Hexen, aus L. Strackerjahn, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg´(1909)

Einem jungen Ehepaare in Eversten bei Oldenburg war ein kleines Kind erkrankt, und da Verdacht vorlag, daß es behext sei, zogen sie es auf Rat einer alten Frau unter Nennung der drei höchsten Namen durch ein Stück rohes Garn. Das Kind genas, aber nun hatten die Eltern keine Ruhe. Das ganze Bett war voller Ameisen, und dabei hörten sie ein Gekratz und Gewimmer, daß sie keine Nacht schlafen konnten. Sie klagten ihre Not einer Kartenlegerin, welche zu helfen versprach. An einem Abend wurden die Fenster dicht verhängt, in allen vier Ecken des Zimmers geweihte Lichter angezündet und in den Fußboden ein Loch gemacht. Vor dieses Loch setzte sich die Kartenlegerin, steckte die Hand hinein und sagte, wenn schlechte Leute damit zu tun hätten, so werde sie die Hexe zu fassen bekommen. Um 12 Uhr nachts fiel die Kartenlegerin in Ohnmacht. Als sie sich erholt hatte, erklärte sie, ihre Hand habe eine kalte Hand zu fassen gehabt, das Bett müsse behext sein. Sie untersuchten nun das Bett und fanden darin mehrere Hexenkränze. Diese wurden in einen Topf getan und verbrannt, wobei sich ein Gewimmer gleich dem Schreien eines kleinen Kindes vernehmen ließ. Das junge Ehepaar hatte nun einige Ruhe; nachher stellte sich der Spuk aber doch wieder ein, so daß es das Haus verlassen mußte.

»Abends waren wir Kinder immer bange, wenn wir beim Mondenschein zum Kaufmann mußten durch den Gang, der Eibommenlahn genannt wird. Da soll ein altes Weib gehen, Oll Fissen Tine, das war bei ihren Lebzeiten eine alte Hexe; meine Mutter hat sie noch gekannt, ihr Mann der hieß Fiß, und sie hat das Vieh behext und ihre eigene Tochter, ja, daß sie die Wand immer hinaufgelaufen ist, und ist ihr eine Kröte aus dem Munde gesprungen. Nun sitzt das alte Weib in diesem Gange unter der Hecke und hat ’n roten Rock an und melkt an den Dornsträuchern, darum daß sie früher die Kühe behext hat. Das ist ja alles nur Aberglaube, aber ich will nur sagen, die Leute waren alle bange vor ihr, und meine Mutter hat gesagt, wenn sie mal Essen von ihr gekriegt hat, so hat sie’s hinterm Hause weggegossen, nicht mal in den Schweinetrank geschüttet.«

 

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