMANN
Ja, gut. Also, gut!
Er hüstelt nochmals und beginnt mit vor Erregung zitternder Stimme:
Der Hund und der Ochse, Fabel nach dem Leben: Es fragte einmal ein anderer Ochse einen anderen Hund: »Warum hast du deinen Rüssel nicht verschluckt?« »Pardon«, gab da der Hund zurück, »ich habe geglaubt, ich sei ein Elefant.«
MRS MARTIN
Und die Moral?
HAUPTMANN
Die müssen Sie selber finden.
MR SMITH
Er hat recht l
MRS SMITH wütend:
Die nächste!
HAUPTMANN
Ein junges Kalb hatte zuviel Stampfglas gefressen. Deshalb musste es niederkommen und schenkte der Welt eine Kuh. Da jedoch das Kalb ein Knabe war, durfte die Kuh nicht »Mama« rufen, sie durfte aber auch nicht »Papa« rufen, weil das Kalb zu klein war. Da wurde das Kalb gezwungen, sich zu verheiraten, und das Amt ergriff sämtliche Maßnahmen, der Gebräuche, die damals üblich waren.
MR SMITH
Nach Hausmannsart!
MR MARTIN
Wie Kutteln!
HAUPTMANN
Ach, Sie haben sie gekannt. . .
MRS SMITH
Sie stand in allen Zeitungen.
MRS MARTIN
Das ist nicht weit von uns passiert.
HAUPTMANN
Dann will ich euch eine andere erzählen: Der Hahn. Ein Hahn wollte einmal den Hund spielen, aber er hatte Pech: er wurde sogleich erkannt.
MRS SMITH
Dagegen wurde der Hund, der den Hahn spielte, niemals erkannt.
MR SMITH
Jetzt will ich euch eine erzählen: Die Schlange und der Fuchs. Eine Schlange kam zu einem Fuchs und sagte: »Mir scheint, dass ich Sie bereits kenne!« »Mir auch«, antwortete der Fuchs. »Dann gib mir Geld«, sagte die Schlange. »Ein Fuchs gibt kein Geld«, gab das schlaue Tier zurück und sprang, um zu entwischen, in ein tiefes Tal voll Erdbeeren und Hühnerhonig. Dort erwartete ihn bereits die Schlange mit einem mephistophelischen Lachen. Heulend zog der Fuchs sein Messer: »Ich will dich lehren, wie man lebt!«, drehte der Schlange den Rücken und entfloh. Aber er hatte Pech, die Schlange war behender und schlug den Fuchs mit einem wohlgezielten Faustschlag auf die Stirn, diein tausend Stücke zerbarst, und schrie dazu: »Nein, nein, viermal nein! Ich bin deine Tochter nicht!«
MRS MARTIN
Interessant.
MRS SMITH
Nicht übel.
MR MARTIN drückt Mr. Smith die Hand:
Meine herzlichen Glückwünsche!
HAUPTMANN neidisch:
Nichts Besonderes! Überdies habe ich sie gekannt.
MR SMITH
Schrecklich, nicht?
MRS SMITH
Aber das ist doch nicht etwa passiert?
MRS MARTIN
Leider doch.
MR MARTIN zu Mrs. Smith:
Jetzt kommen Sie dran!
MRS SMITH
Ich kenne nur eine, die will ich euch erzählen. Sie trägt den Titel: >Der Blumenstrauß<.
MR SMITH
Meine Frau war stets etwas romantisch.
MR MARTIN
Sie ist eine echte Engländerin.
Die beiden Sätze werden dreimal wiederholt.
MRS SMITH
Also. Ein Bräutigam hatte einst seiner Braut einen Blumenstrauß gebracht. Sie sagte ihmDanke, doch bevor sie Danke sagen konnte, nahm er ihr wortlos den Strauß wieder weg, um ihr eine Lehre zu erteilen, und sagte zu ihr: »Ich nehme sie wieder.« Indem er die Blumen wieder nahm, sagte er »Auf Wiedersehen« und entfernte sich nach hier und nach dort.
MR MARTIN
Entzückend!
Er küsst Mrs. Smith oder küsst sie nicht.
MRS MARTIN
Mr. Smith, Sie haben eine Frau, um die Sie die ganze Welt beneidet.
MR SMITH
Stimmt. Meine Frau ist die Intelligenz in Person. Sie ist sogar intelligenter als ich. Auf jeden Fall ist sie viel weiblicher – sagt man wenigstens.
MRS SMITH zum Hauptmann:
Noch eine, Herr Hauptmann.
HAUPTMANN
O, nein, es ist zu spät.
MR MARTIN
Erzählen Sie schon!
HAUPTMANN
Ich bin zu müde.
MR SMITH
Erweisen Sie uns diesen Dienst.
MR MARTIN
Ich bitte Sie.
HAUPTMANN
Nein.
MRS MARTIN
Ihr Herz ist wie Eis. Wir sitzen auf glühenden Kohlen.
MRS SMITH kniet vor ihm nieder und schluchzt oder tut es nicht:
Ich flehe Sie an.
HAUPTMANN
Also, dann sei’s.
MR SMITH Mrs. Martin ins Ohr:
Er wird uns noch länger anöden!
MRS MARTIN
Das ist doch…
MRS SMITH
Pech gehabt, ich war zu höflich!
HAUPTMANN
Der Schnupfen: Mein Schwager hat väterlicherseits einen leiblichen Neffen, dessen Onkel einen Schwiegervater hatte, von dem ein Großvater in zweiter Ehe eine junge Einheimische heiratete, deren Bruder auf einer weiten Reise einem Mädchen begegnete, in das er sich verliebte und mit ihr einen Sohn zeugte, der seinerseits eine mutige Apothekerin zur Frau nahm, welche niemand anderes war als die Nichte eines unbekannten Quartiermeisters der britischen Marine, deren Adoptivvater eine Tante aufwies, welche fließend spanisch sprach und die vielleicht eine der Enkelinnen eines frühverstorbenen Ingenieurs gewesen war, der wiederum der Enkel eineRebenbesitzers war, der zwar einen mittelmäßigen Wein züchtete, dafür aber einen Großneffen hatte, dessen Sohn eine ausnehmend hübsche, junge, aber geschiedene Frau ins Ehebett bekam, deren erster Gatte der Sohn eines aufrichtigen Patrioten war, der es verstanden hatte, seine andere Tochter im Wunsche, ein Vermögen zu gewinnen, groß zu ziehen, und die einen Jäger heiraten durfte, der Rothschild gekannt hatte und dessen Bruder, nach öfterem Berufswechsel, sich dann doch verehelichte, eine Tochter bekam, deren schmalbrüstiger Urgroßvater eine Brille trug, die ihm ein eigener Neffe geschenkt hatte, nämlich der Schwager eines Portugiesen, der natürliche Sohn eines nicht sehr armen Müllers, dessen Milchbruder die Tochter eines ehemaligen Landarztes zur Frau genommen hatte, der selber der Milchbruder des Sohnes eines Milchmannes gewesen war, der sich später als natürlicher Sohn eines ändern Landarztes herausstellte, der sich dreimal verheiratete und dessen dritte Frau . . .
MR MARTIN
Ich habe diese dritte Frau gekannt, wenn ich mich nicht irre. Sie aß Hühnchen in einem Wespennest.
HAUPTMANN
Das ist nicht dieselbe.
MRS SMITH
Pst!
HAUPTMANN
Ich sagte: . . . dessen dritte Frau die Tochter der besten Hebamme der Gegend war, welche, frühzeitig Witwe geworden …
MR SMITH
Wie meine Frau l
HAUPTMANN
… sich wiederverheiratete mit einem schwungvollen Glaser, der ein Kind gezeugt hatte mit der Tochter eines Bahnhofsvorstandes, der seine Laufbahn …
MRS SMITH
Seine EisenbahnI
MR MARTIN
Wie beim Kartenspiel!
HAUPTMANN
… zu machen verstand und eine Krämerin von neunzehn Lenzen heiratete, deren Vater einen Bruder aufwies, den Bürgermeister einer Kleinstadt, der sich zur Frau eine blonde Lehrerin genommen hatte, deren Neffe, ein Fischer…
MR MARTIN
Giftmischer …
HAUPTMANN
. . eine zweite blonde Lehrerin zur Frau genommen hatte, welche auch Marie hieß, deren Bruder eine dritte Marie ehelichte, ebenfalls eine blonde Lehrerin …
MR SMITH
Wenn sie blond ist, kann sie nur Marie heißen.
HAUPTMANN
. .. und deren Vater in Kanada von einer alten Frau aufgezogen wurde, die die Nichte eines Pfarrers war, dessen Großmutter im Wintermanchmal, wie alle Leute, einen großen Schnupfen bekam.
MRS SMITH
Was für eine merkwürdige Geschichte! Kaum zu glauben!
MR MARTIN
Wer den Schnupfen kriegt, muss schauen, dass er im Bade liegt.
MR SMITH Diese Maßnahme ist unnütz, aber absolut notwendig.
MRS MARTIN
Entschuldigen Sie, Herr Feuerwehrhauptmann, aber Ihre Geschichte ist mir noch nicht ganz klar. Ganz am Schluß, die Sache mit dem Kanonikus, scheint mir ein Lapsus.
MR SMITH
Pfarren heißt knarren, das heißt: ein Kanonikus ist immer ein Lapsus.
MRS SMITH
Ach, Hauptmann, fangen Sie von vorne an! Wir alle wünschen es.
HAUPTMANN
O, ich weiß nicht, ob ich das noch einmal kann. Ich bin dienstlich hier. Es kommt darauf an, wie spät es ist.
MRS SMITH
Wir haben keine Zeit hier.
HAUPTMANN
Und die Wanduhr?
MR SMITH
Die geht schlecht. Sie hat einen widersprüchlichen Geist. Sie zeigt immer das Gegenteil der Zeit, die ist.
