Archive for Juli 2015

And so Good Night

Juli 31, 2015

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Unlocated

Juli 31, 2015

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Gutenachtgeschichte: Hintikanisen

Juli 31, 2015

Eine alte böse Hexe hieß Hintikanisen. Sie hatte nur einen einzigen Zahn im Mund. Immer wieder ging sie von einem Gehöft zum anderen, um kleine Mädchen zu stehlen. Eines holte sie hier, eines dort, und fraß sie alle auf. So mußten viele Eltern ihre Kinder beweinen. Ihr Hass gegen die menschenfressende Hintikanisen wuchs immer mehr, und sie überlegten, wie sie ihr das Handwerk legen könnten.

Schließlich hatten sie den Einfall, die Hexe mit einer List zu überwinden. Ein tiefes Erdloch wurde gegraben und wie eine Fallgrube mit großen Blättern getarnt. Daneben schichteten die Leute Holz auf und entfachten ein großes Feuer.

Hintikanisen kam heran und hoffte, hier werde ein Fest stattfinden, in dessen Verlauf sie sich wieder ein kleines Mädchen fangen könnte. Die Leute hatten schon gewartet. Als sie die Hexe aus dem Gesträuch hervorspähen sahen, taten sie ganz freundlich und luden die Hexe ein: „Komm doch, setze dich zu uns auf dieses weiche Blätterkissen!“

Hintikanisen ahnte keine böse Absicht, kam näher und setzte sich auf den vorgesehenen Platz. Es kam, wie es geplant gewesen war – sie stürzte in das Erdloch. Nun kamen die Dorfbewohner von allen Seiten heran, warfen das brennende Holz des Feuerplatzes und glühende Steine in die Grube, und darin fand die böse Kinderfresserin ein jämmerliches Ende.

(Neuirland, Bismarck-Archipel, Melansesien – nach Erika Sanders, Märchen aus aller Welt – Ozeanien)

John Brosio

Juli 31, 2015

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Gutenachtgeschichte: Bestrafter Liebeszauber

Juli 31, 2015

Zwei Brüder waren aus dem Tal in das Gebirge aufgestiegen, um dort oben Stachelschweine zu jagen. Den ganzen Tag über kletterten sie über Felsen und schauten in alle Höhlen, bis sie gegen Abend so müde geworden waren, daß sie nicht mehr weitergehen konnten. Sie setzten sich auf eine Steinplatte und wollten warten, bis der Mond aufging, um dann bei dessen Schein den Abstieg zu beginnen.

Als sie so dasaßen, hörten sie ein seltsames Geräusch. Es klang, wie wenn in der Ferne ein Pferd trappeln würde, und solches war in der Felsenregion sehr ungewöhnlich. Als nun der Mond aufgegangen war, gingen sie vorsichtig dem klappernden Geräusch nach. Sie sahen eine alte Frau, die hockte auf dem Boden und hämmerte mit einem Stück Holz auf einen Knochen, und dadurch ertönte ein Geräusch, das an jenes von Pferdehufen erinnerte. Dazu sang sie ein eintöniges Lied, aber die beiden Jäger konnten die Worte nicht verstehen. Jetzt stand die Alte auf und begann einen Tanz, während sie den Takt dazu mit dem Holz und den Knochen schlug.

Als die Alte eine Zeitlang getanzt und gesungen hatte, senkte sich der Mond vom Himmel zu ihr herab. Ganz groß stand er über ihr, eine Flüssigkeit tropfte aus ihm herab. Diese fing die Alte in einer großen Schüssel auf.

Plötzlich kam ein toter Mensch herbei, in sein Leichentuch gehüllt, als wäre er eben seinem Grabe entstiegen. Die Alte nahm ihn auf ihren Rücken, und seine Arme hingen vorn neben ihren Armen herab.

Nun nahm die alte Frau Weizenmehl, legte es in die Hände des Toten und rollte und knetete es auf diese Weise zusammen mit dem aufgefangenen Mondwasser so lange, bis Kuskus entstand, feine, körnige Kuskusspeise.

Die beiden Jäger, die alles gesehen hatten, wußten, was das bedeutete. Wenn eine Frau einem Mann solches Kuskus zu essen gibt, so wirkt ein starker Zauber. Der Mann wird willenlos und gehorsam wie ein gut gezähmtes Haustier. Er muß der Frau aufs Wort folgen – sie kann mit ihm machen, was sie will. Wenn sie ihm etwa aufträgt: „Geh jetzt und lade alle deine Freunde zum Essen ein,“ dann tut er es ohne Widerspruch. Wenn sie ihm nachher sagt: “ So, nun geh hinaus und warte draußen,“ dann tut er es ebenfalls und kann nicht verhindern, daß sie sich einstweilen im Haus mit seinen Freunden vergnügt. Zauberkuskus dieser Art kaufen viele Frauen aus der Stadt bei zauberkundigen Alten um viel Geld, um sich auf diese Weise unterwürdige Männer und ihnen völlig ausgelieferte Freunde zu sichern.

Nun hatten die beiden Stachelschweinjäger genug gesehen – sie wußten Bescheid. Um diesem Bann ein Ende zu bereiten, liefen sie auf die überraschte Zauberfrau zu und erschlugen sie.

(Sous, Marokko – nach Uwe Topper, Märchen der Berber).

 

Andrew Wyeth

Juli 31, 2015

Wyeth,+Otherworld+2002

6+Wyeth,+Chambered+Nautilus+1956

Gutenachtgeschichte: Altenpflege

Juli 31, 2015

„… Einer der Papua-Stämme übt den Brauch, die Großeltern, wenn sie alt geworden und dem Stamm nicht mehr nütze sind… locker an Äste zu binden. Die Bevölkerung bildet sodann einen Kreis um den Baum und beginnt einen komplizierten Tanz, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Reigen um den Maibaum hat. Beim Tanzen rufen sie im Chor den Refrain: `Die Frucht ist reif! Die Frucht ist reif!´ Sobald sie diesen Ruf wiederholt haben, gehen sie auf den Baum zu und schütteln die Äste mit aller Kraft, so daß die alten Leute zur Erde stürzen, wo sie von den jüngeren Mitgliedern des Stammes ergriffen und verschlungen werden…

Solch menschliches Fallobst fiel auch im mehr als dreitausend Kilometer entfernten Sumatra und gar im fernen Afrika von den Bäumen. Den unseligen Batak wird nachgesagt, sie hätten ebenfalls überständige alte und kranke Angehörige einen Baum erklimmen lassen, von dem man sie herunterschüttelte, um sie sich einzuverleiben… von eben diesen Batak heißt es auch, ihre Alten hätten sich freiwillig an die Bäume gehängt, bis die Kraft ihrer Arme erlahmte und sie gewissermaßen ihren Lieben in den Rachen fielen. Dies geschah zur Zeit der Zitronenernte, und die um den Baum versammelten Angehörigen sangen – wie zu Neuguinea – im Chor das begehrliche Benedictus: „Die Zeit ist gekommen, die Frucht ist reif, sie muß herab!“

… Als nutzlose Esserin bestieg im kannibalischen Kongo die Brautmutter einen Baum, von dem sie als Hochzeitsbraten herniederfiel. Zuerst wurde sie auf den höchsten Ast eines Baumes gezogen und zwar, wie die Großeltern bei den Batak, `mit den Zeichen der höchsten Ehrfurcht´ und mußte sich daran festklammern, bis die Leibeskraft sie verließ. Inzwischen begannen die Hochzeitsgäste einen Reigen und stimmten den nun schon allzu bekannten Gesang an: „Halte dich gut, Alte, halte dich gut! Sobald die Frucht reif ist, fällt sie zur Erde!“ Die endlich abgefallene Schwiegermama  bildete dann als Fallobst die Hauptmahlzeit des frohen Schmauses. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

(Aus Christian Spiel, `Menschen essen Menschen´. Fischer Verlag, Frankfurt 1974)

 

Clara Elsene Peck/ Edward Robert Hughes

Juli 31, 2015

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Gutenachtgeschichte: Kolakwaks

Juli 31, 2015

Kolakwaks, eine alte Frau, lebte mit anderen Leuten in einer großen Familienhütte. In ihr war eine Veränderung eingetreten – sie half nicht gerne bei den verschiedenen Arbeiten, benahm sich oft böse und konnte wegen ihres Alters auch nicht mehr gut gehen.

Eines Abends meinten die Männer, sie schlafe schon, und sprachen über die nahe Zukunft. „Was sollen wir mit der Alten tun,“ sagten sie, „es wird einen frühen Winter geben. Die Pelztiere haben schon das dicke Winterkleid angelegt, die Wölfe heulen jede Nacht, und bald wird der erste Schnee fallen! Wir müssen nun in das Winterlager ziehen. Die Alte kann diese Wanderung nicht mitmachen. Wir müssen sie zurücklassen und dem Tod preisgeben, oder sie töten, bevor wir den Marsch beginnen.“

Kolakwaks aber hatte nicht geschlafen und mitgehört, und nun wurde sie sehr böse. Sie faßte den Plan, alle Dorfgenossen umzubringen. Sie beschaffte sich vier rauhe Sandsteinstücke und begann damit ihre Beine zu bearbeiten. Ganz scharf und spitz sollten sie werden. Die Alte saß in der Ecke ihrer Hütte und kratzte an ihren Beinen.

„Was soll das dauernde Kratzen? Nimm einen hölzernen Kratzer, wenn dich deine Beine jucken!“ – „Dummes Geschwätz, kümmert euch nicht um mich.“ Kolakwaks schabte immer weiter an ihren Beinen, bis sie scharfgefeilt waren wie Speerspitzen. In der Nacht, während alle anderen schliefen, ging sie ins Freie, um die Spitzen zu versuchen. Nur kleine Löcher bildeten sich in der Erde, wenn sie leicht auftrat. Wenn sie aber aufstampfte, sank sie bis zum Knie in den Boden ein. Einen kleinen Baum konnte sie ganz durchbohren, wenn sie gegen ihn trat, und in einen dicken trieb sie tiefe Löcher. Dann ging sie in die Hütte hinein und stach alle Menschen tot, die dort schliefen – den älteren Leuten durchbohrte sie den Hals, den Kindern die Brust. Dann schnitt sie die Herzen aus den Leichen und aß sie auf. „Wie gut das schmeckt! Ich brauche frisches Lebensblut…“

Aus den Haaren der Getöteten flocht sie Fransen zu einem Hexenmantel: „Mit diesen Haaren füge ich ihre Lebensjahre zu den meinigen. So lange werde ich leben wie alle diese Lebenszeiten.“

Die jungen Männer aber waren in dieser Nacht nicht in der Hütte gewesen. Sie befanden sich auf einem mehrtägigen Jagdausflug. Bei der Heimkehr eilte einer von ihnen voraus, um Leute zu holen, die das Fleisch tragen helfen sollten. Er wunderte sich, daß alles so still war, daß keine Kinder spielten und keine der Frauen bei der Arbeit war. Aus der Hütte hörte er ein seltsames Singen. Er schlich heran und sah durch einen Spalt in der Wand, daß die alte Kolakwaks allein darin saß, ihren Hexenmantel ausgebreitet hatte und, während sie mit den Haarfransen spielte, einen Singsang anstimmte:

„Diese Haare gehörten meiner ältesten Tochter, diese meinem Schwiegersohn; diese Locken sind die seiner beiden anderen Frauen, jene gehörten den fünf Kindern. Hier oben am Kragen ist Raum für meine vier erwachsenen Enkel, die noch kommen werden – hier einer, hier einer, einer dort und einer da.“

Voll Entsetzen eilte der junge Jäger zu seinen Brüdern und berichtete: „Kolakwaks ist eine Hexe geworden, hat alle Leute getötet und wartet nur noch darauf, auch uns umzubringen – sie hat sich einen Hexenmantel gemacht, mit den Haaren der Toten als Fransen.“ „Den Zaubermantel  müßte man ihr wegnehmen, er gibt ihr große Macht!“ Aber niemand wagte es , sich in die Hütte zu schleichen und den Mantel zu stehlen. „Das wäre nur in der Nacht möglich, wenn sie schläft – aber gerade dann ist ihre Kraft am größten. Warten wir lieber, bis der Morgen graut, und zünden wir dann die Hütte an. Über das Feuer wird ihr Zauber keine Macht haben.“

So schlichen sie im Morgengrauen heran, banden die Tür von außen fest und legten von allen Seiten Brand an die Wände, während sie mit Pfeil und Bogen bereitstanden. Drinnen wurde Kolakwaks wach und sprang mit ihren spitzen Beinen gegen eine Wand, die gleich durchbohrt wurde. Der Mann aber, der an dieser Seite Wache gehalten hatte, schoß sofort seinen Pfeil ab und traf – aber sie starb nicht, denn der Hexenmantel hatte ihr ein vielfaches Leben verliehen. Sie versuchte, nach allen Seiten auszubrechen, und immer wieder schossen die wartenden Jäger ihre Pfeile auf sie ab. Immer wenn sie getroffen wurde, heulte sie laut, aber stets sprang sie wieder auf. Immer wieder wurde sie vergeblich getötet, bis auch der aus Haaren geflochtene Hexenmantel Feuer fing und zu Asche verbrannte. Erst dann starb auch die böse alte Kolakwaks, die zur Hexe geworden war.

(Thompson-River-Indianer, nördliches Kanada – nach Hans Rudolf Rieder, Lagerfeuer im Indianerland, 1939)

Santiago Caruso (2nd Vs)

Juli 31, 2015

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