Archive for September 2010

Arthur Schnitzler: Ich (1)

September 30, 2010

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Arthur Schnitzler: Ich (2)

September 30, 2010

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September 30, 2010

The Legend of Torc

September 30, 2010

Es war einmal, in einer Zeit der Verzauberungen und böser Geister, als es noch hundertmal mehr Elfen und Pookas und das übrige Gelichter gab und ein kluger Mann es vorzog, nach Einbruch der Nacht seine Nase nicht aus der Tür zu stecken, da lebte in Clohereen ein armer Bauer mit Namen Larry Hayes. Nun, obwohl man im ganzen Land wohl keinen tüchtigeren und ehrbareren Menschen treffen konnte als Larry, schien sich doch das Schicksal gegen ihn verschworen zu haben. Wenn er eine Nacht lang ein Pferd, eine Kuh oder seine Schafe draußen grasen ließ, konnte er fast sicher sein, sie am nächsten Morgen halb wahnsinnig vor Entsetzen, verletzt, gelähmt, tot oder gar nicht mehr vorzufinden. Dabei gab es im Umkreis keinen einzigen, mit dem er je in Streit gelegen, der ihm Übles gewollt und Grund gehabt hätte, ihm und seinen Tieren solches anzutun. Für Wochen und Monate fand er keine Ruhe und grübelte über die Ursache seines Mißgeschicks. Endlich beschloß er, das Geheimnis zu ergründen und ging in einer Mitternacht hinaus ins Freie, um über seine Weiden zu wachen – wenn er sich auch ebensosehr vor den „Guten Leuten“, den Elfen fürchtete wie jedermann. Stundenlang ging er die Wiesen und Felder auf und ab, und als er schon müde wurde und nach Hause zurückkehren wollte – sah er sich plötzlich einem riesengroßen, unheimlichen schwarzen Eber gegenüber, der, so schien’s, nicht von dieser Welt war.

Die Begegnung kam so unvermittelt, daß Larry vor Schrecken fast gestorben wäre, doch dann faßte und bekreuzigte er sich und sein Mut kehrte zurück. „Wer bist du, im Namen Gottes?“ stieß er hervor. „Ich bin verwunschen,“ entgegnete der Eber, der wie ein Christenmensch sprach. „Ich bin es gewesen, der dein Vieh tötete, doch nun will ich dich dafür entschädigen. Wenn du mit mir kommst, mache ich dich zu einem reichen Mann, und ich schwöre, daß dir kein Leid widerfahren wird.“ Larry überlegte hin und her, aber schließlich willigte er ein, mehr aus Angst als aus einer anderen Erwägung; der Eber trabte wortlos vor ihm durch die Wälder von Torc und endlich gelangten sie zu dem Felsen, über den nun die Wasser rauschen. Durch Zauberkraft öffnete sich ein Tor darin, und Larry betrat staunend die königlichsten Gemächer, die er je gesehen hatte. Doch das war noch nicht alles, denn als er sich umwandte, war der greuliche Eber verschwunden, und statt seiner erblickte er einen edlen Jüngling von liebreizender Gestalt.

In kürzerer Zeit, als es zu erzählen dauert, setzte dieser ihm ein herrliches Mahl aus Rind- und Hammelfleisch und einen vollen Krug Whiskey vor, verließ ihn dann eine Weile und überreichte ihm, als er zurückkehrte, einen Beutel mit Gold. Larry freute sich über alle Maßen über diesen Schatz, aber noch mehr beglückt war er, als der andere ihm mitteilte, er könne jederzeit soviel davon bekommen, wie er nur wünsche. „Das Einzige, was ich mir ausbedinge,“ sagte der verzauberte junge Mann, „ist, daß du keiner Menschenseele darüber berichtest, was du in dieser Nacht gesehen hast. Wenn du das Geheimnis sieben Jahre lang bewahrst, wirst du dein ganzes Leben lang ein reicher Mann bleiben. Doch wenn du es verrätst, wird es sowohl dein Untergang wie auch der meine sein.“

Larry leistete sogleich einen heiligen Eid, daß er schweigen werde wie ein Grab, warf sich den Beutel Gold über die Schulter und ging auf dem kürzesten Wege zu seinem Haus zurück.

Bald schon wunderten sich die Nachbarn über Larrys plötzlichen Reichtum – und natürlich auch seine Frau. Sie fragte ihn nicht einmal, sondern tausendmal, wie er zu all dem Gold gekommen sei, aber kein Wort kam über seine Lippen. Vor Neugierde halb von Sinnen, wußte sich sich nicht anders mehr zu helfen, als ihm eines Nachts unbemerkt zu jenem Felsen zu folgen. Sie sah, wie der Felsen sich öffnete und er hineinging. Als er wieder herauskam, trat sie auf ihn zu und schalt ihn, daß er vor seinem eigenen Weibe, der Mutter seiner Kinder, Geheimnisse habe. Sie schimpfte so laut, daß er schließlich die Geduld verlor und ihr aus schierer Verzweiflung alles sagte, was sie wissen wollte. Doch kaum hatte er das Geheimnis verraten, als der schwarze Eber mit gesträupten Nackenborsten auf dem Gipfel des Felsens erschien und wütend mit dröhnender Stimme herabschrie: „Das ist dein Ende, Larry Hayes!“

Und er stampfte so mit den Hufen auf, daß der Berg erzitterte.

Larry und sein Weib hielten sich vor Entsetzen fest umklammert, während um sie her die Welt unter Donnergetöse unterzugehen schien. Dann schlugen Flammen aus dem Ungetüm, umhüllten es in grünblauer Lohe und trugen es fort nach Poul an Ifrinn, den Wohnsitz der Verdammten. Das trug sich in Sekundenschnelle zu, und gleich darauf brachen rauschende Wassermassen mit Gewalt aus dem Gestein, an der Stelle, wo der Eber verschwunden war. Sie wurden zu dem Wasserfall von Torc, der seither den Eingang zum Felsen beschützt.

Was nun Larry Hayes und seine Frau betrifft: Sie entkamen der Flut nur mit Müh und Not, und ihr Reichtum schwand innerhalb kürzester Zeit dahin. Er wurde ärmer, als er je zuvor gewesen, und zuletzt sah man ihn, verlassen von seinem Weib und seinen Kindern und getrennt von Haus und Hof, einsam über die Landstraßen irren, um Almosen bettelnd, mit einem leeren Beutel auf dem Rücken.