Frank T. Zumbach: Antike Orgien (5)

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Kein Zweifel, `this was a man´s world´: „Die Hetären haben wir zum Vergnügen, die Konkubinen für die täglichen Bedürfnisse, die Ehefrauen zur Erzeugung echtbürtiger Kinder und als verläßliche Bewacherinnen unseres Besitzes“ (Apollodorus). Hier spricht allerdings ein reicher, ein sehr reicher Mann. Die in Mietshäusern lebenden Normalsterblichen können sich nicht einmal Konkubinen leisten, geschweige denn die sündhaft teuren `Freundinnen´ (Hetären), deren Geschäftssinn Aristainetos eine Stimme verleiht: „Eine Flöte wird uns nicht geneigt machen, mit der Leier wird uns keiner locken… Gewinn ist unser einziger Erwerbszweck… dachtet ihr denn, mich so leicht zu überrumpeln wie ein Mädchen, das in der Liebe unerfahren und in die Geheimnisse Aphrodites noch nicht eingeweiht ist? Ihr liebt Schönheit, ich Mammon – gut, lasst uns vorbehaltlos unser beiderseitiges Verlangen befriedigen!“

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Man kann die gesellschaftliche Stellung der Hetären keineswegs mit den modernen Edelprostituierten vergleichen, eher mit den japanischen Geishas. Sich in der Öffentlichkeit mit ihnen zu zeigen erregte keinen Anstoß und wurde nicht als Ehebruch gewertet. Es gab Hetärenschulen, in denen gute Umgangsformen, elegante Bewegungen, Musik, Tanz und andere schöne Künste gelehrt wurden. Die Damen hatten überall Zugang, konnten mühelos geistreiche Gespräche führen, egal worüber: Kunst, Philosophie, Politik. Ihnen wurden Statuen auf öffentlichen Plätzen errichtet, sie waren die Megastars der Antike. „Bei dem großen Fest von Eleusis und bei dem des Poseidon legte Phryne,“ so Athenaios, „vor den Augen aller versammelten Hellenen das Obergewand ab, löste ihr Haar und trat so in die See. Nach ihr malte Apelles die aus dem Meer auftauchende Aphrodite. Der Bildhauer Praxiteles, der sie liebte, formte nach ihr die Aphrodite von Knios.“

Phryne Going to the Public Baths as Venus: Demosthenes Taunted by Aeschines exhibited 1838 by Joseph Mallord William Turner 1775-1851

Solche Göttinnen konnte sich nur die Elite leisten; immer wieder ist von Senatoren oder Feldherren die Rede, die ihre Ehefrauen verstießen, sich für eine Hetäre ins Unglück stürzten und ihr ganzes Vermögen durchbrachten. „Was soll man von Demosthenes groß reden? Was er in einem ganzen Jahr geschafft hat, geht mit einer einzigen Frau in einer einzigen Nacht drauf.“ Konkubinen, normale Mätressen waren oft nicht weniger anspruchsvoll. Für den lüsternen Durchschnittsgriechen oder -römer gab es nur die kasernenartigen Bordelle und die Straßendirnen (Pornai) mit den üblichen Risiken von Gewalt und Ansteckung.

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Unter den Vornehmen und Begüterten herrschte ein „maßloser Ehrgeiz, einander in der Kunst zu überbieten, das Leben angenehmer und wollüstiger zu gestalten. Diesen Wetteifer trieben sie, wie wir hören, so weit, dass sie ankommende Fremde befragten, wie bei dem anderen das Haus eingerichtet sei… und dergleichen mehr, und dass sie dabei nur den einen Wunsch hatten, den Rivalen an Pracht und Üppigkeit zu überbieten.“ ( Athenaios). Solche Prachtentfaltung war natürlich äußerst kostspielig und eigentlich nur Kaisern und orientalischen Potentaten vorbehalten, aber die Reichen orientierten sich an deren Luxus und den Klatschgeschichten, die über solche Gelage an die Öffentlichkeit drangen. Gelage ist eigentlich das passende Wort: Man nahm im Kreise seiner Sklaven in schummrig erleuchteten Räumen vornehmer, weitläufiger Herrenhäuser auf bequemen Liegen Platz und harrte der Einfälle des Gastgebers. Eine Orgie wurde nie geplant, sie geschah einfach, wie ein Naturereignis. Es handelte sich auch, Ausnahmen bestätigen die Regel, keineswegs um ein Übereinanderherfallen der Gäste, sondern um bezahlte Dienstleistungen eigens bestellter Lustdiener und -dienerinnen, die erst dann allmählich zum Einsatz kamen, wenn das Ambiente stimmte, eine gewisse sinnliche Aufheizung durch das kulinarische Angebot, durch Musik, Tänze und phantasievolle Darbietungen gelang.

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