Lacenaire Hip Hop/ Pierre Francois Lacenaire: Träume eines zum Tode Verurteilten

Wie ist man, wenn man träumt,

so glücklich! …

Auch ohne Schlaf, welch süßer Wahn.

Kaum eine Stunde, schon entwickl´ich

Den allerherrlichsten Roman.

Schaff eine Welt mir nach Belieben,

Die besten Lose sind für mich,

Mir das des Königs zuzuschieben,

Das wagt´ ich nie – wie könnte ich.

 

Auf meinem Ruhesitz, dem leisen,

Um meine Zukunft unbesorgt,

Laß ich mich von Chimären speisen,

Auch von Erinnrung wird geborgt;

Ihr Träume, frisch aus Jugendquellen,

Noch frei von Unglück und Verdruß,

Kommt, mir mein Alter zu erhellen:

Alt ist man, wenn man sterben muß.

 

Manchmal, in prächtigem Palaste,

Versamml´ich Mädchen weit und breit;

Noch öfter ich im Grünen raste,

Hab dort die Liste nur zur Seit.

Der Flor auf ihrer Brust, der schönen,

Reißt mich noch weit zu träumen hin.

Nur daß, um diesen Traum zu krönen,

Ich leider ganz alleine bin.

 

Zuweilen, in bescheidner Hütte,

Als Vater froh, als Gatte zart,

Sitz ich in der Familie Mitte,

Kinder und Weib um mich geschart;

Auch bin ich Buch und Brief gewogen

Im Schatten unter dichtem Baum;

Ach! ein Gewitter kommt gezogen,

Warum ist er so kurz, der Traum?

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