Frank T. Zumbach: Antike Orgien (3)/ Nino Rota: Satyricon ( Full Score)

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Das römische Wort `orgia´ bezeichnet ein `kultisches Geheimtreffen bei Nacht´, und die Gelehrten sind sich darüber einig, dass der Ursprung der Orgie (in ihrer rein sexuellen Bedeutung) ein religiöser gewesen sei. Hier stoßen wir bereits an Verständnisgrenzen: Eines der Hauptziele des Christentums, das – ob wir wollen oder nicht – unser Denken und Verhalten geprägt hat, war ja eben die Bekämpfung des Trieblebens, der Todsünde der Wollust. Der monotheistische Gott, obwohl oft `Vater´ genannt, besitzt keinen Eros. Sein Sohn muss jungfräulich empfangen werden. Die Götter der Antike hingegen kennen wie ihre Geschöpfe sehr wohl die Lockungen und Freuden der Erotik, sie darin nicht allein wiederspiegelnd, sondern erheblich übertreffend. „ Wie trostlos wäre das Leben der Sterblichen,“ sinniert Simonides, „ohne die Wonnen der Lust? Müsste man nicht die seligen Götter bemitleiden, so sie ihrer niemals teilhaftig würden?“ Die Vorstellung von `fleischlicher Sünde´ war den Menschen noch gänzlich ungeläufig. Es ist äußerst schwierig, bisweilen gar unmöglich, sich in die Mentalität vergangener Zivilisationen zurückzuversetzen. Da ist viel Ballast abzuwerfen, viel uns durch Gewohnheit Selbstverständliches mühsam wieder abzustreifen.

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