Frank T. Zumbach: Antike Orgien (10)

Wir sind am Ende unseres kleines Spaziergangs durch das phantastische Lotterleben der Antike angelangt. Die wenigen Streiflichter haben vielleicht bei einigen die Neugierde geweckt, sich erneut einer Welt zuzuwenden, die uns durch ihre einseitige Darstellung in der Schulzeit einmal so gähnend langweilig erschien. Da zuletzt etwas düsterere Töne angeschlagen wurden, noch eine makabre Anekdote, die Cassius Dio über Domitian berichtet:

800px-domiziano_da_latina_81-96_dc

3-2

Er hatte in einem Zimmer Decke, Wände und Fußboden ganz schwarz ausschlagen und mit Bänken von gleicher Farbe und ohne Polster versehen lassen. Jetzt wurden die Ersten vom Senat und vom Ritterstand bei Nacht ganz allein, ohne alles Gefolge hereingeführt. Dann wurden neben jedem eine Säule, wie bei Gräbern, auf der eines jeden Name stand, mit einer kleinen Lampe hingestellt, wie man dergleichen in Grüften aufzuhängen pflegt. Hieraus erschienen wohlgestaltete nackte Knaben, auch schwarz angestrichen, wie Gespenster, umzogen dieselben in schauerlichem Tanz und stellten sich dann zu den Füßen der Einzelnen auf. Nun wurde alles, wie es bei Totenmählern gebräuchlich ist, gleichfalls schwarz in schwarzen Gefäßen aufgetragen. Alle zitterten und bebten und erwarteten jeden Augenblick den Todesstreich; zumal da Totenstille herrschte und Domitian allein und auch nur von Dingen sprach, die auf Mord und Todschlag Beziehung hatten. Endlich entließ er sie zwar, hatte aber vorher ihre Diener, die im Vorhof standen, weggeschickt und ließ sie von ganz unbekannten Menschen im Wagen fortfahren oder in Sänften davontragen, wodurch ihre Furcht noch gesteigert wurde. Endlich war jeder zu Hause angekommen und fing an, sich von seinem Schrecken zu erholen, da meldete man Botschaft vom Kaiser an. Nun dachte jeder wieder, es schlüge seine Todesstunde; da brachte einer eine silberne Säule, ein anderer dies oder jenes, ein Dritter eines der beim Gastmahl aufgestellten Geschirre, von hohem Wert und mit feinstem Geschmack gearbeitet, herein, und zuletzt noch den Knaben, der als Genius fungiert hatte, säuberlich gewaschen und geputzt. So bekamen sie denn Geschenke für die Todesangst, die sie die ganze Nacht über ausgestanden hatten.“

Der Scherz funktionierte natürlich nur, weil Domitian immer wieder gerne Männer von Stand willkürlich hatte hinrichten und ihr Vermögen einziehen lassen. Wer zu einem Gastmahl, einem Gelage, einer Orgie oder, leicht möglich, zu allen dreien eingeladen wird, sollte also möglichst darüber Bescheid wissen, welche Art von Humor sein Gastgeber hat.

004-001

Schlagwörter: ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: