Frank T. Zumbach: Antike Orgien (9)

4f51166f43911bcce400d22f7c26fab9

Im ersten Jahrhundert nach Christus in Rom zu leben und prominent oder sehr reich zu sein oder ein hohes Amt zu bekleiden, konnte lebensgefährlich werden. Als Caligula einmal während eines Gastmahls in einen unkontrollierten Lachkrampf ausbrach und die anwesenden Konsuln sich höflich nach dem Grund seiner Heiterkeit erkundigten, sagte er: „Weil es nur eines Kopfnickens von mir bedarf, euch allen die Kehlen durchschneiden zu lassen.“

c66d5ad1bbfbad737ea5d7dd07ae2e96

Der Senator Petron, der die Nacht gern zum Tage machte und dem wir die Schilderung des `Gastmahls des Trimalchio´ (in seinem satirischen Roman Satyricon) verdanken, wurde von Nero wegen seines Talents zum Müßiggang und seinem verfeinerten Geschmack zum arbiter elegantiae ernannt, das heißt, er war fortan als Organisator für die Lustbarkeiten des Kaisers zuständig. Wie schon Caligula liebte es Nero, ausschweifende Gelage auf seinen deceres liburnicae zu feiern, gigantischen, mit Gold und Elfenbein ausgelegten Palastschiffen mit Bädern, Säulenhallen und triclinia, den Speisesofas. Man konnte diese Luxusyachten schon von weitem an der Musik erkennen, die von ihnen zur campanischen Küste hallte oder zum Golf von Bajä, in deren Nähe sie stets entlanggerudert wurden – nicht selten auch an Neros eigener, `himmlischer Stimme´, die allerdings, Sueton zufolge, eher `schwach und dumpf´ geklungen haben soll. Die Ruderer waren Favoriten des Kaisers, „eingeteilt nach Alter und Erfahrung in der Unzucht.“ Nach Petrons ausgeklügelter Dramaturgie kam irgendwann ein `Lustgestade´ in Sicht, das man anlief. Dort stieß man auf kunstvoll gestaltete mythologische Landschaften voller Grotten und kleiner Tempel, wo bereits Hunderte von Nymphen und Najaden – sowohl ausgesuchte Dirnen wie römische Damen der besten Gesellschaft – in Gewändern aus Kos, Satyrn, Silene und Muschelhörner blasende Tritonen der Ankunft der Gäste harrten. Nach Einbruch der Dämmerung waren diese Gärten raffiniert illuminiert; gewiss nicht von brennenden Christen, obwohl Nero zu anderer Gelegenheit seine Parkanlagen in Rom für ein solches öffentliches Schauspiel hergab, so Tacitus.

siemiradski_fackeln

Letztere Idee soll übrigens von Neros zweitem maitre de plaisir gestammt haben, dem Prätorianerpräfekten Tigellinus. Jener war es, der seinen Konkurrenten Petron der Teilnahme an der sogenannten Pisonischen Verschwörung bezichtigte. Petron entzog sich seiner Verurteilung – zur Strafe wäre er wahrscheinlich im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen worden – durch Selbstmord. Bevor er sich die Pulsadern öffnete, soll er noch eine kostbare Schöpfkelle aus Flussspat zerbrochen haben, um sicherzugehen, dass sie nicht in den Besitz des Kaisers geriet.

60f156ee94455fab7e02a6650e6bddfe

Schlagwörter: ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: