Von gestorbenen Leuten, etc., aus Johannes Prätorius, `Anthropodemus plutonicus. Eine neue Welt-Beschreibung´

VII. Von gestorbenen Leuten / oder Larvis, welche der Apulejus nennet noctium occursacula, Bustorum formidamina, sepulchrorum terriculamenta. vide Reiner. Neuhus. I c. in Exam. Philol: p. m. 264.

Hierzu gehören nachfolgende Exempel: Als spricht Christoph Richter in Spectac. Histor: c. 92. pag. 543. etc. Screckliche Toden-Erscheinung. Martinus Zeilerus in seinen Lehrpunckten über die traurige Geschichten des Rossetti erzehlet folgende erschreckliche Geschichte. Es hat sich vor etlichen Jahren zu Erwanschitz in Mähren (wie ich solches Anno 1617 und 18. zu unterschiedlichen mahlen von glaubwürdigen Bürgern allda hab erzehlen hören / mir auch der Ort ist gewiesen worden) begeben / das dem ansehen nach ein ehrlicher Bürger daselbst auff den Kirchhoff in der Stadt ist begraben worden / welcher stets bey der Nacht auffgestanden ist / und etliche umbgebracht hat: Seinen Sterbekittel ließ er allezeit bey dem Grabe liegen / und wenn er sich wieder niederlegete / so zog er den / Sterbekittel wieder an. Einsmahls aber / als er also vom grabe hinweg gienge / und die Wächter auff dem Kirchthurm solches ersahen / haben sie ihm den Sterbekittel unterdessen hinweggetragen. Als er num wieder zum Grabe kam / und seinen Kittel nicht fand / ruffte er den Wächtern / sie solten ihm den Kittel geben / oder er wolle sie alle erwürgen / welches sie haben thun müssen: Hernach aber ward er von dem Hencker außgegraben / und in Stücken zerhauen / da hörete das Ubel auff: Und da er auß dem Grabe gekommen wurde / sagete er: Sie hetten es anitzo wohl recht getroffen / sonsten weil ihm sein Weib gestorben / und zu ihme geleget worden wär / wolten sie beyde die halbe Stadt umb gebracht haben. Der Hencker zoge ihm auß dem Maul einen langen grossen Schleyer / welchen er seinem Weibe vom Kopffe hinweg gessen hatte / denselben hat der Nachrichter dem beystehenden Volcke gezeiget / und gesaget: Schauet / wie der Schelm so geitzig gewesen. Im ersten Theil in der ersten Traurgeschichte.

2. Christian Minsicht im Schauplatze nachdenckl: Geschichte p. 4. Anno 1567. hat in Böhmen ein reicher Mann gelebet / welchen man überall den reichen Hübner genannt: welcher wie er verstorben / hat man ihn / wie andere begraben. Es hat aber nach seinem Tode / eine Gestalt / so ihme ähnlich / sich sehen lassen / zu vielen Leuten in die Häuser gegangen / und sie erwürget und umbbracht / auch dieses Dinges so viel gemachet / daß man vor dem reichen Hübner / an keinem Ort / sicher seyn können. Da endlich vor rathsam erkannt / sein Grab öffnen zu lassen; hat man also seinen Cörper außgegraben / dem Hencker ihm an öffentlicher Gerichtsstelle den Hals abschlagen / und nachmahls mit dem Cörper verbrennen lassen. Nach solcher Execution hat das würgen auffgehöret / und die Gestalt nicht mehr gesehen worden. Es hat aber der Cörper viel Blut von sich gegeben / welches auch so frisch gewesen / als ob er erst gestorben were; wiewohl er schon 5. Monat in der erden gelegen. Bestehe hievon mit mehrern die Böhmische Chronic. it. Hondorff Theat. Histor. tit. de Potest. Satan. in 2. Præcept.

3. Christoph Richter d. l. Erzehlete Geschichte erinnert mich zweyer anderer / so mit derselben übereinst immen / und von Wenceslao Hageco in seiner Böhmischen Chronicke angemercket sind part. 1. pag. 411. beym Zeiler. d. l. pag. 31. etc. Anno 1337. ward ein Hirte eine Meilweges von der Stadt Cadan in Böhmen begraben: derselbe stunde alle Nachte auff / gieng in die Dörffer / erschreckete die Leute / und redete mit ihnen nicht anders / als wenn er lebete / hat auch ihrer etliche gar ermordet: Und welchen er mit Nahmen genennet / der ist in acht Tagen hernach gestorben. Die Nachbahrn haben ihm einen Pfal durch den Leib geschlagen / dessen er aber nur gelacht / und gesprochen: Ich meyne / ihr habt nur einen Wiederwillen zugefüget / indem ihr nur einen Stecken gegeben / daß ich mich desto besser der Hunde wehren kan: Hernach wurde er von zweyen Henckern verbrennet / da er die Füsse an sich gezogen / und eine weile wie ein Ochse / das ander mahl wie ein Esel geschrien: Als auch der Hencker ihm in die Seiten stach / runne das Blut mildiglich herauß: Endlich aber hörte das Ubel auff.

4. Also schreibet gedachter Autor / das Anno 1345. eine Zauberin / eines Töpffers Weib / eines gehlingen Todes gestorben / und auff einen Scheideweg begraben worden / sey aber vielen Leuten in mancherley / auch Viehes-Gestalt / erschienen / und habe etliche umbgebracht. Als man sie außgegraben / habe sie den Schleyer in der Zeit halb gefressen / welcher ihr blutig auß dem Halse gezogen wurde: Darauff schlug man ihr zwischen die Brust einen eichenen Pfal / und bald darauff floß ihr das Blut auß dem Leibe / und ward wieder verscharret. Aber sie risse den Pfal herauß / und brachte mehr Leute umb / als zuvor: Hernacher ward sie mit sambt dem Pfal verbrannt / und die Aschen ins Grab sambt der Erden geleget: Da hörete das Ubel auff: Aber an dem Orte / da man sie verbrennet / hat man etliche Tage einen Wirdelbind gesehen. (Biß hieher jene Historie: Darbey noch dieses zu erwehnen wehnen ist / das an etlichen Orten / als zu Hall in Sachsen und Leipzig / gebräuchlich ist / wenn man auff den Gottesäckern die Todten bey ihren Gräbern / drinnen sie itzt sollen hinein gesencket werden /zu guter letzte / beschauen lässet und ihre Särcke er öffnet / daß man auß der Erden einen halb-Circkel rundten grünen Erd-Torff oder Rasen herauß gräbet / und solchen euserlich dem gestorbenen Menschen / umb den Kinn unterm Hals schiebet / und also begräbet: Solches / sprechen sie / soll darumb geschehen / damit die Todten weder sich selbst noch andere verzehren können: Denn man will verspüret haben / daß sich etliche selbst rund herumb / (etwan wie die Erdlämmer in Tartariâ) befressen / und ziemliche Stücke vom Sterbkittel / ja vom Fleische der Brust und Händen hinein geschlungen haben: Darauff auß der gantzen Freundschafft immer einer nach dem andern darzu soll abgestorben seyn. Umb solches aber zuverhüten / soll das Erdreich gut seyn / daß der Todte drinne seine Lust büssen und seinen Muth kühlen möge. Weiter sollens solche Leute seyn / welche von ihren Müttern / wenn sie einmal gewehnet / und von dem Pitze abgesetzet worden / wieder zum andern mahl fort seynd gestillet worden: Davon ein mehres in einer gewissen Centaria meiner Weiber Philosophie.

5. Es beschreibet Petrus Lojerus in seinem Buch von Gespenstern / unter andern eine wunderbahre Geschicht / auß Æliano Phlegonte, Käysers Adriani Freygegebenen / das nehmlich zu seiner Zeit zu Tralles einer Stadt in Syrien ein vornehmer Adelicher Geschlechter Demostrates, gelebet / so mit seinem Gemahl Charito, eine vortreffliche schöne Tochter / Philinion gezeuget / welche von vielen vornehmen Personen zur Ehe begehret / aber in blühendem Alter mit grossem unauffhörlichen Trauren beyder Eltern / Tods verschieden: und von ihnen stattlich balsamiret / mit köstlichen Kleidern angezogen / bestattet worden. Es begab sich aber bey 6. Monat hernach / daß Machates ein vortrefflicher Jüngling bey gemeldten Demostrate eingekehret / dieweil auch seine Eltern vormahls seines Hospitii und Freudschafft sich gebrauchet: Da er denn von ihm freundlich empfangen / und zu oberst des Hauses in eine Kammer eingewiesen worden. Als er nun umm die Nacht ein zeitlang in allerley Gedancken gesessen / höret er in dem nechsten Saal seines Wirts Tochter / (so damahl vor 6. Monaten Todes verblichen) reden / welche auch so bald zu ihme in die Kammer eingetreten / ihn mit frölichem Angesicht gegrüsset / und bey seinem Nahmen genennet: darüber er erschrocken / wiewohl ihm unbewust / daß die Jungfrau / (deren Gestalt / Kleidung / Rede und Geberden dieses Gespenst gantz an sich genommen /) vorlängst gestorben. Darauff sie denn bald zu ihm getreten / und mit lachendem Munde / folgender Gestalt angeredet: Lasse dich es nicht verwundern / lieber Machates / ich bin deines Wirths Tochter / und dieweil ich deine Zukunft vernommen / bin ich ansehung deiner Vortreffligkeit und Tugenden / vorlängst in Liebe gegen dir entzündet und bewegt worden /wiewohl es meinem Weiblichen Geschlecht nicht wol geziemen wollen / dich unterthänig zuersuchen / daß du dich meiner Beywohnung nicht entziehen wollest / denn ich im wiedrigen Fall und dessen Verbleibung / mich wegen deiner Unfreundligkeit und Bäurischen Grobheit füglich würde beklagen können / zu dem Ende aber unserer beyder Liebe desto füglicher zu geniessen / habe ich diese bequeme Stunde zu unserm Beyschlaff ersehen / in dem niemand mehr wachend / und beyde Eltern zu Bette sich allbereit verfügt haben. Der Jüngling liesse sich durch die Schöne der Jungfrau leichtlich bewegen / bewilligt in alles / und verbargen sich mit einander in dem beystehenden weichen Bettlein: Befahle auch seinem Diener / den Tisch und Speise zuzurichten / damit er nach vollbrachtem Streit ein Erquicktrüncklein mit seiner Liebhaberin thun möchte. Durch das Getümmel nun / wurde die Mutter Charito erwecket / das sie einer ihrer Magd befahl / zu besehen / was in des Gastes Zimmer vor ein Getümmel / ob ihm vielleicht was frembdes zugestanden were. Als nun die Magd zu der Kammer kommen / findet sie die Thüre halb offen / wolte aber / dieweil sie ein Weibsbild drinnen reden höret / nicht hinein gehen / siehet also ihre Haußtochter Philionem bey Machate an dem Tische sitzen / und sich erlustigen / welches sie mit grossem Schrecken eilend ihrer Frauen berichtet / aber von ihr schlecht geglaubet worden / mit vermeldung / ob ihr nicht wissend / wie ihre Tochter vor allbereit etlichen Monaten Todes sey verfahren / darauff die Magd geantwortet: Es ist mir zwar unserer Tochter tödtlicher Abschied nicht unbewust / ich habe sie aber anitzo mit meinen Augen und Ohren gesehen und gehöret / mit dem Machate reden / als sie nun nicht nachlassen wolte / gehet endlich die Mutter auch zusampt der Magd hinauff vor die Kammer / und weil es alles still / (denn sich die beyde Liebhabende wiederumb zu Bette begeben und entschlaffen) hat sie den Machatem auch nicht von dem Schlaff auffwecken wollen / iedoch bey dem brennenden Lichtschein ihrer Tochter Angesicht / Kleidung und Geschmeid erkennet. Ist also / mit Furcht / Freud und Schrecken umbgeben / auß der Kammer eilend gewichen / in willens / auff den Morgen weiter bey ihrer Tochter / wegen ihrer Wiederkunfft / Nachforschung zu haben: Die Tochter aber nach offtmahls wiederholten Küssen und Vermischung / hat gegen angehenden Tag ihren Abschied von Machate genommen und gesprochen / mein geliebter Machates, ich muß mich vor Tage wiederumb in meine Kammer begeben / damit nit meine Eltern etwas von unserer Liebe vermerckē mögen: Ich will aber künfftige Nacht widerumb bey euch erscheinen / und unsern Lüsten ein völliges gnügen leisten. Damit ihr mich aber auch danckbar erkennet / will ich euch dieses mein Brusttuch und güldenen Ring verehren / mit bitt / meiner darbey zu gedencken. Dieses Geschenck nun hat Machates freundlich angenomen / und hingegen ihr einen eisernen Ring / so er am Finger getragen / zusampt einer silbernen Schalen / mit Gold durchtrieben / und Künstlich zugerichtet / verehret. Als nun der Tag eingebrochen / ist die Mutter eilends in des Machatis Kammer kommen / und mit vielen weinen nach ihrer Tochter / wo sie hinkommen / gefragt / auch was er mit ihr getrieben / und was sie unter einander geredet hetten / welches denn Machates ordentlich erzehlet / das Brusttuch und Ring / so er von ihr empfangen /vorgezeigt / so denn die Mutter mit weinenden Augen empfangen / und vor ihrer Tochter Kleinod erkennet. Unterdessen hat Machates versprochen / er wolle verschaffen / daß wenn die Tochter folgende Nacht wiederumb keme / der Mutter solches so bald angezeiget würde / welches denn auch geschehen / indem die Tochter folgende Nacht wiederumb zu der Stunde / wie die vorig / zu ihrem Liebhaber kommen / der Diener aber solches so bald der Mutter angezeiget / so denn beneben dem Vater mit grosser Verwunderung die Tochter in dem Bette bey dem Machate gefunden / und mit vielen Weinen angeredet: denen die Tochter mit traurigem Angesicht geantwortet: Ach ihr meine unglückselige Eltern / wie habt ihr mir eine so geringe Freude mißgönnet / und nicht nur 3. Tag euch mit meinem Liebhaber Machate zu ergetzen gestattet? Ach es wird euch diese Sorgfältigkeit großen Schmertzen und weinen verursachen. Darauff sie so bald als ein Cörper liegen blieben / dadurch die Eltern von neuen zu weinen und zuklagen anfingen / ach allerliebste Tochter Philinion, wie hastu uns durch dieses traurige Spectacul zu deinen dir von den Göttern wieder zugestellts Leben / beweget / warumb verlessestu uns nun zum andern mahl / in solchen grossen Aengsten / hastu darumb müssen von den Toden wiederumb herfür kommen / daß wir dein Ableiben zum andern mahl sehen musten? warumb sind wir nicht vielmehr aus diesem Leben abgefordert worden / daß wir dich in den heiligen Elysischen Feldern besuchen möchten? Abeer wir sind zu gar unglückhäfftig / es ist uns das Glück iederzeit hefftig zuwieder / und hat uns in dermassen große Schmertzen / und Angst werffen wollē / daß uns der Todt lieblicher denn das Leben were. Zu diesem Geschrey ist das Haußgesinde zugelaufen / und endlich in der gantzen Stadt ruchtbau worden. Der Oberste aber der Stadt kame gleichfalls mit der Gvardi und damit in der finstere kein Aufflauff / oder zusammen Rottierung geschehen könnte / ließe das Hauß biß auff den Morgen bewachen: Da denn das Volck von der vergangenen Geschicht sich besprachet / unterdessen hat der Oberste das Grab besichtiget / und darinn allein die silberne Schalen und Ring / so ihr von Machate verehret / gefunden; Zu Hauß aber von den Eltern der Leichnam vor ihre Tochter erkennet worden / wie derselbe in dem Bett liegen blieben / welches grossen Schrecken gebracht / derwegen der Wahrsager Hillus gerathen / den Cörper außer der Stadt den Thieren vorzuwerffen / die Stadt und Bürger mit sonderlichen Opffer zuversöhnen / die Eumenides und Mercuriū, Chronium mit Opffern zuverehren / die Tempel zu heiligen / und gewisse Spiel den Höllischen Göttern zu halten / auch daß der Oberste / so bald immer möglich / dem Jovi Hospitali, Mercurio und Marti absonderlichen wegen Wohlfahrt des Keysers ein Opffer thun solte. Welchem allem nachgelebet worden. Ist auch Machates bald darauff gestorben. Bißdaher gedachter Autor. Daraus des Teuffels Begierde sich mit den Menschen zuvermischen gnugsam erscheinet / anderer unzehlicher Exempel zugeschweigen: wie er aber zu solchem der Abgestorbenē / oder auch am Galgen justificirten Cörper gebrauchet / ist durch die Erfahrung gnugsamb bekant. 6. Zeilerus im Zusatze zur ersten Historie der Trauer Geschichten p. 30. 31. In Böhmen hat man mich für gewiß berichtet / daß so offt iemands aus dem fürnehmē Geschlecht der Herren von Rosenberg (so numehr abgestorben /) hat sterben sollen / man allezeit eine Weibes Person / mit einem großem Böhmischē Schleyer / im Schloß zu Crumau in Böhmen / gesehen habe. Ein fast gleichformiges Exempel hat auch Crusius in Annal. Svev. part. 3. lib. 12. cap. 37. von dem Schloß Hohen Rochberg. Von des Theodori Gazæ Meyer einem / in Apuliâ, schreibet Peucerus in loco de Magia, p. m. 152. a. und Manlius in Collectan, p. m. 30. 31. Daß er ohngefähr ein Todengeschirr ausgegraben / und solches auff dem Acker liegen gelassen. Bey der Nacht erscheint ihm etwas / und befiehlt / er solle dasselbe begraben / wo nicht / so werde sein Sohn begraben werden. Weils aber der Meyer nicht thut / so stirbt ihm des andern Tages sein Sohn / Er wird darauff wieder ermahnt / das gedachte Grab wieder zuzudecken; da ers aber nicht thut / so wird ihm der ander Sohn auch kranck / darauff er im Schrecken solches seinem Herrn Theodoro angezeigt / der mit ihme auffs Feld gehet und das Geschirr zu begraben befiehlt / darüber der Sohn gleich wieder gesund / und der Vater vom Gespenst erledigt wird. Solche Geschicht / als Theodorus hernach etlichen Gelehrten Freunden zu Rom erzehlete / hat er seine Rede mit des Propertii Vers beschlossen. Sunt aliquid Manes, Lethum non omnia fiint. Eine andere Histori erzehlet Agathias lib. 2. circa fin. von etlichen Philosophis, die auff ihrer Reise einen neulich verstorbenen und unbegrabenen Cörper am Wege liegend / angetroffen / und solchen auß Barmhertzigkeit auffgehoben und begraben haben. Als sie aber bey der Nacht ruheten / ist ihnen etwas erschienen / so ihnen befohlen / daß / so sie gefunden / unbegraben liegen zu lassen: Denn die Erde könne einen solchen / der mit seiner Mutter Unzucht getrieben nicht dulden. Des andern Tages haben sie gedachten Cörper wieder außgegraben und blosser gefunden.

7. Für allen Dingen muß ich hier nothwendig die allerverwunderlichste Histori hinzuthun von den gestorbenen Menschen / wie sie gefunden wird beym Casp. Henneberg. in Chronic. Prussiæ. p. 254. Zu Leunenburg in Preussen / war ein sehr behender Dieb / der einem ein Pferd stehlen kunte / wie fürsichtig er auch war. Nun hatte ein Dorff Pfarrer ein schönes Pferd / das hatte er dem Fischmeister zu Angerburg verkaufft / aber noch nicht gewehret: Da wettete der Dieb / er wolte solches auch stehlen / und darnach auffhören. Aber der Pfarrer erfuhr es / liesse es so verwahren / und verschliessen / daß er nicht darzu kommen kunte. Da aber der Pfarrer mit dem Pferd in die Stadt ritte / kam der Dieb auch / in Bettlers Kleidern / und mit zweyen Krücken / in die Herberge allda zu betteln. Da er nun merckete / daß der Pfarrer schier wolte auff seyn / machet er sich zuvor auff das Feld / wirfft die Krücken auff einen Baum / leget sich darunter / des Pfarrern wartende. Der Pfarrer kompt hernacher / wohl bezecht / findet den allda liegen und sagt: Bruder / auff / auff! es kömpt die Nacht herbey / um Leuten zu / die Wölffe möchten dich zerreissen! Der Dieb saget: Ach lieber Herr / es waren böse Buben jetzt allhier / die haben mir meine Krücken auff den Baum geworffen: Nun muß ich allhier verderben und sterben / denn ohne Krücken kan ich nirgend hinkommen. Der Pfarrer erbarmete sich seiner / sprang vom Pferde; giebt das Pferd dem Schalcke / das mir dem Zügel zu halten / zeucht seinen Reit-Rock auß / leget ihn auff das Pferd / steiget auff den Baum die Krücken abzugewinnen: Indessen springet dieser auff das Pferd / rennet davon / wirfft die Bettlers Kleider weg / und lässet den Pfarrer zu Fusse nach Hause gehen. Diß kompt für den Pfleger / der bekompt den Dieb / und läß ihn an den Galgen hencken. Nun wuste jederman von seiner Listigkeit und Behendigkeit zu sagen. Einsmahls ritten etliche Edelleute auf den Abend allda vorbey / seyn wohl bezecht / reden von seiner Behendigkeit und lachen darüber: Unter diesen war einer ein versoffener und wüster spottischer Mensch / sagend: O du behender und kluger Dieb! du must ja viel wissen / komm auff den Donnerstag mit deinen Gesellen zu mir zu Gaste / und lehre mich auch Listigkeit. Dessen lachten die andern / und redeten auff dem Wege von seiner Behendigkeit. Auff den Donnerstag / als der Edelman die Nacht über gesoffen hatte / lag er lang schlaffend: Da kamen die Diebe umb Glocke 9. des Morgens in den Hoff / mit ihren Ketten / gehen zur Frauen / grüssen sie und sagen: wie sie der Juncker zu Gaste gebeten / sie solte ihn auffwecken: Dessen sie gar hart erschrickt / gehet zum Juncker für das Bette / und saget: Ach! ich habe euch längst gesagt / ihr wurdet mit eurem Sauffen und spöttischen Worten Schande einlegen: Stehet auff / und empfahet eure Gäste. Und erzehlete ihm / was sie in der Stuben gesaget hetten. Er erschricket / stehet auff / und heisset sie willkommen / und daß sie sich setzen solten: Lässet essen vortragen / so viel er in eile vermag / welches alles verschwindet. Unterdessen sagte der Edellman zum gerichteten Pferde-Diebe: Lieber / es ist deiner Behendigkeit viel gelachet worden / aber zwar itzunder ist mirs nicht lächerlich / doch verwundert mich / wie du so behend bist gewesen / so du doch so ein grober Mensch scheinest? Derselbe antwortete: Der Satan / wenn er siehet / daß ein Mensch GOttes Wort verläst / kan einen leicht behende machen / sintemal die Warheit gesaget hat: wie die Kinder der Welt witziger seynd in ihren Geschäfften / denn die Kinder des Lichts. Der Edellman fragte andere Dinge mehr / darauff er antwortete / biß die Mahlzeit entschieden war. Da stunsten sie auff / dancketen ihm für den guten Willen / und sprachen weiter: So bitten wir euch auch auß dem Himmlischen Gericht GOttes / an das Holtz / da wir / umb unser Missethat willen / von der Welt getödtet worden / und da solt ihr mit uns auffnehmen das Gerichte zeitlicher Schmach / und diß sol seyn heute über vier Wochen: Und schieden also von ihm. Dessen erschrack er sehr / ward hefftig betrübet / sagte es vielen Leuten: der eine sagte diß / der andere das dazu. Er tröstete sich aber dessen / daß er niemand nichts genommen hette / und daß solcher Tag auff Allerheiligen Tag gefiel / auff welchen / umb des Fests willen / man nicht zu richten pfleget. Doch bliebe er zu Hause / lude stets Gäste zu sich / ob was geschehe / daß er Zeugnüß hette / er were nicht außkommen. Denn damahls war Rauberey im Lande / sonderlich Greger Maternen Reuterey / auß welcher einer den Hauß Comtor D. Eberehard von Empten erstochen hatte. Derohalben der Comtor befehl bekam / wo solche Reuter oder Compans zu finden / man solte sie fangen und richten / ohne einige Audienz. Nun war der Mörder verkuntschaffet / und der Comtor eilete ihm mit den Seinigen nach: Und weil jenes Edellmannes der letzte Tag nun war / und darzu Allerheiligen Tag / gadachte er / er were nun frey: will sich einmahl gegen Abend / auff das lange Einsitzen / etwas erlustigen / ritte in das Feld: Indessen / als seiner des Comtors Leute gewahr werden / deucht sie / es sey des Mörders Pferd und Kleid / und ritten flugs auff ihn zu. Dieser stellet sich zur wehre / und ersticht einen jungen Edelman / des Comtors Freund: Derohalben er gefangen wird / drin gen ihn für Leunenburg / geben einem Littauen Geld / der hencket ihn zu seinen Gästen an den Galgen: Und wolte ihn nicht helffen / daß er sagte / er keme auß seiner Behausung erst geritten: sondern muß hören: Mit ihm fort! ehe andere kommen und sich seiner annehmen / denn er will sich nur also außreden. Siehe / also konten von diesem Elenden keine Bitte den Galgen und Tod nicht abwenden. Casp. Hennebergicus in Chronico Prussiæ pag: 254.

8. Ein Verstorbener schicket seinem Bruder einen Brieff. Zwey Welsche Kauffleute reiseten auß Piemont in Franckreich: Unterwegens begegnete ihnen ein Mann / der viel länger war als andere: Derselbe ruffte sie zu sich / und redete sie also an: Kehret zurück / zu meinem Bruder Ludovic / und gebet ihm diesen Brieff / den ich ihm sende. Sie wurden sehr bestürtzt /und frageten / wer seyd ihr? Ich bin / sagte er / Galeatius Sforcia: und alsbald verschwand er. Sie wendeten ihren Zügel gen Meiland / und dar gen Vigevena / da Ludovic damahls war / sie baten / man wolte sie vor den Hertzog lassen kommen; Sie hetten Brieffe / ihm zu überantworten von seinem Bruder. Die Hoffleute spotteten ihrer / und weil sie immer ferner deßwegen anhielten / legete man sie gesangen / und stellte ihnen die scharffe Frage für: Aber sie blieben beständig auff ihrer ersten Rede. Unterdessen rathschlageten die Räthe des Hertzogs / was man mit diesem Brieffe machen solte / und wusten nicht zu antworten / so waren sie bestürtzet. Einer unter ihnen / mit Nahmen Vincente Galeatius / nahm den Brieff in seine Hände / der war geschrieben auff ein Pappier /welches in der Form eines Briefes von Rom zusammen geleget war / und war mit Dünnen Messengen Draht vermahret / darinnen stunde geschrieben: Ludovic / Ludovic / siehe dich wohl für: die Venediger und Frantzosen werden sich mit einander verbinden / dich zu ruiniren / und dem Vorhaben gantz und gar zurück zu treiben. Aber so du mir wirst dreytausend Kronen verschaffen / will ich Ordre geben / daß sich die Hertzen sollen sänfftigen / und daß das Unglück / so dir dräuet / sich weit abwende: Ich habe das gute Vertrauen / ich wills zu Wercke richten / so du mir wollst glauben. Hiemit GOtt befohlen. Die Unterschrifft war diese: der Geist deines Bruders Galeatii. Etliche verstarreten über den seltzamen Handel: Etliche aber machten nur ein Gespotte darauß: Ihrer viel riethen / man solte die drey tausend Kronen in depositum legen / damit man der Meynung des Galeatii am nechsten käme: Der Hertzog aber vermeynete / man würde seiner spotten / so er die Hand so sehr sincken liesse /wolte demnach das Geld nicht außzahlen / und es in frembde Hände überlieffern: darauff ließ er die Kauffleute wieder nach Hause ziehen. Aber über etliche Zeit ist er von seinem Hertzogthum Meiland verjaget / und gefangen genommen worden. Arluno in dem ersten Theil der Meilandischen Historien / oculatus testis.

Mercke schlüßlich / daß die Jüden und ihre Rabbinen / ins gemeine / nicht alleine davor halten / als wenn alle Mormilycia, Empusæ, Pythonos, Sympytæ, Pythonissæ, Lycanthropi, Cobboldi, homunculi Domestici, das ist / Weerwolffen / Kobbolde / guegen Ollten / Edder Oelrikken / etc. die Mahre / oder Synonym: das Drucken oder Reiten der Mahre / das Rätzel / Nacht-Rätzel / etc. [nachn Joh. Awen / in Disput. de Incubo, thes. 2. und 19. 20. Argentorat: 1666.] und die übrigen Phantasmata, von Adams Samen herkommen sollen / als welche drauß gebohren worden in selbigen 130. Jahren / drinnen Er sich seines Weibes enthalten hat / nach deme Cain von seinem Bruder ermordet worden. Sondern daß sie auch / als zu einem sonderbahren Mittel / und Abwehre / befehlen; man müsse sieben Circul ümbs Grab machen / damit solche Gespenster nicht in einen todten Cörper kriechen / sich in solchem verstellen / und Schaden bringen mögen. Wie solches d. l. Joh. Awen anführet: Hinzuthuende von dem Alpe / thes. 20. daß manche Leute etlichen alten Weibern am Gesichte abmercken wollen / welche des Nachts zu Mahren werden; als wenn ihre Augenbranen gantz gleich zu gehen / und das Plätzgen / über der Nase / Glabella genannt / als das sonsten glat ist / auch rauch mit Haaren bewachsen außsiehet. Anderer närrischer Kennezeichen will er geschweigen / als derer er sich schämet sie vorzubringen. In übrigen daß es des Teuffels Spückerey sey / ist unleuchbar / wiewohl das Mauschlische bemühen wenig darwieder vermag: und so viel hilfft / als der Egyptier ihre Isides, so sie / von Thon / Ertz / Messing etc. gemachet / denen Mumien / oder auch todten Cörpern / insinuiret / und noch von so sehr vielen 100. Jahren her / itzt drinnen gefunden werden. vide B. Gryphii tractatulum de Mumiâ Wratislaviæ: so vor ein paar Jahren herauß kam. Und ist glaublich bey der Historie / so ich pag: 43. 44. vorgebracht / daß der Teuffel gewust / wie jene Magd / plötzlich etwan vom Schlage damahlen sterben sollen: derentwegen er sich in einen Götzen Mausim, oder Mäuselein / flugs verwandelt / und hernach sein drücken über den Knecht / nachgelassen hat: Damit durch diesen scheinbahren process oder Folgerunge der Aberglaube gestärcket / und nicht geschwächet würde. Die in dem HErren sterben / ruhen ohne daß wohl / so mit der Seelen als dem begrabenen Leibe. Und ist also freylich auch wohl dieses ein ludibrium satanæ gewesen (oder verhält sichs hiemit / nach der Schrifft / da auch GOtt der HErr / durch den gestorbenen Samuel / Wunder und Warnung gethan?) da 1664. umb den Advent zu Lützen im Stiffte Merburg / eine plötzliche und wunderliche Feuersbrunst entstanden ist. vide pag: hic 197. daß kurtz vorher / solches sey angedeutet worden / durch den / etwan noch nicht ein viertel Jahr vorher / vorstorbenen Sel: Herrn M. Johann: Lysthenium gewesenen Pfarrern und Seniorem, wohl 80. Jährigen / als der bey hellem Tage an seine vorige Stube / von aussen / gekommen / das Fenster auffgethan / und etliche mahl mit gewöhnlicher Stimme geruffen habe: Wehe dir / Lützen! welches flugs in selbiger Stube etliche versammlete Priester und andere Leute gehöret haben / nebenst dem Herren Sohne / auch einem Pfarrern / so damahlen zugegen gewesen / der aufgestanden und hingegangen ist; aber nichtes gesehen hat; in deme solchem das Fenster vor der Nase vom Gespenste war zugeschlagen worden. Welches alles Er umbständlich / nachm erschollenem Gerüchte / vorm hohen Gerichte gestanden / und außgesaget hat. Sonsten wegen des erwehneten Kobolden anderswo im Lützen /ward mir noch dieses von einem Landsmanne erzehlet / daß / nach selbigen Gesichte / wie es aber nit so wol gegossen / als sich soll gebadet etc. gehabt haben / der Mann im Hause verstorben sey. etc. Ich habe ohnegefehr etwas berühret von den Mahren: behalte noch dieses darzu / wegen der Mahrenflechten: (in Thüringen heisset man es Sael-locken / in übrigen kenne ich hier ein grosses Weibesbild / welches etliche solche verwirrete Flechten auffn Kopffe hat.) Davon also Johann: Tröster / 1666. Nürnberg: im Polnischen Adlers-Neste / lib. 3. c. 16. pag: 289. 290. von Anno Christi 1296. da die Tartarn in Pohlen gefallen / und solche Menge Volcks weggetrieben / das sich zu Ulodomir in Russenland / mehr als 20000. Polnische Jungfrauen gefunden haben. Doch haben sie es auch denen Russen / welche doch ihre Wegweiser gewesen waren / keines weges geschencket: denn sie den Gefangenen die Hertzen außschnitten / und mit Gifft aufülleten / und den Russen heimlich in die Wasserbrunnen einfrisseten / davon ihr viel sterben müsten. Ja man hält dafür / daß auch die Polnische Flechte / daß mahl / und auß dieser Vergifftung entstanden / so noch heutiges Tages / manchem die schöne Haar wunderlich zusammen picht. ibidem cap. seq: 17. 18. Vom Uladislao, Loctico, so von seiner kurtzen Person / Cubitalis, oder Ellenman Polnisch Lockieteck geheissen worden. etc. welches zu mein letztes Capitt. gehöret.

 

Sectio secunda.

 

Eine andere Beschaffenheit hat es mit folgenden. Als lieset man dieses bey Johann Lassenio in Adelichen Tischreden Dial. 3. pag. 80. etc. Sonsten befinden sich / bey dem Menschlichen Cörper / solche Eigenschafften / oder vielmehr Schwachheiten / welche solche Dinge bey ihnen verursachen können: Absonderlich aber befinden sich solche Sachen mehr bey Weibs- als Manns-Personen. Dannenhero man auch bey theils Orten die todten Cörper / nicht als biß in den dritten oder vierdten Tag begräbt / inner welcher Zeit die Naturkündiger meynen / daß sich eine solche consternatio oder retētio spirituū äussern müsse. Hierauff fieng Mons. Charles an. Es ist war / Mons. Basse-court, was ihr geredet / und wie ich mich besinne / so schreibet man mir / daß es eine Kindbetterin gewesen / und gebe ich wohl zu / daß es auff diese weise geschehen könne / wie ihr saget. Freylich / antwortete Mons. Basse-court, muß es auff solche weise geschehen / denn ich nicht absehe / wie man es sonsten behaupten könne. Ich will nur ein Exempel erzehlen: darauß ihr vielleicht mehr glauben diesem Dinge zustellen werdet. Er erwehnet der vornehme Holländische Poet J. Catz in seinen Sinnreichen Gedichten / genannt Heurath auß dem Grabe; daß an einem Ort in Holland / eine Jungfrau gewesen / umb welche zwey junge Gesellen / bey ihren Eltern angehalten / der eine ein Kauffmann / der ander ein Apothecker. Die Jungfrau habe zwar mehr Liebe zu dem Apothecker getragen / als zu dem Kauffmann / nichts desto weniger aber habe sie den Kauffmann / auff gutachten ihrer Eltern / nehmen müssen / alldieweil er reicher als der Apothecker. Weil nun dieser seines Wunsches nicht theilhafftig werden mögen / und sehen müssen / das ihm ein anderer mit dem Fleisch durchgehe / habe er auch ein Gelübde gethan / nimmermehr zu heurathen. Die Jungfrau habe mit ihrem begüterten Kauffmanne gelebet ein Jahr / sey aber in Kindesnöthen verstorben / und man habe sie dem Gebrauch nach / annoch vor 24. Stunden begraben; der Apothecker aber / habe den Todtengräber gebeten / ihm das Grab vor Darreichung eines gewissen Geldes zu öffnen / damit er die verstorbene / die er auch im Tod liebe / nur einmahl sehen möge. Der Todtengräber habe sich leicht dazu bereden lassen / und sey der Apothecker des Nachts zu dem Grabe kommen / den Todtenkosten eröffnet / und den Cörper gesehen / und in dem er wieder hinweg gehen wollen / habe er mit Vergiessung vieler Thränen / den todten Mund geküsset / da er denn befunden / daß derselbige einen Athem von sich gabe / worüber er zwar anfangs erschrocken / aber nachmahls ihm besser nachgedacht / nach Hause gelauffen / und allerhand Artzney geholet / auch endlich so viel zu wege gebracht / daß die Frau die Augen wieder eröffnet / sich auffgerichtet / und gefraget / wo sie sey? worauff der Apothecker ihr / jedoch mit Bescheidenheit / den gantzen Handel berichtet / und sey sie mit ihm / in ihrem Todenhembde /wiederumb zu ihres Mannes Hause gegangen / welcher sie endlich / aber mit grosser Furcht und Schrecken eingelassen / ihr aber die Hände nicht geben wollen: Des andern Tages / habe er lassen alle seine Freunde / und einen Geistlichen zu sich erbitten / diesem Apothecker / sampt seinem Haab und Gut / auch die Frau geschencket: Und sey er alsobald darauff gestorben / die Frau aber mit dem Apothecker / annoch fünff Kinder gezeuget.

Das ist eine wunderliche Geschicht / sagte Don Roderigo, aber ich erinnere mich / das man mir in der Churfürstlichen Sächsischen Residentz-Stadt Dreßden / auf dem Kirchhofe zu S. Maria / einen Stein gewiesen / darunter / wie man berichtet / eine Frau begraben sey / welche nach dem sie einmahl allbereit beygesetzet gewesen / wieder ewachet / und annoch 7. Kinder gezeuget. Sie sey aber durch den Todtengräber erwecket / welches ihr in der Nacht die Ringe von dem Finger ziehen wollen / und zweiffels ohne ziemlich hart wird gezogen haben; und halt ich es mit euch / daß dergleichen Sachen in der Natur viel seyn / und auß denen Ursachen / wie ihr angezeiget / wohl geschehen können. Ich gestehe es / das in der Natur viel verborgen / so wir nicht alles eigentlich begreiffen oder ergründen können; Man könte von diesen Sachen / einen weitläuffeigen Discurs führen. Denn ich bilde mir ein / wo die Seele im Menschlichen Cörper ist / so müsse sie auch ihre Wirckung haben / und könne der Geist des Menschen nicht ruhen; wo sie aber die Wirckung habe / so könne man dieselbe auch an dem Menschlichen Cörper abnehmen; Allein ich will lieber den Naturkündigern schlecht glauben / als den Kopff hiemit martern.

Was des Lassenii letzt-berührte Geschichte antrift / solche erzehlet viel vollständiger Herr Grundman inn seiner Geist und Weltl. Geschicht Schul: p. m. 221. etc. die wiederlebende Kinderbetterin Philippus Salmuth Cent. 2. num. 87. Obs. Medd. erzehlet einen denckwürdigen wunderbahren Fall / der sich mit einer Kindsbetterin / Matthæi Harnisches / Buchdruckers zu N. Eheweibe / zugetragen. Diese befiel in ihrem Kindbett oder 6. Wochen mit einer hefftigen und anhaltenden Schwachheit und ohnmacht / daß man kein Leben bey ihr vermerckte / sondern sie gantz für tod hielte / und als eine Leiche zur Erden bestatten ließ. Wie nun des Orts brauch ist / daß der Sarg vor dem Einsencken ins Grab eröffnet / und die Leiche männiglich zu schauen dargestellt wird / sind die Todtengräber an dieser Frauen etwas von Schmuck und güldenē Ringen ansichtig worden / deßwegen sie den Anschlag machen / auff die Nacht sie wieder außzugraben / und ihr den Schmuck abzunehmen / richten auch denselben ins Werck. Als sie nun das Grab und Sarg eröffnet / unn der Frauen die Ringe abziehen wollen /zeucht sie ihre Hand zurück / und fängt sich an zu regen / wovon diese Buben solche Furcht und Schrecken ankompt / daß sie ablassen und davon lauffen. Die Frau ermahnet sich / und kompt wiederumb zu ihr selber / weiß nicht / was mit ihr fürgangen / richtet sich auff / und rufft umb hülffe. Nach dem sie aber vermittelst des Lichts / so in einer Laternen die Todtengräber aus Furcht hinter sich gelassen / gewahr wird / an was für Ort sie sey / steigt sie mit grosser Mühe aus dem Grabe / nimmt die Leuchte zur hand / und kommt darmit zu ihres Mannes Hause / klopffet da an / und begehret sich ein zulassen. Das Gesinde / wie auch der Haußwirth selbst / da es ihm wird angezeigt / halt es mehr für ein Gespenst / als seine wiederlebende Haußfrau / und weisen sie mit harten Worten ab. Als sie aber mit ruffen und anklopffen weiter anhielt / und ihr Ehemann sie endlich an der Stimme erkennete / sie ihm auch beweglich zuredte / er möchte bedencken / was ihr Zustand / und wie sie in so kalten Wetter nicht lange tauern könne / hat man sie eingelassen / und von ihr allen verlauff / nicht ohne Entsetzen / vernommen. Auch hat sie ihr Haußwirth mit grossen Freuden nebenst dem gantzen Hause erkennt und auffgenommen / GOtt darüber hertzlich gedancket. Was aber folgenden Tages für wundern / heimsuchen und glückwünschen bey der gantzen Stadt gewesen / ist leicht zuerachten. Sie hat ihre gäntzliche Gesundheit wieder erlanget / noch viel Jahre gelebet / und mit ihrem Ehemanne / durch GOttes Segen / noch etliche Kinder erzeuget. Die Todtengräber / nach dem aller Verdacht auff sie gefallen / sind eingezogen / und nach Verdienst abgestraffet worden.

Psalm. 71/19. Du thust grosse Dinge / GOtt / wer ist dir gleich? Denn du lässest mich erfahren viel und grosse Angst / und machst mich wieder lebendig / und holest mich wieder aus der tieffen Erden herauff. Uber diese Wort ist Lutheri merckwürdige Erklärung zu finden Tom 12. Witt. p. 389 / in den Summ. über diesen Psalm / den er außgelegt von der Person der gantzen Christenheit / sonderlich vom letzten Alter der Welt / da gefährliche Zeitē seyn / und der Glaube mit dem Evangelio niedergeschlagen werden solten etc. Es mag uns wohl eine köstliche Weissagung seyn / daß GOttes Wort für der Welt Ende hat müssen wiederkommen / damit er uns wiederumb (sagt er) tieff auß der Erden holet / und höchlich tröstet / wie denn darauff lautet die gemeine Rede / bey den Christen / daß Elias und Henoch sollen kommen / und des Antichrists Lügen offenbahren / und alles wieder zu rechte bringen.

Hierzu könte einer auch viel Historien setzen derer / so gehencket gewesen / und wiederumb lebendig geworden seyn / davon was sonderliches zu lesen ist / beym Schenckio in Observat: Medicin: lib: 2. c. 17. etc. p. 32. etc. Eras. Francisci in seiner Schaubühne der curiositäten part. 5. p. 840. etc. Unterdessen gebe ich gerne zu / daß man einen sterbenden / wie des Herren Cronenthals Worte fielen / zu Zeiten wol wieder auffruffen möge: aber einen verstorben / oder verblichenen / wie mein Herr Vetter Berrintho redete /wiederumb durchzuruffen zu erwecken; das brauchet einen Künstler / der bey der Allmacht GOttes in die Schuel gangen / oder / durch eine besondere Gnade / es von derselben / wie ein geschencktes Handwerck /überkommen. Denn die / so man wieder / durch Geschrey / ermuntert / sind annoch im Leben; Ob es gleich die Umbstehenden nicht mercken: Weil auff das wenigste das Hertz bey dem Menschen annoch lebet; ohn angesehen alle andere Glieder erkaltet / und ihre Regung verlohren haben. Ich habe einen gesehen / und offters mit ihm geredet / der in aller Zuseher Augen nicht allein verschieden / besondern auch allbereit etliche gantze Stunden / auff der Todtenbahre gestanden / aber hernach unvermuthlich sich wiederumb ergetstert / und vielleicht noch biß auff diese Stundelebet; wieviel er eben nit wieder auffgeschryen; gestaltsamb man ihn schon für todt gehalten / und zu waschen angefangen. So findet man beym Thuano ein seltzames Exempel / von einem Julio Civili / der / in der Belägerung Rovan in Franckreich / von einer Kugel getroffen / daß er für todt vom Woll herunter gefallen / und nicht allein begraben; sondern auch noch ein anderer erschossener im Grabe auff ihn gelegt; nach Art und Gelegenheit solcher Kriegs und Sturm-Zeiten / da man mit den Todten wenig Gepränge macht / besondern sie / so bald ihnen der Athem kaum entwichen / in die Gruben senckt. Nach dem Civilis unterm Grunde / und zwischen den Todten gantzer sechs Stunden zugebracht; kompt sein Diener / und läst ihm den Ort zeigen / da sein HErr begraben liegt; weil er demselbigen / bey seinem Leben versprechen müssen / seinen Cörper abzuholen. Man willfahrt ihm / unn wird die Grube geöffnet; Aber er kunte seinen Herrn / dem das Angesicht mit Blut aller besudelt war / vor andern nicht unterscheiden: scharrete ihn derowegen wider ein und wolte seines Weges reiten. Aber es blieb noch eine Hand unbedeckt über der Erden / an deren Finger ein köstlich grosser Demant-Ring saß / und funckelte: Hieran erkannte er ihn / hub ihn wieder auß der Grufft / auff sein Pferd / und fühlte / daß er noch aller warm warm wäre; welches ihm auch nicht geringe Freude erregte. Er brachte ihn ins Quartier: da man ihn auffs fleißigste labete / ob irgend die Lebensgeister sich bey ihm wolten erholen: welches zwar innerhalb 5. Tagen / darinnen er ohne Red und Bewegung geblieben / nicht geschehen. Ja / ob ihm gleich der Wund-Artzt / durch den Halß / einen Faden / durch die Wunden gezogen / hat ers doch nicht gefühlet. Gleichwol hat man ihm den Mund auffgebrochē / und ein wenig warme Fleischbrühe hinein gegossen. Gegen Abend kömpt darauff der Puls wieder / aber zugleich mit einem starcken Fieber. Am sechsten Tage schleuft er endlich die Augen auff / und hebt sich an zu bewegen: ist also nach gerade zu völliger Gesundheit gelanget; wiewohl hernach noch mit vieler Gefahr und harter Verletzung / auffs neue beschwert worden: welche aber hiebey zu melden / unserer Sache nicht fürderlich. Dieser Art wüste ich viel andere Begebenheiten mehr anzudeuten; da es die Noth erfoderte. Worauß erscheinet / daß nicht alle die jenigen gleich gestorben / die man davor anfiecht; besondern nur zu weilen in einer Ohnmacht / und Krafftlosigkeit liegen. Und also muß man auch von den wieder auffgeschrieenen urtheilen; daß sie nicht todt /wiewohl dem Tode gar nahe gewesen. Was nun solches auffschreien für natürliche Wirckung und Ursachen / bey dem Patenten / habe: davon fragte der Herr besser die gelehrten Naturkündiger und Aertzte / die ihm vielleicht eine gründliche scheinbahre Erklärung darüber machen könten. Mein einfältiges Concept aber [damit ich dem Herren meine Gedancken gleichwohl nicht vorenthalte] ist davon dieses: daß / in dem das starcke Geschrey durch die Ohren des Sterbenden dringt / das verstorbene Geblüt durch den Schall in etwas alterirt / erregt und zertheilet / und den zu dem Hertzen geflüchteten Lebensgeistern der Paß nach andern Gliedern / bevorab den Nerven des Haupts / als dem Ursprunge der Empfindligkeit / hiemit geöffnet werde; dadurch der Patient wieder ein wenig zu ihm selber kommt. Wiewohl solche auffgeruffene nachmahls überauß wunder- und unerträglich seyn sollen: welches / meines bedünckens / ebensfalls von den schädlichen Feuchtigkeiten / und verdorbenem Geblüt herrühret. Jedoch gebe ich dieses vor keine Regul auß; sondern will es dem Nachsinnen anderer verständigerer Leute unterworffen haben. Herr Lilienfeld fieng an: Es stehet wohl in glauben / daß solchen Leuten nur eine tieffe Schwachheit und Sinnlose Ohnmacht zugestanden: Von welcher sie / durch das laute Weheklagen der Stimme / die ihnen zugerufft / wieder auffgemuntert werden. Aber dieses begreiffe nicht / warumb solche Personen wieder auffgeschryen / gemeiniglich anzudeuten pflegen / sie weren an einem Ort gewesen / und hetten eine gar holdselige Music gehöret: Davon man sie ietzt / mit ihrem grossen Unwillen / habe verstört und abgerissen? Es ist nicht anders / (antwortete Herr Neander) weder eine phantasey der verworrenen Einbildung / bey dergleichen Leute: in dem zwar die annoch verhandene Seel äusserlich kein Merckzeichen einigerley Wirckung von ihr giebt; innerlich aber dennoch nichts desto weniger / gleich wie sonst im Traum / in der menschlichen Phantaser / also spielet. Idem d. l. p. 379. etc. In dem der Patiente starb; (welches billich vorher hette sollen gemeldet seyn) thaten die Umbstehenden ein Geschrey; die außfahrende Seele auffzuhalten; oder ermuntern / dafern sie etwan noch im Leibe verborgen were. Welches letztere fast glaubwürdiger scheinet / und den Worten Plinii gemeß / welcher schreibt: Die Abwaschung der Todten mit warmen Wasser / und daß man zu unterschiedlichen Mahlen dieselbige beschreye / geschehe der Ursachen halben; weil gar offt die Zuschauer sich verwirreten / in dem sie vermeinten / es sey kein lebendiger Geist bey den Menschen mehr verhanden. Darüber dermaleins einer hefftig zu kurtz gekommen; welcher sich unter dem Holtzhauffen noch wider auffgerichtet / aber weil das Feuer schon lichte Flamme gegeben / nicht mehr zu retten gewest / sondern lebendig müssen verbrennen. Darumb man desto vorsichtiger zu spielen / die Leichnam 8. Tage über der Erden stehen lassen / und mit heissem Wasser gewaschen / und denn allererst nach der letzten Beschreyung / verbrannt. So hör ich wohl sprach Mons. Gaston / daß wir nicht allein / sondern auch die Antiquität erfahren / und gewust / daß einer für todt außgetragen / und dennoch wieder zu ihm selber kommen sey? Freylich / antwortete Herr Cronenthal: die Leute haben so wohl / zu der / als nach der Zeit / sich übereilen können. Zu Rom ist einem Nahmens Corsidius / der seiner Mütter Schwester zur Ehe gehabt / sein Geist wiederkommen; Nach dem ihm allbereit alles / was zur Begräbnüß gehöret / bestellet gewest: Und hat er nachmahls eben denselbigen seinen Grabbesteller helffen außtragen. Bey Capua theileten zwantzig Männer etliche Aecker: und wurden gewahr / daß einer / welchen man auff der Todtenbaare für todt hinauß getragen / sich erholet / und zu Fuß wider hinein gieng: gestaltsam solches Varro bezeuget. Plutarchus de ser. Num. Vind. erzehlet / es sey einer auß der Höhe herab auff den Hals gestürtzet / und zwar kein Blut noch Wunde an ihm / aber doch auch gantz kein Leben mehr in ihm gespürt; und dennoch derselbige / nach dreyen Tagen / als man ihn herauß zur Begräbnüß getragen / plötzlich wieder zu Kräfften kommen: habe aber nach der Zeit eine unglaubliche andre Manier zu leben fürgenommen. Es wird der Mühe werth seyn / hiebey anzuziehen die zugleich lustige und denckwürdige Betreffung / so beym Apulejo lib. 6. Flor. zu finden / und also lautet. Als ungefehr Asclepiades sich wieder nach der Stadt verfügte / und von seinem Landgut heimkehrte: wird er vor der Stadt-Psorten bey einer Leichen / eines gewaltigen Gedrengs vom Volck ansichtig / das alles in schlechten Trauer-Kleidern / umb die Baar herumb stehet. Das Verlangen / zu wissen / wer der Verstorbene sey / bewegt ihn / näher hinzu zu tretten: weil ihm / auff sein vielfältiges nachforschen / dennoch keiner hatte geantwortet. Des Verblichenen Glieder waren allbereit gesalbet / der Mund mit köstlichem Balsam bestrichen. Asclepiades beschaute ihn recht und wohl / ob er irgend / vermöge seiner Kunst / etwas mangelhafftes an dem Todten finden möchte: rühret und betrachte hin und wieder den erblasten Leichnam: und fängt geschwinde an zu ruffen / der Mensch lebe noch; man solle die Fackeln und das Feuer auff die Seiten thun / den Scheiterhauffen abwerffen / und die Leich-Tractamenten von der Grabstädte / heim zu Tische tragen. Hierüber entstehet unter dem Volck unterschiedliche Meynung: Theils sehen für gut an / man solle ihm / als einem Artzt / Glauben geben / und folgen: Theils verlachen ihn / mit seiner Kunst / auff das eusserste. Endlich erlangt Asclepiades einen Auffschub; wiewohl mit grossem Unwillen der nahen Anverwandten / die ihm es mit dem Hencker danckten / daß er ihren Begierden die fast verschlungene Erbschafft / wieder außm Rachen risse; Und wird der Mensch / von der Schwellen des Todes / wieder zurück heimgeführt / und von ihm alsobald mit etlichen kräfftigen Mitteln erquicket; der sonst / bey lebendigem Leibe / hette müssen brennen. Es soll auch Heraclides ein eigenes Buch geschrieben haben / von einer Frauen / die nach 7. Tagen wieder auffgelebet. Wie denn etliche wollen / der subtile Philosophus Scotus sey von seinen Discipuln / als er über seine tieffsinnige Betrachtungen eins / (wie zwar mehrmahls vorhin) gar in Verzuckung gerathen / und lange darinnen beharrete; für Todt herauß getragen / und im Jahr 1308. zu Cölln begraben: es müsse denn ein anderer Scotus gewest seyn; das ich nicht weiß. Solches nun / nehmlich / daß ein annoch unvermerckt und heimlich lebender / (vide quæ suprà hâc de re disseruimus,) nicht seines Lebens beraubt würde / zuverhüten; hat man nach seiner Scheidung / etliche (Garzon setzet drey) mahl / besagter massen geruffen.

Wir haben von vielen Verstorbenen Leuten allhier geredet / theils so ferne sie von sich selbst wieder auffgewacht seynd / oder durch sie dere wiederumb zum Leben gebracht worden: Anitzund kömmt von einer Mittel-art / nehmlich von dem Käyser Friedrichen: davon also Kornmannus de mirac. mort. cap. 40. part. 4. Nachdem der Käyser Friedrich zehen Jahr todt gewesen / da hat sich ein anderer gleichförmigter Anno Christi 1261. hervor gethan / mit einem grossen Krieges-Heer / der sich für denselbigen Kayser Friedrich außgeben wollen / und vom Manfredo das Reich Sicilien wieder gefodert hat / aber drüber von vielen Fürsten im Kriege ist erschlagen worden. Hernach ist von diesem Käyser Friedrich eine neue Ketzerey entstanden / welche noch heutiges Tages im schwange gehet: Nehmlich sie bilden ihnen feste ein / er sey noch nicht todt / sondern lebe biß am jüngsten Tage / und sey auch kein rechter Käyser nach ihm mehr auffkommen. Er selber wandelte in Thüringen in einem alten verfallenen Schlosse Kyfhausen genannt / und rede mit den Leuten / ja er lasse sich auch bißweilen sehen. Weiter wird auch von vielen dafür gehalten / daß selbiger Kayser noch vorm Jüngsten Tage werde wieder kommen / und der Christenheit den vollständigen Frieden wiederbringen / er werde weit übers Meer mit sie hinüber ziehen / das heilige Grab wieder einnehmen / und das gelobte Land gewinnen. Und solchen nennen sie deßwegen Friederich / wegen der Liebe zum Frieden / nicht daß er also mit Nahmen getaufft sey. Ex MSS. anni 1284. Sonsten spricht Aventin. l. 7. und Chron. Alberti Crantz l. 8. c. 34. daß ein alter Mann nach Cölln gekommen sey / sprechend / daß er der Käyser Friedrich were / der vor 34. Jahren gestorben sey / und hat einen trefflichen applausum bekommen von denen Novesiis und Wezflariensibus, die ihn in grossen Ehren gehalten haben / biß der Betrug endlich entdeckt / und er ist verbrannt worden. Biß hieher Kornmannus. Sonsten habe ich von alten Thüringischen Leuten sagen gehöret / daß solcher Käyser Friederich tieff unter der Erden in einem Berge / auff der Banck bey einem rundten Tische sitze und stets schlaffe / und habe einen greulichen grossen grauen Bart / der ihm biß an die Erde herunter gewachsen sey: wie ihn einer also gestalt will angetroffen haben.

Hierzu könte man außm Kotnmanno d.l. c. 1. dieses setzen außm Rogero in Chron. Angl. Es soll in einer Insel Deyser ein Mägden gewesen seyn / mit eben diesem Nahmen / welche von einem Soldaten sehr geliebt worden / dessen Begierde sie aber nie gnügen leisten wollen biß an ihren Todt. Dessentwegen der Soldat / umb seinen Muth zu kühlen / sich dennoch übern todten Leichnam gemachet / und selbigen mit diesen Worten genothzüchtiget hat: Was ich mit dir in deinem Leben nicht habe können vollbringen / das will ich in deinem Tode nicht unterlassen. Und in dem hat sich der böse Feind in sie hinein gemachet / sprechende: Siehe / du hast mit mir einen Sohn gezeuget / den will ich zu dir bringen / wenn er wird gebohren seyn. Und nach 9 Monat da die Geburtszeit vorhanden gewesen / hat der Leib einen Sohn gebohren / und solchen dem Soldaten hingebracht / mit dieser Anrede: Siehe / hier ist dein Sohn / den du mit mir gezeuget hast / schneide ihme den Kopffe / unn verwahre solchen: Denn wenn du deinen Feind wilst überwinden / oder sein Land verstören wollen / so bedecke dessen Gesichte / und wende es entweder deinem Feinde oder seinem Lande entgegen; so werden sie von Stund an zu nicht werden: willstu aber hernach / daß die Straffe soll wieder auffhören / so kehre das Gesichte zu dir. Solches soll richtig eingetroffen seyn / und hat der Soldate das Ding lang getriebē / hat auch drüber eine rechte Heyrath gethan / da denn seine Frau ihn öffters gefraget; durch was für Mittel er seine Feinde ohne Waffen ängstigen und verderben könte; da hat er sich allezeit geweigert solches zu bekennen / biß es endlich geschehen / daß er auff einen Tag verreiset gewesen / da ist sie über seinen Kasten gekommen / und das verborgene Schelmstücke angetroffen / nehmlich den heßlichen Kopff / den sie von Stund an genommen und ins Wasser geworffen hat. Diese Histori habe ich mit fleiß dem Ricardo Argentino Anglo. l. 1. de præstig: c. 56. zu schreiben wollen / damit der Leser möchte mercken /wie der böse Feind so geschäfftig sey / allerhand Schelmstücke zu treiben / und mit einem Todte viel tausend andere zu tödten vorhabe. (Sonsten suche d.l. beym Kornmanno part. 9. c. 41. ein schön Capittel von der Straffe / so solchen Leuten zukömpt / die mit todten Leibern zu thun haben.) Zeilerus zur ersten Hist. seiner Traur Gesch. p. 20 Anno 1625. habe ich ein geschrieben Consilium eines / mir wohlbekanten / gelehrten Mannes / [so nun todt] gelesen / welcher von einem Pfarrer ist Raths ersuchet worden / wessen er sich gegen einem jungen Soldaten von Adel zuverhalten / der ihme / Pfarrern / entdeckt / wie er nun lange zeit hiero mit einer Weibs Person zu thun gehabt / welche bißweilen verschwinde / bißweilen wie der komme / und an statt einer Concubinen sich auffhalte: die ihr auch den Gottesdienst nicht zu wieder seyn lasse: Ihn selbsten bißweilen zum Gebet ermahne / und ihn vor ihren Ehemann halte / und nicht zulassen wolle / daß er sich gegen einer andern Person verheurathe / ihn auch freundlich umbfange und fürgebe / daß sie durch solche Ehe von etlichen sonderbahren Flüchen könne erlediget / und zu einem vollkommenen Menschen werden. Sie verhindere ihn auch am Gebrauch des heiligen Abendmahls / und andern Christlichen Ubungen durchauß nicht / sondern erzeige sich also / daß er sie für keine Teuffelin halten könne. Besiehe drey Exempel beym Hermann Hamelmann / part. 1. c. 10. f. 20. Chron. Oldenburg. und in meinen neuen Observat. ad Itiner. Germ. c. 17. num. 6. in Beschreibung der Oldenburgschen Graffen Herkommen. Hactenus Zeilerus, darüber des Herrn Minsichts Glossa d.l. p. 46. kan vernommen werden: Ob nun wohl / wie schon gesagt / zuweiln auch eine Frucht entstehet / aus solchen beywohnen / so ist es doch eine solche / welche allerhand Schaden und Unheil anrichtet / und endlich wieder verschwindet: und ob der Teuffel gleich auch gute Dinge redet / und die Menschen darzu ermahnet / so suchet er sie nur dadurch ie mehr und mehr zu betrügen. So ist es auch kein Wunder / denn er sich in einem Engel des Lichts verstellen kan / und stehet man in allen seinen Actionen, daß es ein liederlich Ende nimmet / und weder mit der Vernunfft / noch heil. Schrifft übereinkommet. Als daß jemand von einem Fluche könne erlöset und selig werden / der des Beyschlaffes sich gebrauchet / und dergleichen mehr; der Satan suchet auff allerley Weise die leichtgleubigen zuverführen. Hactenus ille: der auch p. 36. d.l. also gar schön von der Sache redet: Es fället unter den Gelehrten die Frage vor /woher es komme / oder wie es der Satan machen könne / daß er sich in Gestalt der Verstorbenen sehen lasse / oder auch wohl gar in deren Gestalt / mit andern noch lebendigen Unzucht treibe; Unn wollen die meisten / daß der Satan die Cörper aus der Erden nehme / und ihnen ein Athem einblase / und also sie herumb führe / und mit ihnen allerhand Muthwillen treibe. Ich lasse auch billich einem jeglichen hierinne seine Meinung. Und gestehe es endlich / daß es wohl seyn könne / daß der Satan über die Cörper derer / die in diesem Leben ihme gedienet / und von Rechts wegen ihme doch zukommen / Macht habe / und dieses wohl thun könne. Allein man befindet / daß er auch in heilig und selig verstorbener Leute Gestalt /viel Ding thue: Da sage ich nun / daß er mit dergleichen heiligen und auff das Verdienst JEsu Christi verstorbenen Cörpern / es nimmermehr thun könne / als derer Seelen in GOttes Hand / und deren Cörper in GOtt ruhen. Halte es demnach vor lauter Phantasey und teufflische Verblendung / welche der leidige Satan seinen Gesellen wohl machen kan / weiln ihn die Schrifft selbsten einen tausendkünstler nennet. Also verstellet er sich in allerhand Arten der unvernünfftigen Thier / als Katzen / Hund etc.

Schließlich ist hier noch beyzusügen auß Zeilero d.l. p. 29. von wegen / daß sich die Teuffel in die Toden Cörper begeben / und sie vorstellen / als wenn sie lebten / außm Peucer. de divinat. gener. p.m. 10. b. seq. daß zu Bononiâ eine Harpffenschlägerin solle gestorben / und von einem Zauberer / mit Hülff des Teuffels / also zugerichtet worden seyn / als wenn sie noch lebete: wie sie denn unter die Leute gangen / und bey Gastereyen mit ihrer Music sich gebrauchen lassen. Als aber auff eine Zeit / ein ander Zauberer / auff Ermahnung des Teuffels / den Betrug entdeckt / sey sie gleich nieder gefallen / und habe kein Leben gehabt. Hondorff. in Theat. Hist. Von einem von Adel aus Beyern / deßen sein verstorbenes und sehr beklagtes Ehegemahl / in einer Nacht wieder gekommen / den Mann beredet / etliche Jahr bey ihm gelebet / und Kinder mit ihm gezeüget habe. Wegen einer andern Historien besiehe Majol. in dieb. Canic. Tom. 2. Colloq. 3. p. 208. Andere rechte Historien von wieder Auffgelebten / suche bey Christoph Richtern in Spectac. Hist. p.m. 149. etc. cent.

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