Paul Scheerbart: Geistertanz

Geistertanz

Bewegungsstudie

 

ps_067 Von Norden kommen sie —  durch die Luft. Schrill pfeift der Wind.

Die dünnen Gewänder flattern.

Übers Meer kommen sie —  am Strande schweben sie hinab.

Am Strande wird getanzt. —

Sie rennen durch den Sand wie die Tollen —  die Dünen hinauf und hinunter. Die Muscheln zerbrechen unter ihren Füßen. Wild springen sie hoch in die Luft, klatschen in die Hände, schleudern die dünnen Gewänder rechts und links, als wären’s Peitschen…

Dann umarmen sie sich —  dann drücken sie sich, als wollten sie sich zerpressen —  —  —  sie lassen sich danach wieder los und drehen sich um sich selbst —  —  —  blitzschnell wie Kreisel —  die Gewänder flattern.

Dann bilden sie einen Kreis.

Zwei Dutzend Geister sind’s.

Sie stehen ganz still im Kreise.

Langsam reichen sie sich die Hände, drücken sie ganz fest ineinander und lassen dann ihren Körper zurückfallen.

Sie kreischen dabei auf und werfen den Kopf ins Genick.

Wie ein Trichter sieht der Geisterkreis aus.

Jetzt braust der Wind —  die Wogen donnern —  das Meer schäumt über die Ufer —  die Wogen bespritzen den Geisterring… Der springt empor und tanzt nun —  die Beine fliegen, die Haare fliegen —  —  in die Wellen springen die Geister hinein. Wie ein Wirbelwind dreht sich —  pfeifend —  der Ring der Geister. Das Wasser sprüht nach allen Seiten.

Die Geister tanzen —  tanzen —  und wie ein Wirbelwind steigen sie empor in die Luft…

Und pfeilschnell drehen sich die Geister wieder nach Norden —  hoch überm Meere schweben sie.

Die Winde brausen —  die Gewänder flattern.

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