Archive for the ‘Curiosa’ Category

Friedrich Nietzsche an Jacob Burckhardt, 1889

Juni 12, 2017
„Nietzsche ist immer nur für kleine Leute größenwahnsinnig gewesen.“ André Breton
An Jacob Burckhardt

Am 6. Januar 1889

[Poststempel: Turin, 5. 1. 1889]

 

Lieber Herr Professor, zuletzt wäre ich sehr viel lieber Basler Professor als Gott; aber ich habe es nicht gewagt, meinen Privat-Egoismus so weit zu treiben, um seinetwegen die Schaffung der Welt zu unterlassen. Sie sehen, man muß Opfer bringen, wie und wo man lebt. – Doch habe ich mir ein kleines Studenten-Zimmer reserviert, das dem Palazzo Carignano (– in dem ich als Vitorio Emanuele geboren bin) gegenüberliegt und außerdem erlaubt, die prachtvolle Musik unter mir, in der Galleria Subalpina, von seinem Arbeitstisch aus zu hören. Ich zahle 25 frs. mit Bedienung, besorge mir meinen Tee und alle Einkäufe selbst, leide an zerrissenen Stiefeln und danke dem Himmel jeden Augenblick für die alte Welt, für die die Menschen nicht einfach und still genug gewesen sind. – Da ich verurteilt bin, die nächste Ewigkeit durch schlechte Witze zu unterhalten, so habe ich hier eine Schreiberei, die eigentlich nichts zu wünschen übrig läßt, sehr hübsch und ganz und gar nicht anstrengend. Die Post ist fünf Schritt weit, da stecke ich selber die Briefe hinein, um den großen Feuilletonisten der grande monde abzugeben. Ich stehe natürlich mit dem Figaro in näheren Beziehungen, und damit Sie einen Begriff bekommen, wie harmlos ich sein kann, so hören Sie meine ersten zwei schlechten Witze:

Nehmen Sie den Fall Prado nicht zu schwer. Ich bin Prado, ich bin auch der Vater Prado, ich wage zu sagen, daß ich auch Lesseps bin … Ich wollte meinen Parisern, die ich liebe, einen neuen Begriff geben – den eines anständigen Verbrechers. Ich bin auch Chambige – auch ein anständiger Verbrecher.

Zweiter Witz. Ich grüße die Unsterblichen. Monsieur Daudet gehört zu den guarante.

Astu

 

Was unangenehm ist und meiner Bescheidenheit zusetzt, ist, daß im Grund jeder Name in der Geschichte ich bin; auch mit den Kindern, die ich in die Welt gesetzt habe, steht es so, daß ich mit einigem Mißtrauen erwäge, ob nicht alle, die in das »Reich Gottes« kommen, auch aus Gott kommen. In diesem Herbst war ich, so gering gekleidet als möglich, zweimal bei meinem Begräbnisse zugegen, zuerst als Conte Robilant (– nein, das ist mein Sohn, insofern ich Carlo Alberto bin, meine Natur unten) aber Antonelli war ich selbst. Lieber Herr Professor, dieses Bauwerk sollten Sie sehn; da ich gänzlich unerfahren in den Dingen bin, welche ich schaffe, so steht Ihnen jede Kritik zu, ich bin dankbar, ohne versprechen zu können. Nutzen zu ziehn. Wir Artisten sind unbelehrbar. – Heute habe ich mir eine Operette – genialmaurisch – angesehn, bei dieser Gelegenheit auch mit Vergnügen konstatiert, daß jetzt Moskau sowohl wie Rom grandiose Sachen sind. Sehen Sie, auch für die Landschaft spricht man mir das Talent nicht ab. – Erwägen Sie, wir machen eine schöne schöne Plauderei, Turin ist nicht weit, sehr ernste Berufspflichten fehlen vor der Hand, ein Glas Veltliner würde zu beschaffen sein. Negligé des Anzugs Anstandsbedingung.

In herzlicher Liebe

Ihr Nietzsche

 

Ich gehe überall hin in meinem Studentenrock, schlage hier und da jemandem auf die Schulter und sage: siamo contenti? son dio, ho fatto questa caricatura …

Morgen kommt mein Sohn Umberto mit der lieblichen Margherita, die ich aber auch nur hier in Hemdsärmeln empfange.

Der Rest für Frau Cosima … Ariadne … Von Zeit zu Zeit wird gezaubert …

Ich habe Kaiphas in Ketten legen lassen; auch ich bin voriges Jahr von den deutschen Ärzten auf eine sehr langwierige Weise gekreuzigt worden. Wilhelm Bismarck und alle Antisemiten abgeschafft.

Sie können von diesem Brief jeden Gebrauch machen, der mich in der Achtung der Basler nicht heruntersetzt.

Aus dem `Höllenzwang´ des Doktor Faust

Mai 8, 2015

Fausti
Höllen-Zwang

oder
Mirakul-kunst und Wunder-Buch,
Wodurch die Liebhaber der Magischen Kunst (durch hülfe der Geister) zu Reichthum *hr‘ und herrlichkeit, kunst und Weißheit gelangen können.

Von mir in Deutscher und Caldeischer Sprach

beschrieben und hinterlassen.

Wittenberg im Jar, M. D. xxxx.

Von mir Fauste an alle Magos meinen Gruß!

Wolt ihr rechte Magi werden, und meine thaten verichten, müst ihr um Gott sowohl als andern Creaturen wissen, aber denselben doch nit anders, als es den Fürsten der Welt gefället, verehren, geht auch dieses nit ein; so lasset nach euch hinter meine schrifften zu machen, wo ihr anders ewres Fürwizes halber, keine tödliche Straffen von den Geistern erdulten wollet.

Mein Leser, ich schreibe dir kurz aber deutlich. Was ich aber einem sage, das sage ich allen; wer meine Kunst treiben will, der liebe die Geister der Höllen und die in der Lufft herrschen, denn diese sind es allein, die uns in diesem Leben glücklich machen können; wer Weißheit will, suche sie ben dem Deuffel, dann was ist wohl für eine Sache in der Welt, derer bester ausleger nicht der Deuffel als ein Fürst derfelben ist.

In Summa verlange was du wilst, Reichthum, Ehr und Herrlichkeit, durch ihn kannst du es haben, und was du nach deinen Todte gutes erwartest, darinnen betrügst du dich.

Ich ermahne dich also nochmahlen mein Leser, wer du auch bist, wann du dich unterstehest, hinter meine, dir hinterlassenen schriften zu machen, so bedenke den Anfang und das Ende, dann wann du solches nicht verstehest, so lasse ab, von deinem Füwitz, dann du wirst dir nur dadurch grosses Unglück über den Hals ziehen, ja Leib und Leben daben verliehren, dann ich sage dir, die Geister lassen nicht mit ihnen scherzen. Dann Sie sind Fürsten der Welt. Sie können dir zwar helfen zu Reichthum, Ehr und Herrlichkeit, du must aber wissen mit ihnen umzugehen.

Ich Fauste sage dir, wo du in dieser Welt, dir nicht Reichthum, Ehr, Herrlichkeit, und Wollust verschaffest in der andern Welt du nichts zu hoffen hast; dann nach unser Tod ist alles aus.

Ich habe dir also mein Leser, in diesem Büchlein solch Arcana hinterlassen, wenn du solche verstehest und zu tractiren wissen wirst, so wird es dir an Reichthum, und was dich vergnügen soll nit fehlen. Gehab dich wohl.

Was ein Magus oder der Meister bei der Operation zu thun, oder in acht zu nehmen.

Erstens formire der Magus von Jungfraw-Pergament einen Creiß (?-) (im Durchschnitt sieben Schuhe weit, damit er Platz hat und sicher steht) und schreibe folgende Worte hinein, wie ben der Figure 1. zu sehen.

Zum andern mußsich der Magus einen Stab von einer Haßelnußstauden füfn Schue hoch vor aufgang de Sonnen abschneiden, un diese worte darauf schreiben, wie die Figur 2. zeigt.

Zum dritten muß sich der Magus von Jungfraw-Pergament ein Schield verfertigen, und diese Zeichen darauf formiren, und wann er die Operation vornehmet, solches auf seine Stirn bünden, wie die Figur 3. zeigt.

Zum vierten muß sich der Magus von Jungfraw-Pergament ein Leibschield machen, und wann er die Operation vornehmet, solches um seinen Leib bünden, und die Zeichen darauf formiren, wie die Figur 4. zeigt.

Zum fünfsten muß der Magus den Geist so citiren will seined Caracteur mit schwarzen Katzenblut auf Jungfraw-Pergament formirenm und wann er im Creiß steht, solchen vor seine Füße legen, wie ben der Figur 5. zu sehen.

(Sigillum des Fürsten Pluto.)

Wann du Magus, nun alles, wohl gemacht, und verfertiget hast, so gehe in ein verborgenes Zimmer oder in einen Wald, damit niemand nichts von dir weiß, nit se[h]en und hören kann, stelle dich in deinen Creiß, thue Sieben Lichter auf deinen Disch, nimm den Stab in deine Hand, fange deine Citation in der Mintag, oder Mitternacht-Stunde an, (welche Geist du also verlangst, sey aber Standhast, daß du nit weichest, sonst bist du verlohren) dann du wirst denkenh, es gehet Himmel und Erden zu trimmern, dann es wird Feuer, Donner und Blitz sich sehen und hören lassen, wann aber dieses Ungewitter und Sturm vorüber, so kömmt der Geist auf dich zu, und wird dich freundlich anreden, und fragen, warum du ihm ruffest, und was dein Begehren ist, als dann thu ihm behertz antworten, und dein verlangen vortragen.

Die dienstbarsten Geister der Luft.

Agares    Marbaso     
Pruflas     Amonho    
Barbatos  Gosoym  
Botis     Bathyme   
Parsan    Eligor
Loray     Valifar
r Thalefo Legio r.

Deren Characteurs Sigillum. (&dagger)

(Siehe Fig. II.)

Der (Erde):


Deren Characteurs Sigillum.

(Siehe Figur III.)

Des Feuers die folgende (†):


Deren Characteurs Sigillum.

(Siehe Fig. IV. V.)

Des Wassers folgende Geister:


Die sieben dienstbaren Gross-Fürsten:


Deren Characteurs Sigillum ist folgendes.

(Siehe Figur VI.)


Spiritus Familiares sind folgende:

Agathyr Hohoro
Gohowr Kawetho
Mamyrson Halgohe
Zyxhator Fewah
Thologor Quasfoi
Gowatbor Xywor
Haloweth Dexoge.

Deren Characteurs Sigillum.

(Siehe Figur VII.)


Die dienstbarsten Pygmaeen:

Twogor Ykolow
i Hagathor Molphoe
Phywolet Xathori
i Howoheh Taxhog.

Deren Characteurs Sigillum.

(Siehe Figur VIII.)


Automaton of Cleopatra

Dezember 24, 2014

Some Dolls: Joueuse de Tympanon

Dezember 18, 2014

Some Dolls: Gustave Vichy, Le buffet magique

Dezember 18, 2014

Some Dolls: Gustave Vichy, The Peasant and His Pig

Dezember 18, 2014

Max Pallenberg: Scharfrichtercouplet, from `The Mikado´

September 9, 2014

Thirteen

April 8, 2013

On the 19th of this Moon, the King and the whole Court were present at a Ballet, representing the grandeur of the French monarchy. About the Middle of the Entertainment, there was an Antique Dance perform d by twelve Masqueraders, in the suppos’d form of Daemons. But before they had advanc’d far in their Dance, they found an Interloper amongst ‚em, who by encreasing the Number to thirteen, put them quite out of their Measure: For they practise every Step and Motion beforehand, till they are perfect. Being abash’d therefore at the unavoidable Blunders the thirteenth Antique made them commit, they stood still like Fools, gazing at one another: None daring to unmask, or speak a Word; for that would have put all the Spectators into a Disorder and Confusion. Cardinal Mazarini (who was the chief Contriver of these Entertainments, to divert the King from more serious Thoughts) stood close by the young Monarch, with the Scheme of the Ballet in his Hand. Knowing therefore that this Dance was to consist but of twelve Antiques, and taking notice that there were actually thirteen, he at first imputed it to some Mistake. But, afterwards, when he perceived the Confusion of the Dancers, he made a more narrow Enquiry into the Cause of this Disorder. To be brief, they convinced the Cardinal that it could be no Error of theirs, by a kind of Demonstration, in that they had but twelve Antique Dresses of that sort, which were made on purpose for this particular Ballet. That which made it seem the greater Mystery was, that when they came behind the Scenes to uncase, and examine the Matter, they found but twelve Antiques, whereas on the Stage there were thirteen . . .

(Intrigues and Secrets of the Christian Courts, MDCCXLI)

 

Favourite Unlikely Situation: 43.30 – 48.50 from `Swiss Miss´(1938)

März 22, 2013

Spiderwalk Scene from `The Exorcist´ (Cut Vs)

März 13, 2013